Song «Ëine vo ois»

Rapper EAZ distanziert sich von Stadtratskandidat Përparim Avdili

Kurz vor den Wahlen grenzt sich der Zürcher Rapper EAZ von Përparim Avdili ab. Grund dafür ist dessen Haltung zum Nahen Osten. Währenddessen berichtet der FDP-Stadtratskandidat von massiven Bedrohungen gegen sich und seine Familie.

EAZ
EAZ hatte in einem Video in den Sozialen Medien angekündigt, er wolle das Politische «in die coole Richtung bringen». (Bild: Luz Palokaj)

Er sollte den Wahlkampf von FDP-Stadtratskandidat Përparim Avdili aufmischen: Arber Rama, besser bekannt als Rapper EAZ, einer der populärsten Mundart-Musiker der Schweiz. Mitte Januar trat er noch euphorisch vor die Kamera. «Wir haben etwas sehr, sehr Freshes für euch vorbereitet», sagte EAZ, Avdili sprach von etwas «Grossartigem».

Gemeint war der Song «Ëine vo ois» – ein Wahlkampfsong, der Avdili Coolness und Reichweite verleihen und insbesondere Menschen ansprechen sollte, «die bisher politisch nichts am Hut gehabt hätten».

Nur wenige Wochen später distanziert sich EAZ öffentlich von Avdili. Grund dafür sind bestimmte Aussagen des Politikers. Dieser berichtet währenddessen von massiven Bedrohungen gegen sich und seine Familie.

EAZ: «Ich habe keine Ahnung von Politik»

EAZ entfernte am Wochenende den gemeinsamen Instagram-Beitrag zum Song und veröffentlichte gleichzeitig ein Statement in einer Instagram-Story, die nach 24 Stunden automatisch verschwindet. Darin schrieb er: «Ihr wisst, dass ich Përparim als Landsmann unterstützt habe, und ich habe das gemacht, weil ich stolz darauf war, zu sehen, wie ein Albaner Stadtpräsident werden will. Und ich würde es wieder tun!»

Gleichzeitig schrieb er, inzwischen mit Aussagen Avdilis konfrontiert worden zu sein, die er zuvor nicht gekannt habe und die er nicht teile.

Konkret nannte EAZ Aussagen von Avdili, wonach der Islam «nicht zur Schweiz gehöre», sowie dessen Haltung zum Israel-Palästina-Konflikt. EAZ schrieb dazu: «Ich glaube, dass jede Religion und jede Kultur Teil dessen ist, was die Schweiz ausmacht.»

Am Ende seines Statements stellte EAZ klar: «Ich habe keine Ahnung von Politik, und ehrlich gesagt interessiert mich das auch nicht und jetzt noch weniger.» Dies, nachdem EAZ noch vor wenigen Wochen aktiv für Avdili geworben hatte, mit ihm auf der Bühne stand und sogar angekündigt hatte, kurz davor zu sein, seinen Wohnsitz in die Stadt zu verlegen, um wählen zu können.

EAZ räumt Fehler ein

Die Zusammenarbeit zwischen EAZ und Avdili wirkte zunächst strategisch schlüssig: Die beiden teilen eine ähnliche Biografie, denn ihre Familien stammen aus dem ehemaligen Jugoslawien.

Im Track rappt EAZ über Aufstieg und Zugehörigkeit: «Nöd Stadtpräsi, er isch euse Stadtbrosi.» Avdili als einer «von uns», den Secondos in der Schweiz.

Auf Anfrage räumt EAZ ein, dass er sich im Vorfeld besser informieren hätte sollen, wen er unterstützt. Gleichzeitig wehrt er sich gegen den Anspruch, eine Unterstützung bedeute automatisch Zustimmung zu jeder politischen Aussage eines Kandidaten.

Die Zusammenarbeit sei kurzfristig zustande gekommen; von der Anfrage bis zur Veröffentlichung seien nur wenige Wochen vergangen. Erst danach sei er mit Aussagen konfrontiert worden, die ihn zur öffentlichen Klarstellung bewogen hätten. Vor der Veröffentlichung der Story habe er Avdili direkt kontaktiert und seine Haltung offen kommuniziert.

EAZ schreibt, ihm sei die politische Dimension der Zusammenarbeit grundsätzlich bewusst gewesen. «Wenn ich jemanden unterstütze, dann ganz oder gar nicht.» Im Nachhinein sehe er jedoch ein, dass dies bei politischen Themen differenzierter gehandhabt werden müsse.

Avdili berichtet von Drohungen

Përparim Avdili hält «Ëine vo ois» weiterhin auf seinen Social-Media-Kanälen verfügbar. Auf Anfrage erklärt er, dass die Situation komplex sei: Schon zuvor seien er und seine Familie massiven Bedrohungen ausgesetzt gewesen, diese hätten sich durch Beiträge aktivistischer Organisationen zuletzt verschärft. Er stehe im Austausch mit der Polizei. 

Avdili schreibt, dass er im Wahlkampf von rechter Seite als Islamist diffamiert und von pro-palästinensischen Aktivist:innen als Genozid-Unterstützer bezeichnet werde – obwohl sich seine Position nur in Nuancen von der anderer Kandidierenden unterscheide. Er unterstütze eine Zwei-Staaten-Lösung und anerkenne sowohl das Leid der palästinensischen Zivilbevölkerung als auch das der Israelis.

Aufgrund der Drohungen und Angriffe habe er Verständnis dafür, dass Unterstützende sich öffentlich zurückziehen. «Noch vor wenigen Wochen haben wir in Zürich erlebt, was passieren kann, wenn aus Worten Taten werden», schreibt Avdili. Mitte Februar bewarfen Unbekannte das Küchenfenster von Jascha Harke (SP) mit Eiern und am Albisriederplatz wurde jüngst ein SVP-Politiker tätlich angegriffen. «Wir alle müssen deutlich machen, dass es für Extremismus keinen Platz geben darf in unserer Stadt.» 

EAZ verzichtet laut eigenen Aussagen zukünftig auf Kooperationen mit politisch aktiven Personen. Sein Fokus liege nun wieder ausschliesslich auf der Musik.

Ohne Deine Unterstützung geht es nicht.

Unsere Community ermöglicht den freien Zugang für alle. Dies unterscheidet uns von anderen Medien. Wir begreifen Journalismus nicht nur als Produkt, sondern auch als öffentliches Gut. Unsere Artikel sollen möglichst vielen Menschen zugutekommen. Mit unserer Berichterstattung versuchen wir das zu tun, was wir können: guten, engagierten Journalismus. Alle Schwerpunkte, Berichte und Hintergründe stellen wir dabei frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade jetzt müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Was uns noch unterscheidet: unsere Leser:innen. Sie müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Mittlerweile sind 3000 Menschen dabei und ermöglichen damit den Tsüri-Blick aufs Geschehen in unserer Stadt. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 3500 – und mit deiner Beteiligung können wir es schaffen. Es wäre ein schönes Zeichen für Tsüri.ch und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 8 Franken bist du dabei!

Jetzt unterstützen!
jenny

Bachelorstudium der Psychologie an der Universität Zürich und Masterstudium in politischer Kommunikation an der Universität von Amsterdam. Einstieg in den Journalismus als Redaktionspraktikantin bei Tsüri.ch. Danach folgten Praktika bei der SRF Rundschau und dem Beobachter, anschliessend ein einjähriges Volontariat bei der Neuen Zürcher Zeitung. Nach einigen Monaten als freie Journalistin für den Beobachter und die «Zeitung» der Gessnerallee seit 2025 als Redaktorin zurück bei Tsüri.ch.

tracking pixel

Das könnte dich auch interessieren

Kommentare