Regierungsratswahlen 2027

Jacqueline Fehr tritt ab und bringt die SP in Schwierigkeiten

Die SP-Regierungsrätin Jacqueline Fehr wird im nächsten Jahr zurücktreten. Damit verschlechtern sich die Chancen ihrer Partei, bei den Regierungsratswahlen 2027 wieder zwei Sitze in der Regierung zu erobern. Ein Kommentar.

Co-Präsidentin Michèle Dünki-Bättig und Regierungsrätin Jacqueline Fehr an der Pressekonferenz. (Bild: Tsüri.ch / Simon Jacoby)

In einem Jahr endet eine grosse Schweizer Politkarriere: Die ehemalige Nationalrätin, Fast-Bundesrätin und aktuelle Regierungsrätin des Kantons Zürich, Jacqueline Fehr, tritt ab. 

Diesen Entscheid gab die SP-Politikerin am Dienstag vor den Medien bekannt. Eine Viertelstunde vor dem Auftritt hat Fehr ihre Fraktion und die Mitglieder des Regierungsrats über den Entscheid informiert. Das Präsidium lobt Jacqueline Fehr an der Pressekonferenz als nahbare und unkomplizierte Macherin. Die Regierungsrätin habe der Parteileitung bereits vor den letzten Wahlen mitgeteilt, dass 2027 Schluss sein werde. 

Seit Mario Fehr nicht mehr Mitglied der SP ist, hat die Partei nur noch einen Sitz in der Kantonsregierung. Bei den Wahlen vor drei Jahren gelang es Priska Seiler Graf nicht, den zweiten Sitz zurückzuerobern. Das Ziel, wieder doppelt in der Regierung vertreten zu sein, dürfte mit dem Abgang von Justizministerin Fehr in weite Ferne rücken. Zwar verfügt die Partei über mehrere Personen, die das Regierungsamt bekleiden könnten. Doch bei den Wahlen im Frühjahr 2027 mit zwei neuen Kandidierenden zwei Sitze zu erobern, dürfte sehr schwierig sein.

Ob Mario Fehr nochmals antreten wird, will er auf Anfrage bisher nicht bekanntgeben, er wird sich zu gegebener Zeit zu seiner politischen Zukunft äussern. Doch seine Entscheidung ist für die SP und ihre Ziele zentral. Tritt der Parteilose ab, gibt es zumindest eine kleine Chance, dass die Sozialdemokrat:innen den doppelten Einzug schaffen werden. Tritt Mario Fehr nochmals an, wird die SP kaum eine Chance auf einen zweiten Sitz haben.

In einem Jahr wird Jacqueline Fehr zwölf Jahre Regierungsrätin gewesen sein. Sie bezeichnete das Amt als Geschenk und grosses Privileg. Dass sie nach drei Legislaturen im Alter von dann 64 Jahren abtritt, ist verständlich. Doch mit dem Entscheid schwächt sie die Position ihrer Partei. Denn neben Fehr als bekanntem Zugpferd im Wahlkampf wäre es für eine neue Person etwas leichter gewesen, den Sprung in die Regierung zu schaffen.

Stattdessen steht die SP nun vor der Aufgabe, innerhalb eines Jahres zwei hervorragende Kandidaturen aufzubauen. Kronfavorit:innen auf die für das SP-Ticket sind Nationalrätin Priska Seiler Graf und der Winterthurer Stadtrat Nicolas Galladé. Ebenfalls infrage kommen etwa die Nationalrät:innen Min Li Marti, Fabian Molina oder auch die Kantonsrätin Sibylle Marti. Dass die Partei mit zwei Kandidaturen antreten wird, ist bereits beschlossen, wie das Präsidium bestätigt. Wer sich für die Partei in den Wahlkampf stürzen wird, zeigt sich im Juni – dann findet der Nominationsanlass der Partei statt. 

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simon

An der Universität Zürich hat Simon Politikwissenschaften und Publizistik studiert. Nach einem Praktikum bei Watson machte er sich selbstständig und hat zusammen mit einer Gruppe von motivierten Journalist:innen 2015 Tsüri.ch gegründet und vorangetrieben. Seit 2023 teilt er die Geschäftsleitung mit Elio und Nina. Sein Engagement für die Branche geht über die Stadtgrenze hinaus: Er ist Vize-Präsident des Verbands Medien mit Zukunft und Mitglied der Eidgenössischen Medienkommission (EMEK) und macht sich dort für die Zukunft dieser Branche stark. Zudem ist er Vize-Präsident des Gönnervereins für den Presserat und Jury-Mitglied des Zürcher Journalistenpreises. 2024 wurde er zum Lokaljournalist des Jahres gewählt.

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