So wollen die Zürcher Parteien gegen häusliche Gewalt vorgehen
Im Kanton Zürich rückt die Polizei rund 20 Mal am Tag wegen familiärer Streitereien oder häuslicher Gewalt aus. In dieser Serie zeigen wir, wie die Parteien mit den grössten Sorgen der Bevölkerung umgehen wollen. Teil 5: Sicherheit und häusliche Gewalt.
27 Frauen oder Mädchen wurden im Jahr 2025 aufgrund ihres Geschlechts getötet, zeigen Zahlen des Rechercheprojekts «Stop Femizid». Auch im Jahr 2026 wurde schon mindestens ein Femizid erfasst. Im Kanton Zürich muss die Polizei 20 Mal am Tag wegen familiärer Streitereien oder häuslicher Gewalt ausrücken. Tsüri.ch wollte von den fünf grössten Parteien SP, Grüne, GLP, FDP und SVP wissen: «Wie wird Ihre Partei gegen Kriminalität im Allgemeinen und gegen Femizide im Spezifischen vorgehen?»
FDP will Zusammenarbeit und Bürokratie-Abbau
Die FDP will Kriminalität konsequent bekämpfen und fordert klare Schutz- und Interventionsmechanismen bei häuslicher Gewalt. Bei Femiziden seien gezielte Präventionsmassnahmen, schnelle Eingriffsmöglichkeiten und koordinierte Zusammenarbeit von Polizei, Justiz und sozialen Diensten entscheidend. «Blaulichtorganisationen müssen dafür zeitgemäss ausgerüstet sein und von unnötigem bürokratischen Aufwand entlastet werden, damit sie ihre Ressourcen direkt für den Schutz der Betroffenen einsetzen können», so die Partei.
GLP setzt auf Schutzmechanismen und finanzielle Unabhängigkeit
«Gewalt im familiären Umfeld ist kein Randphänomen, sondern ein ernstes gesellschaftliches Problem», so die GLP. Jedoch lägen viele zentrale Hebel zur Bekämpfung von Kriminalität und zur Verhinderung von Femiziden auf kantonaler und auf Bundesebene.
Wirksam handeln könne die Stadt bei Prävention, Opferschutz und Früherkennung. Es brauche gut vernetzte Sozial- und Beratungsangebote, Schutzplätze für Betroffene, niederschwellige Hilfsangebote und eine enge Zusammenarbeit zwischen städtischen Stellen, Polizei, Justiz und Fachorganisationen.
Zudem spricht die GLP finanzielle Unabhängigkeit an, die es brauche, um aus gewalttätigen Beziehungen entfliehen zu können. Darum seien auch die Gleichstellung im Arbeitsmarkt, die Schaffung von mehr bezahlbaren Kitaplätzen und die Erreichung von Frauenanteilen – etwa in städtischen Kaderpositionen – wichtig. Auch auf kantonaler und nationaler Ebene brauche es Verbesserungen und verbindliche Schutzmechanismen.
SP verweist auf Vorstösse im Parlament und schiesst gegen Bürgerliche
Die SP bezeichnet häusliche Gewalt als ein «massives Problem, das die SP sehr betroffen macht». Zugleich schiesst die Partei in Richtung der Bürgerlichen: «Anders als FDP und SVP, die in diesem Bereich Gelder kürzen wollen, setzt sich die SP für ausreichend Ressourcen für die Gewaltprävention und spezialisiertes Personal, z.B. bei der Stadtpolizei, ein».
Die SP habe dazu gemeinsam mit ihren Verbündeten mehrere Vorstösse im Gemeinderat eingereicht, etwa zur Prävention und zum Schutz vor häuslicher Gewalt und zur Unterstützung, Begleitung und Beratung von Opfern häuslicher Gewalt.
SVP fordert mehr Polizei und weniger Einwanderung
Die SVP setzt auch beim Thema häusliche Gewalt auf altbekannte Rezepte. So brauche es mehr Polizei für unsere Sicherheit und müsse das Polizeikorps der Stadt Zürich aufgestockt werden. Des Weiteren verweist die SVP auf das umstrittene migrationskritische Buch von Frank Urbaniok «Schattenseiten der Migration». Das Buch habe gezeigt, dass es wenige Nationalitäten sind, die überproportional kriminell seien. Daher müsse man besser steuern, wer in die Schweiz komme.
Grüne fordern mehr finanzielle Mittel und bessere Prävention
«Wir engagieren uns seit langem und immer wieder für mehr Gleichstellung und gegen Diskriminierung, sowie für direkte Massnahmen zum Schutz und der Unterstützung von Gewaltbetroffenen», sagen die Grünen. Etwa, indem Schutzunterkünfte und Frauenhäuser gestärkt werden, durch Prävention in Schulen, beim Sport und in der Verwaltung und durch Sensibilisierung von Polizist:innen, Sozialarbeiter:innen, medizinisches Personal und Lehrpersonen, die mit gewaltbetroffenen Personen in Kontakt kommen. Dazu brauche es zwingend die nötigen finanziellen Mittel. «Absichtserklärungen alleine genügen nicht», so die Grünen.
Fazit: Mehrere Parteien sind sich einig, dass es grössere Budgets für Prävention, Opferschutz und Früherkennung braucht. Ausserdem brauche es spezialisiertes Personal, findet die SP. Die Grünen fordern Sensibilisierung von Polizist:innen und Personal, das mit gewaltbetroffenen Personen in Kontakt kommt. Die FDP setzt auch auf koordinierte Zusammenarbeit und zeitgemässe Ausrüstung der Polizei. Einzig die SVP sieht die Lösung darin, die Zuwanderung zu begrenzen.
- Teil 1: So wollen die Zürcher Parteien die Wohnkrise lösen
- Teil 2: So wollen die Zürcher Parteien den Verkehr in den Griff kriegen
- Teil 3: So wollen die Zürcher Parteien die Lebenshaltungskosten senken
- Teil 4: So wollen sich die Zürcher Parteien für Umwelt und Klima einsetzen
- Teil 5: So wollen die Zürcher Parteien gegen häusliche Gewalt vorgehen
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Bachelorstudium in Germanistik und Philosophie an der Universität Zürich, Master in Kulturanalyse und Deutscher Literatur. Während des Masters Einstieg als Redaktionsmitglied in der Zürcher Studierendenzeitung mit Schwerpunkt auf kulturellen und kulturkritischen Themen. Nebenbei literaturkritische Schreiberfahrungen beim Schweizer Buchjahr. Nach dem Master Redaktor am Newsdesk von 20Minuten. Nach zweijährigem Ausflug nun als Redaktor zurück bei Tsüri.ch