Zum internationalen Frauentag – Podcast soll Gewalt an Frauen verhindern
Seit Jahren steigen in Zürich die Fälle häuslicher Gewalt. Zum internationalen Frauentag lancieren zwei Opferberaterinnen den Podcast «Gewaltfrei». Wie sie damit die Situation von Betroffenen verbessern wollen, erklären sie im Interview.
Yann Bartal: Am Sonntag, 8. März, ist internationaler Frauentag. Bereits für Samstag rufen aktivistische Gruppierungen zu einer Demonstration gegen Sozialabbau auf. Sie arbeiten bei der «fiera Opferberatung Winterthur» und der «Frauenberatung sexuelle Gewalt» in Zürich. Spüren Sie den ökonomischen Druck in Ihrer Arbeit?
Rebecca Schaad: Wir spüren vor allem den politischen Wandel – im negativen Sinne. Der Ständerat und die Mehrheit der Finanzkommission des Nationalrats wollen derzeit 300'000 Franken für die Ausbildung von Opferhilfeberater:innen streichen.
Gosalya Iyadurai: Eigentlich müsste das Budget angesichts der Fallzahlen erhöht werden. In den letzten fünf Jahren ist die Zahl der Klient:innen in der Frauenberatung Zürich um über 20 Prozent gestiegen. Obwohl wir nur für drei Bezirke im Kanton zuständig sind, haben wir regelmässig fünf oder mehr Gewaltschutzmassnahmen pro Tag.
Was sind Gewaltschutzmassnahmen?
Gosalya Iyadurai: Bei Fällen häuslicher Gewalt kann die Polizei Schutzmassnahmen anordnen – etwa ein Kontaktverbot, ein Rayonverbot oder eine Wegweisung. In solchen Fällen wird automatisch eine Meldung an unsere Opferberatungsstelle ausgelöst. Fünf Meldungen an einem Tag in nur drei Bezirken im Kanton Zürich sind viel. Dazu kommen Frauen, die sich direkt bei uns melden. Seit sicher zwei Jahren haben wir konstant sehr viel zu tun.
Frau Schaad, was machen Sie bei der Frauenberatung?
Rebecca Schaad: Wir beraten Angehörige und Frauen*, die sexualisierte oder häusliche Gewalt erlebt haben. Die Beratung ist kostenlos und vertraulich. Wir vermitteln auch Anwältinnen, Therapeutinnen und weitere Fachpersonen. Zudem leisten wir Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit.
«Im besten Fall kann der Podcast präventiv wirken.»
Rebecca Schaad, Opferberaterin
Als Teil der Öffentlichkeitsarbeit lancieren Sie zum Weltfrauentag den Podcast «Gewaltfrei». Wie kam das Projekt zustande?
Rebecca Schaad: In der Schweiz gibt es bislang keinen Podcast, der sich vertieft mit geschlechterspezifischer Gewalt befasst. Im Podcast stellen verschiedene Organisationen ihre Arbeit und ihr jeweiliges Themengebiet vor. Zum Beispiel «Brava» aus Bern, die mit geflüchteten Menschen arbeiten, die auf der Flucht Gewalt erlebt haben. Moderiert wird der Podcast von der Autorin Julia Fiechter.
Gosalya Iyadurai: Es gibt sehr viel Wissen, das wir weitergeben möchten. Uns ist auch wichtig, Gewalt zu enttabuisieren, so dass man darüber sprechen kann.
Welches Ziel verfolgen Sie damit?
Gosalya Iyadurai: Julia würde sagen, das Ziel ist, den Podcast-Award zu gewinnen. Das wäre natürlich schön. Ich wünsche mir aber auch, dass man in Schulungen oder Vorlesungen sagen kann: «Hört euch diesen Podcast an, dort gibt es viele Informationen.» Und natürlich, dass sich Betroffene angesprochen fühlen und Unterstützung suchen.
Rebecca Schaad: Es geht auch darum, weitere Gewalt zu verhindern. Im besten Fall kann der Podcast präventiv wirken.
Auf welche Folge freuen Sie sich am meisten?
Rebecca Schaad: Ich bin besonders gespannt auf die Folge mit der Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration FIZ. Auch ich weiss persönlich zu wenig über Menschenhandel.
Gosalya Iyadurai: Ich freue mich auch auf die Folge mit der Opferhilfe Basel, die über männliche Opfer spricht. Darüber wird viel zu wenig gesprochen.
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Yann hat an der Universität Zürich einen Master in Germanistik, Sozialwissenschaften und Philosophie abgeschlossen. Erste journalistische Erfahrungen sammelte er bei 20Minuten, Tsüri.ch und der SRF Rundschau. Beim Think & Do Tank Dezentrum war Yann als wissenschaftlicher Mitarbeiter und in der Kommunikationsleitung tätig. Seit 2025 ist er Teil der Tsüri-Redaktion.