Neue Zahlen zum Wohnungsbau

In den Kreisen 9 und 11 wird am meisten gebaut

Zürich hat 2025 fast 3000 neue Wohnungen gebaut – und über 1300 abgerissen. Warum die Wohnungsknappheit trotz reger Bautätigkeit anhält, zeigen die Daten der Stadt.

Wohnen und bauen in Zürich
In Zürich wurde im vergangenen Jahr besonders in den Kreisen 5, 9 und 11 gebaut. (Bild: Sophie Wagner)

In Zürich wurde 2025 intensiv gebaut – neu und im Bestand. Das zeigen die am Mittwoch veröffentlichten Zahlen von Statistik Stadt Zürich.

Insgesamt entstanden 2025 rund 3000 neue Wohnungen in Zürich – deutlich mehr als im Jahr zuvor. Gleichzeitig wurden über 1300 Wohnungen abgerissen. Trotz dieser hohen Abbruchzahl wuchs der Wohnungsbestand unter dem Strich um gut 2000 Wohnungen.

Gebaut wird vor allem in Zürich Nord und West

Mehr als die Hälfte aller neuen Wohnungen entstand in den Kreisen 9 und 11, also in Altstetten, Albisrieden und Zürich Nord. Im Kreis 11 nahm der Wohnungsbestand um fast 900 Wohnungen zu, stärker als in jedem anderen Kreis. 

In der Nähe der Innenstadt schrumpfte die Anzahl der Wohnungen hingegen in mehreren Quartieren: Im Kreis 2 (linkes Seeufer), Kreis 3 (Wiedikon), Kreis 10 (Höngg und Wipkingen) und Kreis 12 (Schwamendingen). Im Kreis 4 entstanden keine Neubauten, dafür aber 146 zusätzliche Wohnungen durch Umbauten, vor allem im Langstrassenquartier. 

Gebaut wurde dabei weniger auf unbebautem Land, sondern dort wo zuvor Industrie-, Büro- oder Infrastrukturbauten standen. Die öffentliche Hand schuf auf solchen Arealen 745 neue Wohnungen.

Private Eigentümer:innen setzten dagegen stärker auf den Umbau bestehender Gebäude. Sie wandelten Büros und Hotels in Wohnraum um und schufen so 547 Wohnungen, so viele Umbauwohnungen wie noch nie.

Ein prominentes Beispiel für die Umbauten ist das ehemalige Swissôtel in Oerlikon, das mittlerweile ein Wohnhochhaus mit 124 Parteien ist.

Öffentliche Hand baute so viele Wohnungen wie seit Jahren nicht

Gut die Hälfte der neu erstellten Wohnungen stammt von privaten Eigentümer:innen. Danach folgt die öffentliche Hand – Bund, Kanton, Stadt Zürich und städtische Stiftungen. Erstmals seit der Einführung des Gebäude- und Wohnungsregisters im Jahr 2009 baute sie mehr Wohnungen als die Wohnbaugenossenschaften: 768 gegenüber 618 Wohnungen. In den zehn Jahren zuvor hatte die öffentliche Hand im Schnitt rund 200 Wohnungen pro Jahr erstellt.

Treiber dieses Anstiegs waren vor allem grosse städtische Projekte wie die Siedlungen Leutschenbach, Letzi oder das Tramdepot Hard.

Liegenschaften gehen öfters in die Hände von privaten Gesellschaften 

2025 wurden in Zürich deutlich mehr Liegenschaften verkauft. Insgesamt wechselten 411 Grundstücke oder Gebäude die Besitzperson, etwa durch Kauf, Schenkung oder Erbfolge. Im Vorjahr waren es noch 247. Besonders viele Handänderungen gab es in den Kreisen 11 (Zürich Nord) und 7 (Fluntern, Hottingen und Hirslanden).

Die Wohnungen landen dabei immer häufiger bei privaten Gesellschaften, wie Firmen oder Stiftungen. Ihnen gehören inzwischen 34 Prozent des Zürcher Wohnungsbestands, also knapp 81’000 Wohnungen. Es folgen natürliche Personen mit gut 30 Prozent und Wohnbaugenossenschaften mit knapp 18 Prozent.

Auch die Preise stiegen. Ende 2025 lag der Bodenpreis bei durchschnittlich 7831 Franken pro Quadratmeter – der zweithöchste Wert seit 2009, und nur 2022 lag er noch höher (über 8000 Franken). Am teuersten ist die Wohnungsfläche pro Quadratmeter im Kreis 1 (24’000 Franken), am günstigsten im Kreis 4 (13’600 Franken).

Wohnungsknappheit bleibt trotz Bauboom akut

Zwar genehmigte die Stadt Zürich 2025 insgesamt 79 Neubauprojekte mit rund 3000 geplanten Wohnungen und einer Bausumme von etwa 1,2 Milliarden Franken. Im Jahr davor waren es 66 Projekte mit 2200 Wohnungen und rund 800 Millionen Franken. 

An der Situation auf dem Wohnungsmarkt ändert das bislang wenig. Die Leerwohnungsziffer lag auch 2025 bei nur 0,1 Prozent. Ende Jahr standen gerade einmal 235 Wohnungen leer. Fällt die Quote unter ein Prozent, gilt der Markt als stark angespannt – in Zürich längst als akute Wohnungsnot bekannt.

Wie diese gelindert werden soll, ist politisch umstritten. Bürgerliche Parteien setzen vor allem auf mehr Bautätigkeit. Links-Grün hingegen sieht das Kernproblem in der Art der Wohnungen. SP-Gemeinderat Tobias Langenegger sagte kürzlich im Interview mit Tsüri.ch: Gebaut werde nicht zu wenig, sondern «das Falsche» – vor allem zu wenig bezahlbarer Wohnraum.

Vor diesem Hintergrund arbeitet die SP an einer neuen städtischen Wohninitiative, die in den kommenden Wochen lanciert werden soll. Sie soll die städtische Wohnbaustiftung PWG stärken, damit diese in den nächsten zehn Jahren zusätzlich bezahlbaren Wohnraum im Umfang von rund drei Milliarden Franken sichern kann, wie die SP am Mittwoch in einer Medienmitteilung schreibt.

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jenny

Bachelorstudium der Psychologie an der Universität Zürich und Masterstudium in politischer Kommunikation an der Universität von Amsterdam. Einstieg in den Journalismus als Redaktionspraktikantin bei Tsüri.ch. Danach folgten Praktika bei der SRF Rundschau und dem Beobachter, anschliessend ein einjähriges Volontariat bei der Neuen Zürcher Zeitung. Nach einigen Monaten als freie Journalistin für den Beobachter und die «Zeitung» der Gessnerallee seit 2025 als Redaktorin zurück bei Tsüri.ch.

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