Xenia Voellmy (GLP): «Wir tragen die Verantwortung, etwas zu verändern»
Durch die Klimabewegung fand Xenia Voellmy ihren Weg in die Lokalpolitik. Die gelernte Maschinenbauingenieurin sitzt seit Oktober für die GLP im Gemeinderat und vertritt dort jene Kreise, in denen sie aufgewachsen ist.
Ein Schlüsselmoment im Bundeshaus brachte für Xenia Voellmy alles in Bewegung. An der Jugendsession 2015 wurde ihr bewusst, dass Politik mehr sein kann als abstrakte Debatten. «Es war der Moment, in dem ich mir vorstellen konnte, irgendwann selbst politisch aktiv zu werden», sagt sie. Besonders die Diskussionen darüber, welche Massnahmen nötig sind, um die Schweiz klimafreundlicher zu gestalten, fesselten sie.
Fast zeitgleich begann sich die heute 31-Jährige zu fragen, in welcher Partei sie ihre Überzeugungen am besten einbringen könnte – und entschied sich schliesslich für die GLP. «Mir gefiel die Kombination aus grünen Themen und Pragmatismus. Es geht darum, effektiv Lösungen zu finden, statt Ideologien zu vertreten.»
«Mit Menschen ins Gespräch zu kommen, die eine andere Meinung haben, erweitert immer die eigene Perspektive.»
Xenia Voellmy, GLP-Gemeinderätin
Ein weiterer Aspekt, der Voellmy an der Partei gefallen hat, ist, dass sie breit aufgestellt ist. Einige Mitglieder positionieren sich eher progressiv, andere eher bürgerlich. «Diese Vielfalt fördert eine lebendige Diskussionskultur», sagt sie. Genau das schätzt sie besonders, denn «mit Menschen ins Gespräch zu kommen, die eine andere Meinung haben, erweitert immer die eigene Perspektive», so die Jungpolitikerin.
Im Oktober ist Voellmy in den Gemeinderat nachgerückt. Seither vertritt sie die GLP in den Kreisen 7 und 8 – zwei Stadtteile, die sie seit ihrer Kindheit begleiten. «Ich bin in der Siedlung Tiefenbrunnen aufgewachsen, habe aber auch viel Zeit in Witikon verbracht, da mein Vater dort lebte», erklärt sie. Nach einem Abstecher in Bern und Norwegen wohnt sie heute selbst im Kreis 7.
Momentan studiert die GLP-Politikerin «Global Cooperation and Sustainable Development» im Master an der ETH. Innerhalb des Programms hatte sie die Chance, in einer Non-Government-Organisation mitzuwirken.
Voellmy arbeitete während acht Monaten in Tansania an einer App für Community Health Worker mit, die helfen soll, die gesundheitliche Betreuung von schwangeren Frauen und Kindern zu verbessern.
Warum sind Sie Gemeinderätin geworden?
Ich wurde durch die Klimakrise politisiert. Insbesondere hat mich immer gestört, dass wohlhabende Länder wie die Schweiz stark konsumieren und Schäden verursachen, während die Folgen oft andere Länder treffen. Wir haben die Ressourcen und tragen die Verantwortung dafür, etwas zu ändern.
Als Maschinenbauingenieurin weiss ich, dass technische Lösungen allein nicht ausreichen – es braucht politischen Willen. Deshalb engagiere ich mich im Gemeinderat, wo ich meine Heimatstadt Zürich mitgestalten kann.
Welches Abstimmungsergebnis im Rat hat Sie am meisten gefreut?
Ich bin noch nicht lange im Rat, aber als Mitglied der Sicherheits- und Verkehrskommission hat mich das Nein zur Volksinitiative «Parkplatz-Kompromiss JA» besonders gefreut. Die Initiative hätte den heutigen Bestand an Strassenparkplätzen faktisch eingefroren und wichtige Entwicklungen sowie die notwendige Planungsflexibilität blockiert.
«Der öffentliche Raum ist begrenzt und sollte so genutzt werden, dass möglichst viele Menschen davon profitieren.»
Xenia Voellmy, GLP-Gemeinderätin
Für mich ist klar: Wenn wir Platz für sichere Velowege, Begrünung und mehr Aufenthaltsqualität schaffen wollen, müssen wir Prioritäten setzen. Der öffentliche Raum ist begrenzt und sollte so genutzt werden, dass möglichst viele Menschen davon profitieren. Dieses Abstimmungsergebnis war ein Schritt in diese Richtung.
Gibt es denn ein Abstimmungsergebnis, das Sie am meisten geärgert hat?
Es gehört zur Demokratie, dass man nicht jede Abstimmung gewinnt. Das sehe ich weniger als Ärgernis, sondern vielmehr als Ansporn. Unterschiedliche Meinungen sind Teil eines lebendigen politischen Prozesses. Entscheidend ist, dranzubleiben und konstruktiv nach Lösungen zu suchen.
Mit welcher Gemeinderätin oder welchem Gemeinderat der politischen Gegenseite würden Sie gerne ein Getränk nach Wahl trinken?
Ich würde gerne mit Angelica Eichenberger (SP) einen Aperitif trinken gehen. Wir haben uns vor einigen Jahren am Seefeld-Fest kennengelernt und verstehen uns sehr gut. Mit ihr Gespräche zu führen, macht einfach Spass.
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Nach der Ausbildung zur Kauffrau EFZ beim Sozialdepartement der Stadt Zürich folgte die Berufsmaturität an der KV Zürich mit Schwerpunkt Wirtschaft. Anschliessend Bachelorabschluss in Kommunikation und Medien mit Vertiefung Journalismus an der ZHAW. Erste journalistische Erfahrungen als Praktikantin in der Redaktion von Tsüri.