Grundbuch-Recherche Teil 5

Mieter des Immobilienmilliardärs: «Wenn es die AfD ist, stört es mich nicht»

Niemand in Zürich besitzt so viel Wohnfläche wie Henning Conle: Allein an der Hofwiesenstrasse in Oerlikon gehören ihm 18 Liegenschaften. Der Milliardär steht im Verdacht, die rechtsextreme AfD illegal unterstützt zu haben. Wie reagieren Bewohner:innen und Politik auf den Vermieter?

Häuser von Henning Conle an der Hofwiesenstrasse
An der Hofwiesenstrasse befindet sich ein Teil von Henning Conles Immobilienportfolio. (Bild: Yann Bartal)

Henning Conle besitzt knapp 74’000 Quadratmeter Wohnfläche in Zürich. Allein zwischen Bucheggplatz und Bahnhof Oerlikon gehören ihm 18 Liegenschaften.

Eine Häuserzeile an der Hofwiesenstrasse im Kreis 11 steht exemplarisch dafür. Die Gebäude wurden in den 1940er-Jahren errichtet und bieten preisgünstigen Wohnraum, wie die Bewohner:innen berichten. Viele der Befragten sind pensioniert und haben eine Migrationsgeschichte.

Was sagen sie dazu, dass ihre Wohnungen einem Mann gehören, der im Verdacht steht, mehrfach illegal Millionen an die AfD gespendet zu haben und die SVP unterstützt?

Langjährige Mieter sind zufrieden

Die meisten zeigen sich gleichgültig gegenüber der politischen Dimension. Ein Rentner sagt, er wolle mit Politik nichts zu tun haben. Er wohne seit 23 Jahren in der gleichen Wohnung und könne sich nicht beschweren.

Ähnlich äussern sich zwei Männer, die im Parterre der Hofwiesenstrasse wohnen. «Ich lebe seit 43 Jahren hier und bin zufrieden», sagt einer von ihnen. Von Henning Conle hat man bislang kaum etwas gehört. Der einzige Kontakt erfolgt über die Miwo AG, die viele der Immobilien von Conle betreut.

Auch Michael wohnt seit einem halben Jahr im Gebäude und möchte seinen vollen Namen nicht in den Medien lesen. Er konnte die Wohnung von seinem Vater übernehmen, der zuvor 50 Jahre darin gelebt hatte. Die Wohnungen seien in gutem Zustand und die Mieten moderat. Dass Henning Conle mit seiner Miete rechtsextreme Parteien unterstützen könnte, findet Michael unproblematisch. «Wenn es die AfD ist, stört es mich nicht.»

An der Hofwiesenstrasse scheinen viele Mieter:innen froh zu sein, in Ruhe gelassen zu werden. Von Henning Conle und seinen möglichen politischen Aktivitäten will kaum jemand etwas wissen.

«Für uns ist es inakzeptabel»

Anders sieht das die städtische SP. Oliver Heimgartner, Co-Präsident der SP Zürich, kritisiert, dass «Superreiche oder Grosskonzerne versuchen, mit Wohnraum hohe Renditen zu erzielen». Besonders problematisch sei, dass ein grosser Teil der Mietrenditen ins Ausland abfliesse.

«Mieter:innen bezahlen jeden Monat hunderte von Franken zu viel, die als Rendite bei einer Firma oder einem Milliardär landen.» Ob das Geld in der Schweiz bleibe oder ins Ausland fliesse, spiele aber in diesem Zusammenhang eine untergeordnete Rolle, so Heimgartner. «Für die Mieter:innen ist beides schlecht.»

Tanja Maag, Co-Fraktionschefin der AL, weiss, dass Conle in der Stadt über viel Eigentum verfügt. Es sei «jenseits von gut und böse, dass eine Einzelperson oder eine Einzelfirma so viel Besitz anhäufen kann.» Regelungen seien dringend nötig, damit Einzelpersonen mit Besitz nicht «unendlich Profit» erwirtschaften können.

Den weiteren städtischen Parteien war Henning Conle vor dieser Recherche nicht bekannt. Co-Präsident der Grünen, Eticus Rozas, fordert Änderungen: «Mieterinnen und Mieter in Zürich sind Immobilienhaien und deren Renditeinteressen weitgehend schutzlos ausgesetzt.»

Dass mit Mieteinnahmen rechtsextreme Parteien wie die AfD potenziell finanziert werden, zeige ihm zufolge, wie schlecht reguliert der Zürcher Wohnungsmarkt ist.

Dass Henning Conles mutmassliche Parteifinanzierungen im Ausland juristisch aufgearbeitet werden, findet Përparim Avdili, Präsident der FDP Zürich, wichtig und richtig. «Darüber hinaus massen wir uns nicht an, ein Urteil darüber zu fällen, wo und wie jemand sein Geld einsetzt.»

Auch Nicolas Cavalli, Co-Präsident der GLP Zürich, will die Verwendung von Mieteinnahmen nicht kommentieren. «Für uns steht im Zentrum, dass mehr Wohnraum entsteht, auch preisgünstiger Wohnraum, indem an geeigneten Orten verdichtet, Bauverfahren vereinfacht sowie innovative und nachhaltige Wohnformen gefördert werden.»

Die SVP hat sich bis zum Zeitpunkt der Publikation nicht zur Anfrage geäussert. 

Copy of Le Pacte / JournaFONDS (Poster (Landscape))

Die Grundbuch-Recherche wurde finanziell unterstützt vom LokalHub, investigativ.ch, Recherche-Fonds der Gottlieb und Hans Vogt Stiftung sowie von JournaFONDS.

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yann

Yann hat an der Universität Zürich einen Master in Germanistik, Sozialwissenschaften und Philosophie abgeschlossen. Erste journalistische Erfahrungen sammelte er bei 20Minuten, Tsüri.ch und der SRF Rundschau. Beim Think & Do Tank Dezentrum war Yann als wissenschaftlicher Mitarbeiter und in der Kommunikationsleitung tätig. Seit 2025 ist er Teil der Tsüri-Redaktion.

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