Matthias Müller (FDP): Vom «Computer-Suchti» zum Nationalratskandidaten

Matthias Müller, Präsident der Jungfreisinnigen Zürich und Nationalratskandidat, erzählt im Gespräch, wie er dem Zocken entkommen ist und warum er es fair findet, zu erben.

MatthiasMüller
Der FDP-Nationalratskandidat Matthias Müller hat den Sprung von der Gamerwelt in die Politik geschafft. (Foto: H.R. und Y.F.)

«Wohlstand kommt von Leistung», heisst das politische Dogma von Matthias Müller. Damit repräsentiert er den klassischen Standpunkt der FDP. Liberale Wirtschaft und freie Gesellschaft über alles.

In seiner Freizeit reist er gerne und treibt Sport – am liebsten spielt er Fussball oder stemmt Hanteln im Gym. Mittlerweile ist der 31-Jährige neben der Politik als Rechtsanwalt tätig. 

Es lief nicht immer so glatt. Ein Grossteil seiner Jugend habe er lieber vor dem PC verbracht. Computerspiele seien seine Leidenschaft gewesen, weshalb er lieber World of Warcraft zockte, als zu lernen. Seine Schulnoten hätten gelitten, er geriet in einer Sackgasse. Für das Gymnasium habe seine Leistung nicht gereicht, ohne Lehrstelle oder Plan für die Zukunft habe er sich für die Handelsmittelschule entschieden. Auf einmal rückte das Gamen in den Hintergrund und er begann zu lernen. Seine Noten verbesserten sich und ihm wurde bewusst: «Wer leistet, dem gelingt etwas.» Sein heutiger Glaubenssatz entstand. Doch wie passt dieser Leitspruch mit der Realität des Erbens zusammen? Beim Erben werden Menschen reich, ohne etwas zu leisten. 

«Wohlstand kommt von Leistung» – aber was, wenn man etwas erbt? 

Ich erachte es grundsätzlich als gerecht, zu erben. Hinter dem Erben steht die positive Grundhaltung, dass die eine Generation für die nächste spart und vorsorgt. Es wäre ungerecht, wenn der Staat versuchen würde, sich mit einer Erbschaftssteuer zu bereichern. Erblasser:innen sollen die Sicherheit haben, dass ihr Erbe ungeschmälert an die Familie weitergeht. 

Und was ist mit denjenigen, die nie auch nur einen Rappen erben werden?

Entscheidend ist, dass diejenigen, die nicht erben, beste Möglichkeiten haben, sozial aufzusteigen. Überdurchschnittliche Leistung soll stets honoriert werden. 

Es gibt Leute, die viel leisten, aber trotzdem nicht aufsteigen. Wieso?

In der Schweiz werden die höchsten Löhne bezahlt. Es geht uns grundsätzlich gut. Aber auch hier gibt es leider Armut. Wichtig ist daher, dass ein würdiges Leben gewährleistet ist. Zum einen haben wir die Sozialpartnerschaften, die für den sozialen Frieden zwischen Arbeitnehmer:innen und Arbeitgeber:innen sorgen. Zum anderen haben wir ein soziales Auffangnetz, das jene auffängt, die auf Hilfe angewiesen sind. 

Warum bist du bei der FDP gelandet? 

Schon im jungen Alter habe ich Arena-Debatten im SRF geschaut und mich für Politik interessiert. Irgendwann habe ich mich erkundigt, ob es bei mir in der Nähe möglich ist, schon als junger Mann zu politisieren und bin auf die Jungfreisinnigen gestossen. Seit meinem Beitritt habe ich mich nie fehl am Platz gefühlt.

Zürcher Jungpolitiker:innen wollen in den Nationalrat

Dieser Text von H.R. und Y.F. enstand im Rahmen einer Projektwoche desMathematisch-Naturwissenschaftlichen Gymnasiums Rämibühl. Im Kurs «Journalismus – im Dienste der Demokratie» entstanden Porträts von jungen Politiker:innen aller grossen Parteien, die bei den kommenden Wahlen für den Nationalrat kandidieren.

Hier findest du die weiteren Porträts.

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