So wollen die Zürcher Parteien den Verkehr in den Griff kriegen
Wohnen, Verkehr und Lebensunterhaltungskosten sorgen die Bevölkerung, ebenso wie Fragen zu Sicherheit und Klimawandel. In dieser Serie zeigen wir, welche Lösungsvorschläge die Zürcher Parteien haben. Teil 2: die Verkehrssituation.
Die Verkehrssituation ist die zweitgrösste Sorge der städtischen Bevölkerung. Tsüri.ch wollte von den fünf grössten Parteien wissen: «Welche Vision hat Ihre Partei für die Themen Mobilität und ÖV und wie gelingt es Ihnen, alle Verkehrsteilnehmenden zufriedenzustellen?» Während SP und Grüne ihren bisherigen Kurs fortsetzen möchten, setzen GLP und FDP auf Innovationen und E-Mobilität. Die SVP hingegen kämpft für das Auto und kritisiert die städtische Bevorzugung des Velos.
SVP will «autofeindliche Politik» stoppen
«Die autofeindliche Politik von links-grün muss gestoppt werden», so die städtische SVP. Denn sie fördere einseitig nur den Veloverkehr. ÖV und Autoverkehr hingegen würden zunehmend ausgebremst. Die Rechtspartei stehe für Lösungen, welche alle Verkehrsteilnehmer in den Blick nehmen: den ÖV, die Autofahrer:innen, die Fussgänger:innen und die Velofahrer:innen.
Grüne setzen auf kurze Wege
Die Grünen hingegen wollen sich für eine Verkehrspolitik einsetzen, «die sich am Menschen orientiert». Das bedeute sichere Velowege, ÖV-Ausbau und attraktive Fusswegverbindungen. Zürich solle wieder vermehrt zur «Wohnstadt» werden, in der die wichtigsten Einrichtungen des täglichen Lebens (Schulen, Einkauf, Arbeit, Erholung etc.) innert 10 bis 15 Minuten zu Fuss oder per Velo erreichbar sind. Eine solche Stadtplanung erleichtere das Vorwärtskommen aller Verkehrsteilnehmenden. Zudem würden sich die Grünen weiterhin für Tempo 30, die Schulwegsicherheit und den Ausbau der Velovorzugsrouten einsetzen.
FDP fordert mehr Ladestationen für Elektroautos
Auch die FDP fordert einen konsequenten ÖV-Ausbau, «um Mobilität für möglichst viele Menschen zuverlässig und effizient zu gewährleisten». Gleichzeitig gibt sie zu bedenken, dass viele Menschen – ältere, Menschen mit Behinderungen oder Gewerbetreibende – auf das Auto angewiesen seien. Eine einseitige Verkehrspolitik, die sich nur auf Veloförderung konzentriert, sei daher nicht zielführend. Zugleich will die FDP Anreize für ökologisches Fahren stärken, etwa durch öffentlich zugängliche Ladestationen für Elektroautos. In der anhaltenden Debatte um das Tempolimit in der Stadt spricht sich die FDP für Tempo 30 in Wohnquartieren und Tempo 50 auf den Hauptverkehrsachsen aus.
GLP setzt auf technologischen Fortschritt und intelligente Koordination
Die GLP möchte den städtischen Verkehr «lösungsorientiert, fair und sicher, ohne ideologische Grabenkämpfe» denken. Ihre Vision: «Ein vernetztes Verkehrssystem, in dem der öffentliche Verkehr das Rückgrat bildet, der Fuss- und Veloverkehr sicher und attraktiv ist und der motorisierte Individualverkehr dort Platz hat, wo er notwendig bleibt – etwa für Gewerbe, Familien, Menschen mit eingeschränkter Mobilität oder den Wirtschaftsverkehr.»
Entscheidend sei dabei die intelligente Koordination der verschiedenen Verkehrsmittel. Speziell der Mischverkehr wirke sich negativ auf die Lebensqualität aus und berge Sicherheitsrisiken. Deshalb investiere man in den ÖV-Ausbau, verbesserte Veloinfrastruktur und in digitale Steuerung, um den Verkehr effizienter und flüssiger zu machen, statt ihn zu verdrängen. Auch die GLP will bei der E-Mobilität «vorwärtsmachen».
SP setzt auf Velorouten und starken ÖV
Die SP kämpfe mit der Velorouten-Initiative, die 2020 von 70 Prozent der Stimmberechtigten angenommen wurde, für ein durchgängiges Netz an sicheren Velorouten. «Die Umsetzung ist aktuell leider von der Autolobby blockiert, die die einzelnen Velorouten trotz klarem Volksentscheid vor Gericht zerrt», kritisiert die SP.
Die Partei setze sich zudem für eine Stärkung des ÖVs ein: Es brauche in Zürich ein attraktives und kostengünstiges ÖV-Angebot für die ganze Bevölkerung. Zürich solle sich zudem für attraktive internationale Bahnverbindungen einsetzen, um indirekte Emissionen reduzieren zu können. Für Fussgänger:innen brauche es genug Platz und ein Ende von gefährlichen Mischverkehrsflächen. Und für ältere sowie mobilitätseingeschränkte Personen sei es entscheidend, dass der öffentliche Raum barrierefrei gestaltet ist.
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Bachelorstudium in Germanistik und Philosophie an der Universität Zürich, Master in Kulturanalyse und Deutscher Literatur. Während des Masters Einstieg als Redaktionsmitglied in der Zürcher Studierendenzeitung mit Schwerpunkt auf kulturellen und kulturkritischen Themen. Nebenbei literaturkritische Schreiberfahrungen beim Schweizer Buchjahr. Nach dem Master Redaktor am Newsdesk von 20Minuten. Nach zweijährigem Ausflug nun als Redaktor zurück bei Tsüri.ch