Grundbuch-Recherche Teil 1

UBS, ABZ und die Stadt: Ihnen gehört der Zürcher Wohnraum

Erstmals zeigt eine Auswertung des Zürcher Grundbuchs wer die grössten Eigentümer:innen von Wohnraum in Zürich sind. Eine Recherche von Tsüri.ch und dem WAV Recherchekollektiv.

UBS, Bank
Die grösste Bank ist auch die grösste kommerzielle Eigentümerin von Wohnraum: die UBS. (Bild: Mai Hubacher)

Dass der Wohnungsmarkt in Zürich unter Druck steht, ist bekannt. Im aktuellen Wahlkampf überbieten sich Parteien von links bis rechts mit Lösungsansätzen. Nur eine Frage konnte bislang niemand beantworten: Wem gehört der Wohnraum in der Stadt?

In einer exklusiven Recherche haben Tsüri.ch und das WAV Recherchekollektiv die Daten des Zürcher Grundbuchs ausgewertet. Dieser Datensatz zeigt erstmals auf, welche Akteur:innen den städtischen Wohnmarkt dominieren.

Denn Zürich ist eine Stadt der Mieter:innen, rund 92 Prozent aller Haushalte sind Mietwohnungen. Darum haben jene, die den Wohnraum der Stadt besitzen, einen grossen Einfluss auf jene, die in der Stadt leben.

Der Zürcher Wohnraum ist begehrt – und begrenzt. Offiziell gibt es in der Stadt Zürich knapp 20 Millionen Quadratmeter Wohnfläche.

Hier treffen hohe Investitionssicherheit, starke Nachfrage und sehr viel Kapital aufeinander. Das hat zur Folge, dass der Wohnraum rar, die Mieten teuer und das Thema Wohnen Sorge Nummer eins der Bevölkerung ist. 

Bereits bekannt ist, dass kommerzielle Eigentümer:innen die meisten Wohnungen in der Stadt Zürich besitzen. In dieser Statistik haben sie den Privatpersonen im Jahr 2020 den Rang abgelaufen.

Die vorliegende Recherche geht jedoch noch einen Schritt weiter und bezieht sich nicht auf die Anzahl der Wohnungen, sondern auf deren Gesamtfläche. Hier stehen die Privaten noch immer auf dem ersten Platz (39,01 Prozent).

Der langfristige Trend ist jedoch deutlich: Der Besitz durch private Eigentümer:innen nimmt ab. Im Jahr 2025 gab es so viele Handänderungen wie noch nie in Zürich. Vor allem Privatpersonen verkauften ihr Wohneigentum – und dieses landete immer häufiger bei privaten Gesellschaften.

Letztere, darunter Banken, Pensionskassen und Versicherungen, machen auch beim Wohnflächenbesitz die zweitgrösste Gruppe aus (30,01 Prozent). Mit etwas Abstand folgen auf dem dritten Platz die Genossenschaften (17,5 Prozent), danach die öffentliche Hand (7,66 Prozent).

Der Blick ins Grundbuch zeigt: Das sind die grössten kommerziellen, genossenschaftlichen und öffentlichen Eigentümer:innen von Zürcher Wohnraum.

Die grössten Immobilienfirmen

Platz 1: Die UBS

Die UBS ist seit der Übernahme der Credit Suisse die grösste kommerzielle Besitzerin von Wohnraum. Die Grossbank besitzt alleine in der Stadt Zürich 477’636 Quadratmeter Wohnfläche. Das entspricht etwa 67 Fussballfeldern oder rund 122-mal der Fläche des Helvetiaplatzes.

Der Immobilienbesitz der UBS ist unterteilt in diverse Tochterunternehmen oder Vehikel, wie die Turintra AG oder die Zurimo «B» Immobiliengesellschaft. Beide Unternehmen gehören zur Grossbank.

Platz 2: Swiss Life

Die Swiss Life ist der grösste Schweizer Lebensversicherungskonzern und nimmt auch auf dem Zürcher Wohnungsmarkt eine dominante Rolle ein: Die Swiss Life besitzt 400'978 Quadratmeter Wohnfläche.

Platz 3: Zurich Insurance

Mit Zurich Insurance befindet sich ein zweiter Versicherungskonzern auf dem Podest der grössten kommerziellen Immobilienbesitzer. Das Unternehmen hält in Zürich 235'982 Quadratmeter Wohnfläche.

Auch die Zurich Insurance teilt ihr Immobilienportfolio in verschiedene Untergruppen auf. Dazu zählen die Zürich Lebensversicherungs-Gesellschaft AG oder auch die Zurich Invest AG.

Platz 4: AXA

Platz 5: Helvetia Baloise Gruppe

Platz 6: BVK Personalvorsorge des Kantons Zürich

Platz 7: Anlagestiftung der Migros-Pensionskasse

Platz 8: Zürcher Kantonalbank

Platz 9: SBB

Platz 10: Pensimo

Die grössten Genossenschaften

Platz 1: Die Allgemeine Baugenossenschaft Zürich (ABZ)

Die Allgemeine Baugenossenschaft Zürich (ABZ) ist gemäss eigenen Angaben die grösste Baugenossenschaft der Schweiz. Für Zürich deckt sich das mit den Zahlen des Grundbuchamts: Mit 313'644 Quadratmetern Wohnfläche ist sie die grösste Genossenschaft auf städtischem Boden. Das entspricht 44 Fussballfeldern oder 67-mal dem Albisriederplatz.

Die ABZ wurde 1916 von einer Gruppe Arbeiter:innen gegründet, da die Wohnungsknappheit während dem Ersten Weltkrieg die Arbeiterschicht besonders traf. Den Grundstein legten fünf Reihenhäuser an der Birchstrasse in Oerlikon.

Platz 2: Die Familienheim-Genossenschaft Zürich

Die Familienheim-Genossenschaft Zürich besitzt in Zürich 189'022 Quadratmeter Wohnfläche. Die gemeinnützige Genossenschaft wurde 1924 im Friesenberg-Quartier gegründet – mit dem Ziel, Wohnraum für kinderreiche Familien zu schaffen. Während der Wohnungsnot nach dem Ersten Weltkrieg war bezahlbarer Wohnraum für diese knapp.

Platz 3: Die Baugenossenschaft Glattal Zürich

Die gemeinnützige Baugenossenschaft Glattal Zürich wurde 1942 in Oerlikon gegründet und bis heute ist sie primär in den Zürcher Aussenbezirken und im Gatttal aktiv. Ihre 166'779 Quadratmeter Wohnfläche befinden sich hauptsächlich in den Quartieren Schwamendingen und Seebach.

Platz 4: ASIG Wohngenossenschaft

Platz 5: Baugenossenschaft Zurlinden

Platz 6: Gewerkschaftliche Wohn- und Baugenossenschaft GEWOBAG

Platz 7: Siedlungsgenossenschaft Sunnige Hof

Platz 8: Gemeinnützige Baugenossenschaft Limmattal (GBL)

Platz 9: Gemeinnützige Bau- und Mietergenossenschaft Zürich

Platz 10: Baugenossenschaft Sonnengarten

Die grössten Akteur:innen der öffentlichen Hand

Platz 1 bis 3: Die Stadt Zürich

Die Stadt ist die grösste Eigentümerin von Wohnfläche in Zürich.

Zur Einordnung: Neben dem städtischen Wohnraum werden hier auch die Wohnflächen der PWG und der Stiftung Alterswohnungen der Stadt Zürich (SAW) dazugezählt. Das sind die städtischen Stiftungen die am meisten Wohnraum besitzen. Zusammen kommen Stadt, PWG und SAW auf 1,3 Millionen Quadratmeter Wohnfläche. Das entspricht etwa 182 Fussballfeldern oder rund 204 Mal dem Bürkliplatz.

Damit besitzt die Stadt 2,7 Mal mehr Wohnfläche als die grösste private Eigentümerin, die UBS. 

Die PWG und die SAW nehmen im Zürcher Wohnungsmarkt als grösste städtische Stiftungen besondere Rollen ein. Beide sind von der Stadt kontrolliert, mit einer eigenen Rechtspersönlichkeit. Sie werden zudem von der Stadt finanziell unterstützt in ihrem Zweck, preisgünstigen Wohnraum zu bieten. Dazu müssen sie dem Gemeinderat Rechenschaft ablegen. Hinweis: Die nachfolgenden Unternehmen sind alles öffentlich kontrollierte Institutionen und werden deshalb zur öffentlichen Hand gezählt.

Platz 4: Pensionskasse des Bundes PUBLICA

Platz 5: Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Zürich

Platz 6: Pensionskasse der Zürcher Kantonalbank

Platz 7: Kanton Zürich

Platz 8: Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA)

Platz 9: Pensionskasse Schaffhausen

Platz 10: Pensionskasse Basel-Stadt

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Redaktionelle Mitarbeit: Luca Obertüfer, Lukas von Blarer, Sabeth Tödtli.

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Balz Oertli WAV

Balz Oertli ist Journalist beim und Mitgründer des WAV Recherchekolelktivs. Davor arbeitete er beim SRF. Balz liebt es, kritisch Fragen zu stellen und tief zu schürfen, hat aber auch gelernt, genau zuzuhören als Rechtsberater beim Solidaritätsnetz Bern und als Detention Associate beim IKRK in Genf. Er studierte Sozialanthropologie, Arabisch und Politikwissenschaften.

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Kommentare

was?
26. Februar 2026 um 20:14

was ist der Purpose?

was ist das Ziel dieses Artikels? Dass ihr an der Grafik rumgeschraubt habt, damit die öffentliche Hand klein darsteht, spricht natürlich Bände. Traue keiner Statistik, die du nicht selber gefaked hast. Die UBS selbst hat eigentlich praktisch 0 Liegenschaften. Das sind ja Gefässe, die wiederum durch eure/unsere PK's, Anlagestiftungen usw.. gefundet sind. Das sind eure/unsere Renten?! Ähnlich bei den Versicherungen....wahrscheinlich schon zu komplex für viele...Genossenschaften + Stadt machen bei Weitem der grösste Anteil aus, aber das blendet ihr natürlich extrem gerne aus...das passt nicht in die politische Ausgangslage....und dient dem 8.3. auch nicht.

Jean
26. Februar 2026 um 14:27

Irreführend…

Die UBS, Swisslife etc. sind in vielen / den meisten Fällen nur Anlageverwalter für private Investoren (Immobilienfonds) bzw. Anlage für Altersvorsorge. Ihr führt ja auch die Pensionskassen auf - die Investition erfolgt also zu unserer eigenen Altersvorsorge. Bei Lebensversicherungen ist es ähnlich. Zwar stehen Private hinter diesen Firmen, es tönt aber anders als wenn die „böse“ UBS Eigentümer der Wohnungen ist. Vor allem wird dann das Narrativ komplexer…

Marlon
26. Februar 2026 um 13:33

Spannend, aber viel zu spät!

Irrsinnig spannend und tolle Recherche, Gratulation! Nur: Was, diese Daten wurden erst 2026 ausgewertet?! Mit welchen Zahlen haben die ganzen Parteien denn bisher gearbeitet?! Wurde das bisher immer nur intern verwertet?! War das bisher immer nur ein wohn- und baupolitischer Blindflug? Die Anzahl der Genossenschaften mit 17,5% halte ich für beschämend niedrig. Für mich ein ganz klares Zeichen, dass die jahrzehntelangen Bemühungen um gemeinnützige Wohnen völlig ins Leere gingen. Und jetzt will der HEV noch eine Initiative durchbringen, die den gemeinnützigen Wohnraum der Stadt (7,7%)*und Genossenschaften halbiert und an Private übergibt? Geht's noch? Dann hätten wir am Schluss noch 12,6% gemeinützigen Wohnraum während Privaten mit 51,6% die Hälfte gehört und die restlichen 37% an kommerzielle Akteure geht, Tendenz steigend. Die Initiative der HEV gehört unbedingt bekämpft. Allgemein ein wohnpolitisches Desaster dessen Ausmass hoffentlich erkannt wird.

Anja
26. Februar 2026 um 08:37

Warum endet die Kritik bei der Stadt?

Der Artikel kritisiert zu Recht die Rolle grosser privater Eigentümer, blendet aber aus, dass die Stadt Zürich selbst der grösste Player auf dem Wohnungsmarkt ist. Wer ernsthaft über Wohnpolitik sprechen will, muss auch fragen: Wer profitiert vom städtischen Wohnraum? Wie sozial durchmischt ist er tatsächlich? Und wie transparent ist die Vergabe? Die Fixierung auf UBS und Co. wirkt bequem. Eine kritische Auseinandersetzung mit der Rolle der öffentlichen Hand wäre unbequemer, aber ehrlicher.

Chris
26. Februar 2026 um 06:11

Tolle Recherche - zu den Grafiken eine Frage

Hallo, Ich hab mich so richtig auf diese Resultate/Recherche gefreut! Bei der ersten Grafik der Wohneigentumsverhältnisse am gesamten Markt und später der Karte/Beschreibung zum Eigentum der öffentlichen Hand war ich etwas überrascht. Ihr schreibt, die Stadt sei die grösste Eigentümerin in Quadratmetern. Gleichzeitig zeigt die erste Grafik aber einen verhältnismässig kleinen Anteil am gesamten Markt. Ich nehme an, das ist dann auf die Anzahl Liegenschaften bezogen?