So wollen sich die Zürcher Parteien für Umwelt und Klima einsetzen
Der Klimawandel macht der Stadt Zürich zu schaffen und beschäftigt die Bevölkerung neben Themen wie Wohnen, Verkehr, Lebenshaltungskosten und Fragen zur Sicherheit. In dieser Serie zeigen wir, welche Lösungsvorschläge die Zürcher Parteien dazu haben. Teil 4: Umwelt und Klima.
MeteoSchweiz rechnet mit einer Zunahme der Temperaturen in der Schweiz von 3 Grad bis zum Jahr 2060. Ausserdem warnte das Bundesamt im November, ein globaler Temperaturanstieg um 3 Grad würde in der Schweiz einen Anstieg um 4,9 Grad bedeuten. In Zürich warnt die Stadt vor Wärmeinseln, die dazu führen, dass es im Sommer bis zu 7 Grad wärmer werden kann als im städtischen Umland. Deshalb hat Tsüri.ch hat der SP, Grünen, SVP, FDP und GLP nachgefragt: «Wie würde sich Ihre Partei für die Umwelt und das Klima einsetzen?»
Grüne setzt auf Klimaschutz und Anpassung
Seit ihrem Bestehen setze sich die Grüne Partei für die Förderung von erneuerbaren Energien, die Vermeidung von fossilen Energien und für eine Reduktion von Treibhausgasen ein. Die Partei fordere mehr Bäume zur Beschattung, mehr Grünräume, die mehr Biodiversität und mehr sickerfähige Flächen, die Regenwasser aufnehmen können. Ausserdem brauche es Massnahmen zum Schutz besonders vulnerabler Personen – etwa Schüler:innen, betagte und chronisch kranke Personen. «Für uns ist klar, Klimaschutz und Klimaanpassung müssen Hand in Hand gehen», so die Grünen.
SP will versiegelte in grüne Flächen umwandeln
Die SP kämpfe aktuell mit zwei Solarinitiativen dafür, dass Zürich endlich sein Solarpotential ausschöpft und eine grosse Solaroffensive startet. Ausserdem setze sich die Partei für klimafreundlichen Verkehr ein. Zusätzlich sei es wichtig, mit einer starken Begrünung der Stadt die Hitzewellen im Sommer zu reduzieren, weil diese gerade für ältere Menschen sehr bedrohlich sind. So habe die SP beispielsweise im Rahmen der Gegenvorschläge zu den Stadtklima-Initiativen erfolgreich dafür gekämpft, dass in den nächsten Jahren möglichst viele versiegelte Flächen in Grünflächen umgewandelt werden.
GLP will «klare Ziele und marktwirtschaftliche Instrumente»
Für die GLP ist der Klimawandel «keine abstrakte Zukunftsfrage, sondern eine reale Herausforderung für den Alltag der Stadtbevölkerung». In Zürich spüre man das besonders durch Hitzeinseln, die die Lebensqualität im Sommer massiv beeinträchtigen. Für den Umgang mit den steigenden Temperaturen brauche es mehr Bäume und Grünflächen, entsiegelten Böden, beschattete Strassen und Plätzen sowie klimaangepasste Bauen. «Verdichtung darf nicht zulasten des Stadtklimas gehen, sondern muss intelligent und hitzeresistent umgesetzt werden», so die Partei. Gleichzeitig treiben wir den Klimaschutz voran, um die Ursachen anzugehen: durch energieeffiziente Gebäude, erneuerbare Energien, eine klimafreundliche Mobilität und eine Stadtentwicklung mit kurzen Wegen sollen die Probleme an der Wurzel gepackt werden. Dabei setzt die GLP auf «klare Ziele und marktwirtschaftliche Instrumente»
FDP will Zürich zum «Hub für innovativen Klimaschutz» machen
Bürokratische Hürden würden den Klimaschutz an vielen Stellen ausbremsen, mahnt die FDP. Bewilligungsverfahren – etwa für Wärmepumpen, Solaranlagen und Energiesparmassnahmen – müssten daher vereinfacht und beschleunigt werden. Ausserdem gelte es, Elektromobilität und den ÖV konsequent auszubauen. Auch die Zusammenarbeit zwischen Hochschulen, Wirtschaft und Gesellschaft im Bereich Klima und Ökologie müsse gezielt gefördert werden, um «die wirtschaftlichen Chancen des Klimaschutzes» für alle nutzbar zu machen. «Zürich soll als Hub für innovativen Klimaschutz gestärkt werden», so die FDP.
SVP will keine «Umerziehungspolitik»
Die Dekarbonisierung sei langfristig das richtige Ziel, so die SVP. Dies könne aber nicht die Aufgabe einer einzelnen Gemeinde sein. Stattdessen setze man auf Innovation und technologische Entwicklung, denn: «Mit Verboten und Umerziehungspolitik in der Stadt Zürich können wir nichts verändern».
Fazit: FDP und GLP setzen auch beim Klimaschutz auf Innovationen, Technologie und den Abbau bürokratischer Hürden. Mit den Grünen und der SP teilt die GLP jedoch den Fokus auf Klimaschutz und den Ausbau von Grünflächen. SP und Grüne wollen auch die solare und erneuerbare Energien weiter ausbauen. Die SVP weist derweil die Verantwortung weitgehend von sich und hofft auf technologische Fortschritte.
Unsere Community ermöglicht den freien Zugang für alle. Dies unterscheidet uns von anderen Medien. Wir begreifen Journalismus nicht nur als Produkt, sondern auch als öffentliches Gut. Unsere Artikel sollen möglichst vielen Menschen zugutekommen. Mit unserer Berichterstattung versuchen wir das zu tun, was wir können: guten, engagierten Journalismus. Alle Schwerpunkte, Berichte und Hintergründe stellen wir dabei frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade jetzt müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Was uns noch unterscheidet: unsere Leser:innen. Sie müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Mittlerweile sind 3000 Menschen dabei und ermöglichen damit den Tsüri-Blick aufs Geschehen in unserer Stadt. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 3500 – und mit deiner Beteiligung können wir es schaffen. Es wäre ein schönes Zeichen für Tsüri.ch und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 8 Franken bist du dabei!
Bachelorstudium in Germanistik und Philosophie an der Universität Zürich, Master in Kulturanalyse und Deutscher Literatur. Während des Masters Einstieg als Redaktionsmitglied in der Zürcher Studierendenzeitung mit Schwerpunkt auf kulturellen und kulturkritischen Themen. Nebenbei literaturkritische Schreiberfahrungen beim Schweizer Buchjahr. Nach dem Master Redaktor am Newsdesk von 20Minuten. Nach zweijährigem Ausflug nun als Redaktor zurück bei Tsüri.ch