Repräsentative Befragung

Zweite Zürcher Wahlumfrage: Avdili (FDP) könnte Baumer (FDP) aus dem Stadtrat werfen

Fünf Wochen vor den Zürcher Wahlen im März zeigt sich: Das Rennen um die letzten Stadtratssitze ist offen. Zwischen vier Kandidierenden liegen laut einer aktuellen Umfrage von Tsüri.ch nur wenige Prozentpunkte – mit Folgen vor allem für die FDP.

FDP, Përparim Avdili,  Marita Vebali, Michael Baumer
In der aktuellen Umfrage holt Përparim Avdili (FDP) auf und bedroht Parteikollegen Michael Baumer. (Bild: Mai Hubacher)

Wäre der Wahltag Ende Januar, würde es eng. Besonders knapp wäre es für die Neuen Përparim Avdili (FDP) und Tobias Langenegger (SP) sowie für die bisherigen Stadträte Michael Baumer (FDP) und Andreas Hauri (GLP). Das zeigt eine aktuelle, repräsentative Umfrage der Feldlabor GmbH im Auftrag von Tsüri.ch.

Die vier Kandidierenden liegen in der Wählergunst dicht beieinander. Mit einem Abstand von 5,7 Prozentpunkten und einer Fehlermarge von ±2,9 Prozentpunkten ist offen, wer am Ende vorne liegt.

Die grosse Frage bleibt: Schafft es die FDP – nach dem Rücktritt von Filippo Leutenegger – mit Përparim Avdili die zwei Sitze im Stadtrat zu halten? Oder gelingt es den Grünen auf Kosten der Freisinnigen einen dritten Sitz zu erobern?

Bei einer ersten Befragung im Oktober musste Karin Rykart (Grüne) um ihre Wiederwahl zittern. Inzwischen hat sich die Lage verschoben: Nun steht vor allem die FDP unter Druck. In der Umfrageauswertung schreibt Politologe Oliver Strijbis, dass die Grünen einen dritten Sitz auf Kosten der FDP gewinnen könnten.

«Der Partei droht eine Klatsche», schreibt Simon Jacoby in seinem Kommentar auf Tsüri.ch.

Raphael Golta (SP), Daniel Leupi (Grüne), Balthasar Glättli (Grüne), Simone Brander (SP), Céline Widmer (SP) und Karin Rykart (Grüne) dürften in den Stadtrat gewählt werden.

Fragile linke Mehrheit

Das linke Lager hält im Gemeinderat mit einer einzigen Stimme die Mehrheit. Die Umfrageergebnisse zu den Gemeinderatswahlen sind unsicher, lassen aber am ehesten ein Szenario mit nur geringen Verschiebungen erwarten.

Im Vergleich zu den letzten Wahlen konnten SP und SVP in den Umfragewerten leicht zulegen. Die FDP und AL verlieren am meisten. Jedoch befinden sich alle Unterschiede innerhalb des Fehlerbereichs. Das Kräfteverhältnis wird voraussichtlich im Grossen und Ganzen bestehen bleiben, doch auch eine kleine Verschiebung könnte bereits die Mehrheit kippen.

«Es wird keinen grossen Rutsch geben – weder in die eine, noch die andere Richtung. Ich gehe davon aus, dass sich die linke Mehrheit halten wird», sagt Oliver Strijbis im Interview mit Tsüri.ch.

Wahlabsichten für die Gemeinderatswahlen, Januar 2026
Die Wahlabsichten verändern sich im Vergleich zu den Wahlen 2022 nur geringfügig. (Bild: Feldlabor GmbH)

Wenig Vertrauen in die Grünen

Vier von fünf Befragten gaben Wohnen und Mieten als grösstes Problem in der Stadt Zürich an. 39 Prozent verwiesen auf die Lebenshaltungskosten (Mehrfachantworten waren möglich). Dahinter folgen die Themen Bauen, Verkehr und Umwelt.

Um diese Probleme zu lösen, vertrauen die Leute am meisten der SP. An die Grünen als drittgrösste Partei im Parlament glauben lediglich 4,9 Prozent.

Vertrauen in Lösungskompetenz der Parteien, Wahlumfrage 2026
Am meisten trauen die Befragten der SP zu, Probleme zu lösen. (Bild: Feldlabor GmbH)

Stapi so gut wie sicher

Weiterhin gilt Raphael Golta (SP) gesetzt als Stadtpräsident. Der aktuelle Sozialvorsteher holt 49,2 Prozent der Stimmen. Herausforderer Përparim Avdili von der FDP hat kaum Wahlchancen. Er hat bei den Wähler:innen zwar im Vergleich zum Oktober aufgeholt, landet aber mit 26,1 Prozent abgeschlagen auf dem zweiten Platz.

Wunsch nach Mehrheitswechsel

Aktuell haben die linken Parteien im Stadtrat und Gemeinderat eine Mehrheit. Ganze 25 Prozent der Befragten wollen, dass diese beendet wird – etwa gleich viele Wähler:innen wollen die linke Mehrheit stärken.

Wunsch nach Mehrheitswechsel, Wahlumfrage 2026
Etwa gleich viele Befragte sprechen sich für den Erhalt der linken Mehrheit aus wie für deren Beendigung. (Bild: Feldlabor GmbH)

Die Einschätzung zu den Ergebnissen durch den Studienautor Oliver Strijbis liest du hier, den Kommentar von Chefredaktor Simon Jacoby liest du hier

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yann

Yann hat an der Universität Zürich einen Master in Germanistik, Sozialwissenschaften und Philosophie abgeschlossen. Erste journalistische Erfahrungen sammelte er bei 20Minuten, Tsüri.ch und der SRF Rundschau. Beim Think & Do Tank Dezentrum war Yann als wissenschaftlicher Mitarbeiter und in der Kommunikationsleitung tätig. Seit 2025 ist er Teil der Tsüri-Redaktion.

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Kommentare

Ake
06. Februar 2026 um 11:48

P. AVDILI als Stapi

Viele schätzen Perparim falsch ein, und doch hat man gesehen was die SP bislang geleistet hat, trotz all den Versprechen der günstigeren Wohnungen wird alles teurer, und ich denke da ist Perparim eben der Kandidat von dem man es gar nicht erwartet aber der genau hier Positive Entwicklung bringen möchte. Er denkt auch aus dem Parteischen Rahmen hinweg, er kommt aus einer Familie die sich durchgekämpft hat er ist CFO kennt sich mit Finanzen aus, und weiss daher genau wo man regulieren muss. Perparim setzt sich für Stadt Zürcher und deren Probleme ein da er diese genau kennt, daher wähle ich 🔵. Wir brauchen keine Auto Verbote und Velo Strassen, wir brauchen eine Politik die sich dafür einsetzt das nicht alles teurer wird, eine Person die sich gegen die Stadtverwaltung einsetzt und die Probleme an der Quelle anpackt, und nicht nur damit angibt etwas verändern zu wollen.

Grüter
05. Februar 2026 um 07:05

Hoffe für die Stadt Zürich, dass die grosse Mehrheit der bis anhin Nichtwählende, auf jeden Fall von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen. Dann wird es sich zeigen, ob Grün dank SP durchmarschieren kann, trotzdem sie weit unter dem Anspruch für einen zweiten bzw dritten Stadtrat hat. Die Grünen haben die Macht, dank der SP, welche sich von einer Angestellten Partei entfernt hat. Aber warten wir einmal die Wahlen ab. Die beiden Pol Parteien, SP und SVP, sollten weniger Zuspruch erhalten, dafür die Mitte Parteien wieder Aufschwung.

L
04. Februar 2026 um 13:58

Sehr knappe(!) linke Mehrheit

Ich finde es wichtig zu erwähnen, dass die linke Mehrheit im Gemeinderat genaue 1(!) Person ist. Dass sie so knapp ist wird im Artikel leider nicht erwähnt, es klingt vielmehr so, als wäre sie stark (was nicht der Fall ist). Die Frage nach der Stärkung / Schwächung dieser linken Mehrheit scheint mir daher nicht wirklich sinnvoll gestellt. Wie soll eine Mehrheit bestehend aus einer Person geschwächt werden, ohne sie zu beenden? Diese Frage, die Antwortmöglichkeiten und den Text dazu finde ich unpassend, um der aktuellen Situation gerecht zu werden. Es ist gefährlich solche Fragen und Aussagen zu tätigen und die Wähler:innen damit mangelhaft zu informieren.

danke
04. Februar 2026 um 07:54

mehr info

Wäre toll, wenn bei solchen Umfragen jeweils noch die Stichprobengrösse und wie befragt wurde kurz in einer Box beschrieben wäre...