Grundbuch-Recherche Teil 3

«Alarmzeichen» – Konzerne besitzen über eine Million Quadratmeter Wohnfläche

Private besitzen den grössten Teil der Wohnfläche in der Stadt Zürich. Doch einzelne Unternehmen wie die UBS, Swiss Life und die Zurich Versicherung halten beträchtliche Anteile. Zwei Stadtratskandidierende ziehen daraus unterschiedliche Schlüsse.

Stadt Zürich
Jede dritte Wohnung in Zürich gehört einem renditeorientierten Unternehmen. (Bild: Claudio Schwarz/Unsplash)

Erstmals wissen wir, wem die Stadt Zürich gehört. Privatpersonen besitzen immer noch am meisten Wohnfläche. Doch Banken, Pensionskassen und Versicherungen machen beim Wohnflächenbesitz die zweitgrösste Gruppe aus.

Grosskonzerne wie die UBS, die Swiss Life und die Zurich Versicherung besitzen zusammen über eine Million Quadratmeter Wohnfläche.

Die UBS allein besitzt in der Stadt Zürich 477’636 Quadratmeter Wohnfläche. Das entspricht in etwa der Fläche des Helvetiaplatzes auf 122 Stockwerken – mehr als dreimal so hoch wie der Prime Tower. Die Swiss Life besitzt 400’978 Quadratmeter, die Zurich Versicherung 235’982 Quadratmeter Wohnfläche.

«Rendite darf ein Faktor sein»

Es sei «ein Alarmzeichen», dass renditeorientierte Eigentümer:innen so viel Wohnraum in Zürich besitzen, schreibt SP-Stadtratskandidat Tobias Langenegger auf Anfrage.

Dass grosse institutionelle Anleger:innen wie die UBS viel Wohnfläche besitzen, überrascht Serap Kahriman, GLP-Stadtratskandidatin, dagegen nicht. Bemerkenswert seien jedoch die Dimensionen, schreibt sie.

Mehrere hunderttausend Quadratmeter pro Unternehmen in einer Stadt zeigten, «wie gross die Verantwortung einzelner institutioneller Akteur:innen ist», so Kahriman. «Es braucht klare Spielregeln der Politik.» Das Wichtigste seien Verlässlichkeit und Planbarkeit.

Dass institutionelle Anleger:innen langfristig investieren, sei grundsätzlich positiv. «Aber Wohnen ist keine beliebige Ware. Es ist Teil unserer sozialen Infrastruktur. Rendite darf ein Faktor sein, aber nicht der einzige Massstab.»

Es braucht die Privaten

Gemessen an der städtischen Wohnfläche besitzen Privatpersonen weiterhin den grössten Anteil: nämlich rund 39 Prozent.

«Wir brauchen die Privaten.»

Serap Kahriman, GLP-Stadtratskandidatin

Dies zeige, dass der Wohnungsmarkt kein klassischer Wettbewerbsmarkt sei, argumentiert Kahriman. «Er ist stark strukturell geprägt und von wenigen grossen Playern mitbestimmt.»

Für Kahriman ist damit klar: «Ohne Private lösen wir die Wohnfrage nicht.» Die Politikerin will auch bei privaten Eigentümer:innen Planungssicherheit garantieren.

Damit würden Anreize für sozialverträgliche und wirtschaftliche Verdichtung geschaffen. «Wir brauchen die Privaten als Partner:innen – gerade bei Aufstockungen, Ersatzneubauten und Verdichtung im Bestand.»

Für Langenegger ist sowohl bei privaten als auch bei institutionellen Vermieter:innen entscheidend, ob sie eine maximale Rendite anstreben oder nicht.

Die Politik müsse bei allen renditeorientierten Vermieter:innen dafür sorgen, dass «Mieter:innen nicht aus ihrem Zuhause verdrängt und überrissene Anfangsmieten konsequent angegangen werden».

Drittelsziel in weiter Ferne

Neben privaten und kommerziellen Akteur:innen besitzen die Stadt und die Genossenschaften zusammen nur etwa 25 Prozent der Zürcher Wohnfläche. Damit ist die Stadt weit vom sogenannten «Drittelsziel» entfernt. Dieses verlangt, dass bis 2050 die Anzahl der preisgünstigen Wohnungen und Gewerberäume auf 33 Prozent erhöht wird.

Trotzdem gehören einzelne Genossenschaften zu den grössten Akteur:innen auf dem Wohnungsmarkt. Hervorzuheben wäre die Allgemeine Baugenossenschaft Zürich (ABZ), die 1,6 Prozent der Zürcher Wohnfläche besitzt. Auch die Familienheim-Genossenschaft Zürich (FGZ) kommt auf 1 Prozent. Die Grundbuch-Recherche wurde finanziell unterstützt vom LokalHub, investigativ.ch: Recherche-Fonds der Gottlieb und Hans Vogt Stiftung sowie von JournaFONDS.

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yann

Yann hat an der Universität Zürich einen Master in Germanistik, Sozialwissenschaften und Philosophie abgeschlossen. Erste journalistische Erfahrungen sammelte er bei 20Minuten, Tsüri.ch und der SRF Rundschau. Beim Think & Do Tank Dezentrum war Yann als wissenschaftlicher Mitarbeiter und in der Kommunikationsleitung tätig. Seit 2025 ist er Teil der Tsüri-Redaktion.

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Kommentare

SP
27. Februar 2026 um 08:11

Jean

Es wäre schön wenn nicht nur SP und GLP zu Worte kämen.... sei´s drum. Zur SP Aussage - es passt natürlich zu der Rolle als dominierende linke Kraft seit Jahren dass Rendite die über Steuern abgeschöpft wird gut ist - Rendite von Privaten u.a. auch aus Altersvorsorge aber nicht gewünscht wird. So kann das Thema schön weiter beackert werden. Aktivismus vor Sachpolitik. Frau Kahriman hat da eine pragmatische Einstellung - es muss einen Interessenausgleich geben und Renditestreben ist ebenso notwendig wie fairer Umgang miteinander.