Tanzen, Saufen, Diskutieren: So machen die Parteien Wahlkampf
Der Wahlkampf in der Stadt Zürich ist angelaufen. Neben Plakaten und Flyeraktionen setzen Parteien auch auf unterhaltsame und lockere Veranstaltungen. Ein Überblick über die amüsantesten Events.
In etwas mehr als einem Monat entscheidet Zürich über die neuen Mitglieder des Gemeinderats und Stadtrats sowie darüber, wer das Stadtpräsidium künftig übernehmen soll.
Während einige Kandidierende bereits auf Plakaten im ganzen Stadtgebiet präsent sind, warten andere bewusst ab und wollen ihre Sichtbarkeit erst ab dem Versand der Wahlunterlagen erhöhen.
Neben klassischen Wahlkampfmitteln wie Flyer- und Standaktionen suchen die Parteien den Kontakt zu potenziellen Wähler:innen auch auf unkonventionellen Wegen. Das zeigt ein Blick in die Parteikalender.
Wein degustieren mit den Grünen
Neben Standaktionen und sogenannten Townhall-Meetings in den verschiedenen Wahlkreisen, bei denen man sich mit den jeweiligen Stadtrats- und Gemeinderatskandidat:innen austauschen kann, fällt bei den Grünen besonders ein Anlass auf: eine Weinverkostung im Weinladen «Les Vignes» in Albisrieden.
Alle, die den Dry January auslassen, haben am 23. Januar die Gelegenheit, mit den Stadtratskandidat:innen Karin Rykart, Balthasar Glättli und Daniel Leupi bei einem Glas Wein ins Gespräch zu kommen. Auch Grünen-Kandidierende für den Gemeinderat aus den Kreisen 3 und 9 werden vor Ort sein.
Laut Webseite soll die Veranstaltung die Möglichkeit bieten, die Kandidierenden in einer «ungezwungenen Atmosphäre» – oder auch einfach in einem angetrunkenen Zustand – persönlich kennenzulernen.
Mit der AL in der Bravo Bar tanzen
Auch bei der AL setzt man auf einen ungezwungenen Zugang, doch mit etwas mehr Bewegungsfreude. Am 31. Januar lädt die Partei nämlich zum Wahlen-Schlussspurt in die trendige Bravo Bar im Kreis 4 ein. Auf der Webseite heisst es, man wolle dort «gemeinsam essen, trinken, reden und tanzen».
Wer Podien und Mitgliederversammlungen meidet, aber dennoch seine politischen Anliegen anbringen möchte, kann es hier auf der Tanzfläche tun und gleichzeitig an einem experimentellen Cocktail nippen.
SP und GLP setzen auf Diskussionen
Für alle, die es doch etwas gesitteter mögen und lieber sitzen als tanzen, gibt es natürlich auch Podiumsdiskussionen. Auf diese setzten unter anderem die GLP und die SP.
Die Grünliberalen organisieren ein Podium mit den Kandidierenden fürs Stadtpräsidium. Die Kontrahenten Serap Kahriman und Raphael Golta diskutieren am 23. Januar über Scham und Schamlosigkeit in der Zuwanderungsdebatte.
Zudem tauscht sich der Sozialvorsteher im Rahmen eines SP-Events am 24. Januar in der Photobastei über Zürichs Drogenpolitik aus. Mit dabei sind die Stadtratskandidatin und Nationalrätin Céline Widmer, der Autor Reda El Arbi und der Psychiater Toni Berthel. Das Thema polarisierte zuletzt wegen der zugespitzten Situation an der Bäckeranlage und führte zur Eröffnung des Raums für Konsum und Triage für auswärtige Drogenkonsument:innen.
FDP lädt zum After-Work-Plausch
Die FDP lädt am 5. Februar zu einem After-Work-Anlass in die Brasserie Bohemia am Kreuzplatz ein. Nach einem Welcome-Drink folgt laut Facebook-Post eine Diskussion darüber, wie lokale KMU besser unterstützt werden können.
Mit dabei sind nicht nur die FDP-Gemeinderäte Përparim Avdili und Emanuel Tschannen, sondern auch die Gemeinderätinnen Lara Meliz Can (SP) und Karin Stepinski (Mitte) sowie der Grünen-Gemeinderat Dominik Waser und Stadtrat Daniel Leupi (Grüne).
Zum Abschluss gibt es «Sound, Food und Drinks», wie es im Post heisst. Ob dabei auch der Song von Përparim Avdili und EAZ gespielt wird, bleibt offen. Seine Live-Premiere wird das Lied da jedenfalls schon hinter sich haben – sechs Tage zuvor steigt im Plaza die offizielle Release-Party.
Die SVP trifft sich in Schwamendingen
Der Veranstaltungskalender der Stadtzürcher SVP sieht vergleichsweise überschaubar aus. Einzig ein Anlass ist eingetragen: Ende Januar können Interessierte den SVP-Kantonsrat und Stadtpräsidiumskandidaten Ueli Bamert an der traditionellen Schwamendinger Lichtmess treffen.
Wer sich für die Standpunkte der EVP oder der Mitte interessiert, muss vorerst nach Flyer- und Standaktionen Ausschau halten, da ihre Agenden zu Wahlkampfanlässen bislang noch leer sind.
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Nach der Ausbildung zur Kauffrau EFZ beim Sozialdepartement der Stadt Zürich folgte die Berufsmaturität an der KV Zürich mit Schwerpunkt Wirtschaft. Anschliessend Bachelorabschluss in Kommunikation und Medien mit Vertiefung Journalismus an der ZHAW. Erste journalistische Erfahrungen als Praktikantin in der Redaktion von Tsüri.