Gemeinderätin der Woche: Susanne Brunner (SVP)

Wenn Susanne Brunner nun vom Gemeinderat in den Kantonsrat wechselt, kehrt sie damit an den Ausgangspunkt ihrer parlamentarischen Tätigkeit zurück. Die ehemalige CVPlerin setzt sich für das Gewerbe, gegen Parkplatzabbau und gegen den Genderstern ein.

Susanne Brunner, SVP
(Quelle: Steffen Kolberg)

Susanne Brunner wird nach fünf Jahren im Gemeinderat Kantonsrätin – und kehrt damit zurück an den Ausgangspunkt ihrer parlamentarischen Tätigkeit. 2008 rückte die damals 36-Jährige zum ersten Mal in den Kantonsrat nach, damals noch für die Christlichdemokratische Volkspartei (CVP), die heute den Namen Die Mitte trägt. Ihr Wechsel zur SVP zwei Jahre später erinnert daran, dass Parteiwechsel wie zuletzt der von Isabel Garcia von der GLP zur FDP immer wieder kontrovers diskutiert wurden: «Fairerweise hätte sie als Kantonsrätin zurücktreten müssen», liess sich Jahre später Markus Arnold, damaliger Präsident der kantonalen CVP-Sektion, im Tages-Anzeiger zitieren. 2011, ein Jahr nach dem Wechsel, verpasste Brunner ihre Wiederwahl denkbar knapp und unterlag ihrem Parteikollegen Hans-Ueli Vogt um eine einzige Stimme.

2018 kehrte sie auf die politische Bühne zurück: Als Stadtratskandidatin der SVP. Für die Stadtregierung reichte es zwar nicht, doch seither sitzt Brunner im Zürcher Gemeinderat. Hier war sie seither Mitglied in der Kommission des Umwelt- und Gesundheitsdepartements, des Sozialdepartements und in der Rechnungsprüfungskommission, doch ihr thematischer Schwerpunkte ist klar gesetzt: «Ich engagiere mich für die Gewerbepolitik und für die persönliche und unternehmerische Freiheit», zählt sie ohne Zögern auf. Brunner war von 2013 bis 2019 Leiterin der Bundeshausgeschäfte beim Wirtschaftsverband economiesuisse und damit oberste Lobbyistin der Schweizer Wirtschaft in Bern, davor leitete sie fünf Jahre lang die politische Kommunikation beim Schweizer Versicherungsverband. Heute ist sie als selbständige Kommunikationsberaterin tätig.

Seit zehn Jahren ist Brunner zudem Präsidentin des Gewerbevereins Seefeld. Das Quartier ist Teil ihres Wahlkreises 7 & 8, und die 51-Jährige macht dort zahlreiche Probleme aus, die den Bewohner:innen und dem Gewerbe schadeten: «Der Verkehr ist ein brennendes Thema», erklärt sie. Die Parkplätze, die zentral dafür seien, dass vielseitige kleine Geschäfte und auch die Gastronomie überleben könnten, seien unter Druck. Der Abbau von Blaue-Zone-Parkplätzen und Strassenspuren erschwere die Verkehrssituation für die Anwohnerinnen und Anwohner: «Immer mehr Leute erzählen mir, sie hätten genug, immer mehr ziehen inzwischen weg.» Auch Gewerbler:innen wohnten oft nicht mehr in der Stadt, nicht wegen zu hoher Mieten, sondern wegen der Steuerbelastung in Zürich: «Das ist ein Thema, das der Stadtrat immer wieder herunterspielt», so Brunner: «Mein Engagement im Gemeinderat galt durchgehend einer moderaten Ausgabenpolitik. Man sollte Zurückhaltung üben, massvoll sein und dem guten Steuerzahler Sorge tragen. Man hätte den Steuerfuss schon vor zehn Jahren um fünf bis zehn Prozent senken können.»

Neben der unternehmerischen sei ihr auch die persönliche Freiheit wichtig, so Brunner. Diese habe sie beschnitten gesehen, als das Gemeinderatsbüro 2019 eine Interpellation von ihr zurückgewiesen hatte, weil diese nicht «in Gendersprache» verfasst worden sei. Brunner beschwerte sich beim Bezirksrat und bekam recht. Seither wehrt sie sich gegen die «Genderpolizei»und auch gegen das Gender-«Sprachdiktat» des Stadtrats in der Stadtverwaltung: Brunner ist das Gesicht der Initiative «Tschüss Genderstern!», die die Revision des städtischen Reglements zur sprachlichen Gleichstellung aus dem letzten Jahr (wir berichteten über die Ratsdebatte zum Thema) zurücknehmen möchte.

Susanne Brunner studierte Staatswissenschaften an der Universität St.Gallen, und nach ihrem Arbeitseinstieg bei der Credit Suisse («Da kommen einem natürlich fast die Tränen», kommentiert sie das Ende der Grossbank) unternahm sie zunächst einen Ausflug in die Entwcklungspolitik: «Ich habe gemerkt, dass ich mich für das Gemeinwohl einsetzen will und fand, dass es mich hier in Zürich, wo alles gut läuft, nicht braucht», erzählt sie. Für die UNO ging sie nach Sarajevo, wo sie zwei Jahre lang als Projektleiterin im Bereich «Jugend und Beschäftigung» tätig war. Was sie im Studium über das Funktionieren von Gesellschaft und Staat gelernt habe, habe sie dort in der Praxis kennengelernt, «in einem sehr schwierigen Umfeld in einem kriegsversehrten Land». Ihr sei klar geworden, dass die Entwicklungszusammenarbeit auch nur ein Business sei und dass sie nicht ihr ganzes Leben im Ausland verbringen wolle. «Dort kann man zwar helfen, aber Verantwortung übernehmen kann man nicht», erinnert sie sich. Stattdessen sei dort ihr Wille zum politischen Engagement in der Schweiz entsprungen: «Ich kam mit brennendem Herzen zurück und wusste: Ich will mich dafür einsetzen, dass es uns in der Schweiz weiterhin so gut geht, dass wir unserem Gemeinwesen und unserem Staat Sorge tragen.»

Warum sind Sie Gemeinderätin geworden?

Bei uns ist am Familientisch diskutiert worden und mir ist wohl «Verantwortung übernehmen» in den Genen mitgegeben worden. Darum war für mich klar, dass ich mich an meinem Wohnort politisch engagiere. Mit welche:r Ratskolleg:in der Gegenseite würden Sie gerne mal ein Bier trinken gehen?

Mit allen! Mir sind die Kontakte und der Austausch neben den Debatten im Ratssaal wichtig. So fördern wir das gegenseitige Verständnis und finden auch vermehrt zu einer guten Zusammenarbeit. Welches Abstimmungsergebnis hat Sie bisher am meisten geärgert?

Am meisten hat mich die «Genderpolizei» geärgert. Dass mir das Ratsbüro und sodann der Gesamtgemeinderat je Sprachvorschriften zur Formulierung meiner eigenen Vorstösse machen würde – dies hätte ich mir vor meiner Zeit im Gemeinderat nie vorstellen können. Es kam anders –  und ich habe gegen die «Genderpolizei» gekämpft. Schliesslich habe ich Recht bekommen, indem der Bezirksrat den Parlamentsentscheid aufgehoben hat.

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