Wahlen, WM, Wohnungsmarkt: Das kommt 2026 auf Zürich zu
Bewegt die Eishockey-WM der Männer Zürich so sehr, wie es die Fussball-EM der Frauen getan hat? Wer folgt auf Corine Mauch als Stapi? Bleiben UBS und Bührle-Sammlung? 2026 kommen viele offene Fragen auf Zürich zu. Ein Überblick.
Politik: Richtungsweisende Wahlen
Am 8. März finden die Erneuerungswahlen von Gemeinderat, Stadtrat und Stadtpräsidium statt. Im Stadtparlament halten aktuell die linken Parteien SP, Grüne und AL 63 eine hauchdünne Mehrheit von einer einzigen Stimme.
Im Rennen um den Stadtrat sind viele Szenarien möglich: Die SP dürfte ihre vier Sitze halten können, bei den Grünen wird sich herausstellen, ob die Strategie mit den drei Kandidaturen Leupi, Rykart und Glättli aufgeht. Während die repräsentative Tsüri.ch-Umfrage Karin Rykart auf dem wackligen Stuhl zeigte, sieht eine Umfrage von Opinion Plus Balthasar Glättli auf der Kippe. Die FDP kämpft mit Përparim Avdili darum, den Sitz des scheidenden Filippo Leutenegger zu halten, gleichzeitig tritt er auch für den Stapi-Posten an. Doch dass Avdili oder Serap Kahriman (GLP) oder Ueli Bamert (SVP) dem SP-Mann Raphael Golta das Präsidium werden streitig machen können, gilt als äusserst unwahrscheinlich.
Prognose: Da sich selbst Expert:innen mit Prognosen zurückhalten, tun das auch wir. So sagte etwa die Politologin Sarah Bütikofer gegenüber Tsüri.ch: «Entscheidend ist, wer am Ende mobilisiert». Nur so viel: Golta wird der neue Stapi und die linke Mehrheit im Gemeinderat bleibt bestehen.
Sorge Nummer 1: der Wohnungsmarkt
Es herrscht weiterhin Goldgräberstimmung auf dem Zürcher Immobilienmarkt. Vieles spricht dafür, dass die Mieten auch in diesem Jahr weiter steigen und die Leerwohnziffer tief bleibt. Nicht umsonst ist die Wohnsituation in der jüngsten Bevölkerungsbefragung die grösste Sorge der Zürcher:innen. Die Grossunternehmen, die den Zürcher Wohnungsmarkt dominieren, dürften ihren Einfluss auch dieses Jahr weiter ausbauen, während die Stadt und die Genossenschaften ihr Bestes tun, um ihren Anteil am Wohnungsmarkt dem Drittelsziel anzunähern.
2026 kommen weitere wohnpolitische Abstimmungen auf das Stimmvolk zu. So etwa die kantonale Wohnschutz-Initiative von Mieter:innenverband, SP, AL und Grünen. Sie fordert keine übermässige Erhöhung von Mieten nach einer Sanierung, und will, dass bei Ersatzneubauten eine vergleichbare Zahl von bezahlbaren Wohnungen erstellt wird. Der Gegenvorschlag des Kantonsrats namens «Wohnungsinitiative» sieht eine stärkere Förderung des gemeinnützigen Wohnungsbaus und die Gründung einer Wohnbaugesellschaft mit einem Startkapital von 500 Millionen Franken vor. Über sie wird der Kanton am 14. Juni abstimmen.
Nach der Abschaffung des Eigenmietwerts versucht der Hauseigentümerverband, auch die Wohneigentumsinitiative durchzusetzen. Ähnlich, wie es bei staatlich geförderten Wohnbau-Projekten Quoten für kostengünstige Mietwohnungen gibt, fordert diese Quoten für kostengünstiges Wohneigentum.
Prognose: Die Leerwohnungsziffer bleibt im Keller, die Preise auf dem freien Markt steigen weiter an und die nächste Wohndemo wird die grösste bisher.
Mobilität: Streit um Tempo 30, ÖV und Parkplätze
Im Dezember kam der grösste Fahrplanwechsel in der Geschichte der VBZ. Doch wann das 365-Franken-Abo kommt, ist noch immer unklar. Sicher ist: Der Kampf um Parkplätze, Velorouten und Tempo 30 wird auch im nächsten Jahr weitergehen. So zieht der Stadtrat die vom Stimmvolk angenommene Mobilitätsinitiative vors Bundesgericht, um weiter für Tempo 30 sorgen zu können.
Das kommunale Stimmvolk hat zudem den Rahmenkredit fürs Velo von 350 Millionen Franken bewilligt. So sollte der Velo-Ausbau im kommenden Jahr spür- und sichtbar werden. 170 Millionen Franken sind für den Ausbau des Velonetzes vorgesehen, 30 Millionen Franken für Velostationen und Abstellplätze und 150 Millionen Franken für Brücken, Stege oder Unterführungen. Unter dem Calatrava-Bau am Bahnhof Stadelhofen eröffnete etwa im Dezember schon eine Velostation mit 800 Abstellplätzen. Auch zahlreiche neue Fusswege sind im neuen kommunalen Richtplan Verkehr Stadt Zürich enthalten, der noch bis zum 20. Januar öffentlich aufliegt. Aktuelle Umsetzungspläne für Velovorzugsrouten sind hier zu finden.
Prognose: Schon nach wenigen Wochen haben alle Zürcher:innen den neuen ÖV-Fahrplan in Fleisch und Blut und fahren mit den Trams 50 und 51, als wäre es das Normalste auf der Welt. Und beim Ausbau der Velovorzugsrouten tut sich endlich was.
Sport: Eishockey-WM kommt nach Zürich
Moment, der nächste sportliche Grossevent in Zürich? Tatsächlich: Zwischen dem 15. und 31. Mai findet in Zürich und Fribourg die Eishockey-Weltmeisterschaft statt. Bereits 2020 hätte die WM in Zürich und Lausanne stattfinden sollen, fiel jedoch wegen der Corona-Pandemie aus. Bei den letzten beiden Weltmeisterschaften musste sich die Schweiz mit dem zweiten Platz zufriedengeben – ohne Zweifel sind die Spieler top motiviert, sich an der Heim-WM endlich den Titel zu holen.
Natürlich stehen auch sonst wieder zahlreiche Sportveranstaltungen auf der Agenda: etwa der Zürich Marathon am 12. April, der Zürich City Triathlon am 27. Juni und die Seeüberquerung am 1. Juli.
Prognose: Einen Ausnahmezustand wie bei der Fussball-EM der Frauen wird die Eishockey-WM nicht auslösen. Zumindest nicht, bis die Schweiz im Finale steht. Dann schauen alle zu, wie die Schweiz Weltmeister wird, und sind schon immer Eishockey-Fans gewesen.
Kultur: Quo vadis Bührle-Sammlung?
Die neuen Intendanzen vom Schauspielhaus und Neumarkt begeistern die Stadt Zürich. Zugleich haben Kulturorte und Veranstaltungen immer mehr um Unterstützungsgelder zu kämpfen. So hat die Swiss Re erst kürzlich dem Theater Spektakel und dem Museum Rietberg den Geldhahn zugedreht.
Geldprobleme hat die Stiftung Bührle nicht. Aber womöglich bald genug von der permanenten Kritik? Seit dem vergangenen Herbst brodelt die Gerüchteküche. Denn Bührles Erben haben ihren Stiftungszweck so angepasst, dass sie die Kunstsammlung auch aus Zürich abziehen könnten. Realistisch wäre dies aber erst nach Auslauf des Leihvertrags im Jahr 2034. Aktuell ist die Bührle-Sammlung im Kunsthausgebäude «Chipperfield» ohnehin erstmal geschlossen. Für den 20. März ist die Wiedereröffnung geplant.
Die Kritik am Besitz von Emil Bührle und dessen Herkunft ist übrigens nicht neu. In einem Artikel aus dem Jahr 1945 wurde sein Vermögen als «Blutgeld» bezeichnet und er selbst als «der grösste und skrupelloseste Kriegsgewinnler unseres Landes», wie «Geschichte der Gegenwart» erinnert. Während des Zweiten Weltkriegs war das Deutsche Reich der beste Kunde des Waffenhändlers Bührle, 1945 avancierte der gebürtige Deutsche so zum reichsten Mann der Schweiz.
Prognose: Für 2026 bleibt die Bührle-Sammlung der Stadt sicher noch erhalten, aber nach Vertragsende 2034 wird sie abgezogen – Interessent:innen dürften sich genügend finden. Das Theater Spektakel und das Museum Rietberg werden dank neuer Sponsoren über die Runden kommen.
Wirtschaft: Zürich zittert um die UBS
Auch eine andere Organisation mit viel Geld und strittigen Geschäftspraktiken erwägt angeblich einen Wegzug aus Zürich: die UBS. Ein solcher Wegzug würde zu massiven wirtschaftlichen Konsequenzen führen, warnte jüngst der Regierungsrat. So ist die Bank für ein Viertel des Bruttoinlandprodukts der Stadt Zürich verantwortlich.
Wie swissinfo.ch im November berichtete, hat der UBS Verwaltungsratspräsident Colm Kelleher mit dem US-Finanzminister Scott Bessent über einen möglichen Umzug in die USA diskutiert. Hintergrund ist der Streit zwischen Karin Keller-Sutters Finanzdepartement und der UBS um höhere Eigenkapitalanforderungen für die Grossbank. Gegenüber Reuters betonte die UBS jedoch im November: «Wie wir wiederholt gesagt haben, wollen wir weiterhin erfolgreich als globale Bank von der Schweiz aus operieren.» Ob Wegzug oder nicht, der Poker zwischen Bundesrat und UBS um die Höhe des Eigenkapitals wird uns 2026 weiter begleiten.
Prognose: Die UBS und der Bundesrat werden sich auf einen Kompromiss einigen. Die Bank bleibt der Schweiz und der Stadt Zürich erhalten.
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Bachelorstudium in Germanistik und Philosophie an der Universität Zürich, Master in Kulturanalyse und Deutscher Literatur. Während des Masters Einstieg als Redaktionsmitglied in der Zürcher Studierendenzeitung mit Schwerpunkt auf kulturellen und kulturkritischen Themen. Nebenbei literaturkritische Schreiberfahrungen beim Schweizer Buchjahr. Nach dem Master Redaktor am Newsdesk von 20Minuten. Nach zweijährigem Ausflug nun als Redaktor zurück bei Tsüri.ch