Dein Wahlkreis im Check: So haben deine Nachbar:innen gewählt
Die Zürcher Wahlen sind vorbei, (fast) alle Würfel sind gefallen. Wenn du wissen willst, wie deine Nachbar:innen gewählt haben, kommt hier die Zusammenfassung.
Kreis 1+2
Stadtratswahlen: Wäre es nach der Bevölkerung im Kreis 1+2 gegangen, hätte Përparim Avdili (FDP) anstelle von Tobias Langenegger (SP) den Sprung in den Stadtrat geschafft. Gemäss dem bürgerlich geprägten Stadtzentrum hätte auch der liberale Michael Baumer (FDP) noch besser abgeschnitten und wäre auf Platz drei statt auf Platz acht gelandet.
Gemeinderatswahlen: Mit über 4000 Stimmen ist die zweitjüngste bisherige Gemeinderätin Lara Can (SP) im Kreis die meistgewählte Kandidatin. Allgemein kann die SP im Stadtzentrum zulegen.
Mit neu vier Sitzen ist die Partei damit wieder auf dem gleichen Niveau wie 2018. Den zusätzlichen Sitz erhält sie von den Grünen. Auch FDP und SVP haben im historisch gesehen eher bürgerlich geprägten Wahlkreis mehr Stimmen sammeln können als letztes Jahr. Das hat ihnen aber keine neuen Sitze beschert.
Kreis 3
Stadtratswahlen: Der Kreis 3 wählt schon seit Jahren rot und links. Entsprechend ist es nicht verwunderlich, dass hier drei von vier SP‑Stadtratskandidierenden die Rangliste anführen. Ginge es nach den Wiediker:innen, dann wäre gar der Stadtrat noch linker: Die beiden FDP-Kandidaten Michael Baumer und Përparim Avdili liegen auf den Plätzen 10 und 11 hinter Tanja Maag (AL) auf Platz 9 zurück.
Gemeinderatswahlen: Weil der Kreis 9 einen grossen Bevölkerungszuwachs hatte, und damit Anspruch auf eine stärkere Vertretung im Parlament hat, musste ein anderer Kreis einen Sitz abgeben. Für die neue Amtsperiode politisieren deshalb nur noch 14 statt 15 Personen für den Kreis 3 im Gemeinderat.
Die FDP verliert gleich zwei Sitze. Einer davon geht neu an die GLP-Politikerin Marisa Kappeler-Schudl. Wobei, ganz so neu ist sie dann doch nicht: Wir kennen sie schon als GLP-Vizepräsidentin der Stadt Zürich.
Kreis 4+5
Stadtratswahlen: Rot, Grün, Pink: Die Zürcher Arbeiterquartiere wählen naturgemäss links. Hätte der Kreis 4+5 entschieden, wären alle SPler:innen, alle Grünen, Tanja Maag von der AL und als Letzter Andreas Hauri (GLP) in den Stadtrat gewählt worden.
Gemeinderatswahlen: Bei den Gemeinderatssitzen hat es im Kreis 4+5 nicht viel Veränderung gegeben. 9 von 13 Sitzen sind von linken Politiker:innen besetzt. Nennenswert ist sicherlich der Abgang von Sanija Ameti (parteilos, früher GLP). Sie hatte ihren Rückzug aus der Öffentlichkeit aber bereits in ihrer Rede auf dem Zürcher Heimplatz bekannt gegeben.
Ihr Sitz geht an die ehemalige Kampagnenleiterin der GLP, Rahel Hofstetter, deren Wahlkampfbudget laut Smartvote bescheidene 1000 Franken betrug.
Kreis 6
Stadtratswahlen: Der Kreis 6 kann sich freuen: Der neue Stadtrat sieht exakt so aus, wie seine Stimmbevölkerung gewählt hat. Dementsprechend gibt’s auch nicht viel zu sagen. Lasst die Champagnerkorken knallen, Unter- und Obersträssler:innen!
Gemeinderatswahlen: Auch im Kreis 6 jagt die SP den Grünen einen Sitz ab. Ein Sitz ist neu roter als gewohnt. Mit der Journalistin Alice Kohli und Camille Roseau, Co-Verlagsleiterin der Wochenzeitung WOZ, ziehen zwei mediennahe SP-Politikerinnen in den Gemeinderat ein.
Ebenfalls interessant: Für die SVP zieht mit Jane Bailey eine Frau in den Gemeinderat. Die Partei mit der Sonne hatte im Zürcher Parlament bislang nur Männer.
Kreis 7+8
Stadtratswahlen: Für den Kreis 7+8 war Michael Baumer von der FDP der Stadtrat-Favorit. Auch Përparim Avdili (FDP) hätte den Einzug auf Platz drei locker geschafft. Obwohl der Züriberg die alte Heimat des Zürcher Freisinns ist, konnten die Linken sich in den letzten Jahren eine Wählerbasis aufbauen.
Entsprechend liegt Raphael Golta (SP) auf Platz zwei und auch sonst wurden mit Ausnahme von Tobias Langenegger alle SPler:innen gewählt.
Gemeinderatswahlen: Der bürgerliche Einfluss zeigt sich auch in den Ergebnissen der Parlamentswahlen. Die Grünen verlieren einen Sitz an die FDP. Neu im Gemeinderat ist die FDP-Politikerin Alana Gerdes. Sie hatte bereits zum dritten Mal für den Gemeinderat kandidiert und ist seit zwei Jahren Vizepräsidentin der FDP Kreis 7+8.
Meistgewählte war mit 6285 Stimmen Yasmin Bourgeois (FDP). Überraschend: Dominik Waser von den Grünen scheidet aus, hatte er doch bei den letzten Wahlen den Sprung in den Stadtrat nur ganz knapp verpasst.
Kreis 9
Stadtratswahlen: Altstetten darf sich ebenfalls freuen: Der Stadtrat sieht genauso aus, wie die Bevölkerung des Kreis 9 sich das vorstellt. Eine Niederlage gab es für Përparim Avdili (FDP): Er wurde in seinem Wohnkreis nicht in den Stadtrat gewählt – und das, obwohl er während seines Wahlkampfs aktiv mit seiner Heimat Altstetten politisierte.
Gemeinderatswahlen: Politologe Oliver Strijbis sagte Anfang Jahr gegenüber Tsüri.ch, es sei «eigentlich verrückt», wie stabil die Sitzverteilung des Kreis 9 über die Zeit bleibe.
Schon allein wegen des zusätzlichen Sitzes, der dem Kreis 9 dank seines Bevölkerungswachstums zugesprochen wurde, ist es dieses Jahr ein wenig instabiler. Da die EVP voraussichtlich aus dem Gemeinderat ausscheiden wird, wurden sogar zwei Sitze frei. Sie gingen hälftig an die SVP und die FDP.
Kreis 10
Stadtratswahlen: Im Kreis 10 trifft das linke Wipkingen auf das eher bürgerliche Höngg. Entsprechend waren auch die Ergebnisse der Stadtratswahlen gemischt. Aber auch hier: Der neu gewählte Stadtrat entspricht den Wünschen der Quartiere.
Gemeinderatswahlen: Im Kreis 10 bleibt alles relativ stabil. Die SP ist stärkste Kraft, gefolgt von der FDP. Leonora Seiler (Grüne) zieht neu anstelle von Roland Hurschler (Grüne) in den Gemeinderat.
Ausserdem wurde Ronny Siev (GLP) nicht wiedergewählt. Eine Reaktion auf die jüngsten Ereignisse? Vergangenen Winter wurde gegen ihn Anzeige erstattet, weil er muslimenfeindliche Inhalte im Internet geteilt hatte. Sein Sitz geht neu an die SP-Politikerin und Architektin Stefania Koller.
Kreis 11
Stadtratswahlen: Ginge es nach dem Kreis 11, hätte es Balthasar Glättli (Grüne) nicht in den Stadtrat geschafft. Damit ist Oerlikon der einzige Stadtteil, der dem Nationalrat die kalte Schulter zeigte. An seine Stelle wäre Përparim Avdili (FDP) getreten. Ansonsten zeigt sich auch hier eine starke SP, GLP und FDP.
Gemeinderatswahlen: Bei den Gemeinderatswahlen ging es im Zürcher Norden wild zu und her. Die SP, die FDP und die SVP gewinnen je einen Sitz. Die EVP scheidet (Stand jetzt) aus dem Gemeinderat aus, verliert also einen Sitz. Grüne und GLP verlieren ebenfalls je einen Sitz. Vera Celik (SP) ist gewählt.
Kreis 12
Stadtratswahlen: Ueli Bamert (SVP) schaffte in Schwamendingen rangmässig das beste Resultat, er landete auf Platz 11. Auch spannend: Die bisherige Stadträtin Simone Brander (SP) scheint im Kreis 12 beliebt – sie erreicht Platz zwei.
Gemeinderatswahlen: Die Parlamentswahlen gingen im Kreis 12 relativ ruhig über die Bühne. Mit dem Ausscheiden der EVP wurde ein Sitz frei, der neu an die SVP geht. Damit ist die rechtskonservative Partei hinter der SP die zweitstärkste Kraft in Schwamendingen.
Neu bei der SP dabei ist Mariem Fiadjigbe Kekić (SP), gemeinsam mit Vera Çelik (SP) sind sie die ersten beiden Frauen mit Kopftuch im Zürcher Gemeinderat.
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Miriam hat Kommunikationswissenschaften und Medienforschung an der Universität Zürich studiert. Erste journalistische Erfahrungen sammelte sie im Praktikum bei der SRF Arena und später als Redaktorin bei SRF News Digital. Sie absolviert zurzeit die Diplomausbildung Journalismus am MAZ und ist Praktikantin bei Tsüri.ch.