Velostrategie 2030

Stadt baut 66 Parkplätze ab und stellt zwei neue Velorouten fertig

Die Stadt Zürich setzt 2026 weitere Abschnitte der Velovorzugsrouten um. Zahlreiche Strecken sind jedoch weiterhin rechtlich blockiert. In der Zwischenzeit priorisiert die Stadt andere Projekte, um die Sicherheit für Velofahrende zu erhöhen.

Stauffacherbrücke Veloroute
Ab Herbst 2026 verspricht die Stadt freie Fahrt vom Stauffacherquai bis zum See. (Bild: Dominik Fischer)

Schon bald können Zürcher Velofahrer:innen über zwei neue Velovorzugsrouten rollen. Denn im Jahr 2026 will die Stadt zwei neue Abschnitte einweihen. Der Streifen zwischen der Stauffacherstrasse und der Kasernenstrasse ist Teil der Route «Altstetten-HB» und soll schon im Frühling fertig werden, schreibt die Stadt in ihrer Medienmitteilung. «Es gibt keine Rekurse oder Einsprachen mehr, dieses Projekt ist im Frühling abgeschlossen», sagt Roger Schaad, Projektleiter Kommunikation des Tiefbauamts, auf Anfrage.

Vier Einsprachen hatte es gegen den Abschnitt gegeben – eine davon stammte von einem Anwaltsbüro, das 90 Parteien vertrat. Dabei ging es hauptsächlich um den Parkplatzabbau und die Führung der Route. 66 Parkplätze werden hier verschwinden.

Am 16. Februar werden zudem die Arbeiten am ersten Abschnitt der Velovorzugsroute «Bullingerplatz-See» beginnen. Vom Stauffacherquai her können Velofahrende ab dem Herbst über die Selnaustrasse, Sihlamtstrasse, Flössergasse und die Tödistrasse Richtung See gelangen. 

Bei diesem Projekt gab es zwar keine Einsprachen, wohl aber Kritik: Denn die Route endet direkt am General-Guisan-Quai. Wer Richtung Seebecken möchte, findet hier nur einen Velostreifen in die entgegengesetzte Richtung vor, schreibt die NZZ. Um die letzte Lücke zum See zu schliessen, brauche es daher ein weiteres Projekt, das aktuell in Planung sei. 

«Nicht gerade eine Bilanz, mit der man prahlen kann»

Ein 130 Kilometer langes Netz aus Velovorzugsrouten soll es dereinst in Zürich geben. 50 Kilometer davon sollen weitgehend vom Autoverkehr befreit und vortrittsberechtigt sein – so fordert es die Initiative «Sichere Velorouten – jetzt», die vor sechs Jahren mit 70,5 Prozent angenommen wurde. 

  • Geplante Velovorzugsroute Selnau
    Von der Stauffacherbrücke bis zum General-Guisan-Quai soll noch dieses Jahr ein Abschnitt der Velovorzugsroute entstehen. (Bild: Dominik Fischer)
  • Stauffacherbrücke Veloroute
    Aktuell teilen sich hier noch Fussgänger:innen und Velos die gleiche Fläche. (Bild: Dominik Fischer)

Viel hat die Stadt seither geplant, doch vorweisen kann sie nur wenig. 4,3 Kilometer sind bisher entstanden, «nicht gerade eine Leistungsbilanz, mit der man prahlen kann», sagte die Tiefbauvorsteherin Simone Brander am vergangenen Donnerstag selbstkritisch an einer SP-Veranstaltung. Zugleich versprach sie: «Es ist ein bisschen wie beim Mikrowellen-Popcorn: Lange passiert nicht viel und irgendwann passiert alles gleichzeitig.» 

Dass schon bald links und rechts Velovorzugsrouten «aufpoppen», ist jedoch unwahrscheinlich. «Im Moment geht die Stadt davon aus, dass 2026 keine weiteren Routen umgesetzt werden», so Roger Schaad vom Tiefbauamt.  

72 Einsprachen in Wollishofen

7 der 13 geplanten Vorzugsrouten sind weiterhin durch Einsprachen oder Rekurse blockiert. So haben etwa in Wollishofen und Kilchberg 72 Anwohnerparteien Einsprache gegen die dort vorgesehene Route erhoben. «Ein wichtiger Grund sind die Schulanlagen beidseits der Kilchbergstrasse», erklärt der Anwohner Fritz Klein, der den Widerstand koordiniert, auf Anfrage. «Viele Velofahrende nehmen bei den Fussgängerstreifen keinerlei Rücksicht auf Kinder, die die Strasse überqueren möchten», klagt er. Seit Einreichung der Einsprachen habe noch keinerlei Kommunikation mit der Stadt stattgefunden. Bis diese Route umgesetzt wird – wenn überhaupt– dürfte noch einige Zeit vergehen: «Wir werden den Fall mindestens bis vors Verwaltungsgericht bringen», so Klein. 

Simone Brander bezeichnete die vielen Einsprachen gegenüber Tsüri.ch als «Zeichen einer funktionierenden Demokratie». Doch verhindern diese auch, dass die Mikrowelle auf Touren kommt und Brander ihre Erfolgsbilanz aufbessern kann. 

Derweil widmet sich die Stadt jedoch auch anderen Massnahmen, wie es in der Mitteilung heisst. So will sie in diesem Jahr:

- an der Hardstrasse (zwischen Josef- und Heinrichstrasse) breite Velostreifen markieren und Autoparkplätze neu anordnen;

- zwischen Manesseplatz und Sihlcity einen abgetrennten Veloweg erstellen;

- auf der Rudolf-Brun-Brücke neue Velostreifen, Veloweichen, Veloampeln und Möglichkeiten zum indirekten Linksabbiegen errichten;

- die Sihlhölzlibrücke verbreitern und den Fuss- und Veloverkehr trennen. Aktuell teilen sich diese die gleiche Fläche mit einer Breite von 2,8 Metern. Künftig sollen ihnen hier 6,6 Meter zur Verfügung stehen. Auch Belag, Fahrbahnübergänge und Geländer werden als Teil der umfassenden Sanierung ersetzt.

Die Bauarbeiten sollen Anfang 2026 beginnen und Ende 2027 abgeschlossen sein, Kostenpunkt: knapp sechs Millionen Franken.

  • Sihlhölzlibrücke
    Auf der Sihlhölzlibrücke sollen Velo- und Fussverkehr künftig getrennt werden und die Fläche mehr als verdoppelt werden. (Bild: Dominik Fischer)
  • Giesshübel
    Auch zwischen Manesseplatz und Giesshübel wird viel gebaut. Eine der Velowege ist schon befahrbar... (Bild: Dominik Fischer)
  • Giesshübel Baustelle
    ... der andere noch nicht. (Bild: Dominik Fischer)

Auf der Webseite «umgesetzte Massnahmen» zeigt sich die Stadt umtriebig: Eine neue Signalisation und Velostellplätze hier, Veloampeln und Einbahnstrassen dort. Doch der Erfolg des Tiefbauamts wird hauptsächlich an der Kilometerzahl des Vorzugsroutennetzes gemessen. Und dort steht aktuell noch immer: 4,3 Kilometer.

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