Abbruch beim Triemli: Wohnungen verschwinden, Läden stehen vor dem Aus
Zwei Wohnhäuser und mehrere Bäume beim Triemli sollen abgerissen werden. Die Swiss Life plant dort zusammen mit der Halter AG einen Neubau mit Alterswohnungen. Bis 2027 müssen die bestehenden Mieter:innen und Quartiergeschäfte ausziehen.
Einzelne Wohnungen stehen leer, eine Ladenfläche ist geschlossen, Anrufe bleiben unbeantwortet. Beim Triemli kündigt sich der Abbruch an.
Die Swiss Life reisst dort zusammen mit der Halter AG 38 Wohnungen und fünf Bäume ab. Die beiden Mehrfamilienhäuser an der Letzi- und der Triemlistrasse aus den 1950er-Jahren befinden sich gemäss dem Mediensprecher der Swiss Life in stark veraltetem Zustand.
Geplant sind 72 Alterswohnungen. Der dringende Bedarf an altersgerechtem Wohnraum überwiege gegenüber dem Erhalt der Siedlung, schreiben die Verantwortlichen in der öffentlichen Baueingabe.
Verdrängung aus der Stadt
Michael Kollmann führt seit 27 Jahren die Weinhandlung «Wy Himmel» an der Triemlistrasse. Schlecht sehe es aus, sagt er auf Anfrage. Wie alle anderen Mietparteien erhielt er die Leerkündigung für Oktober 2027.
Die Swiss Life beziehungsweise die Verwaltung Livit unterstütze ihn zwar dabei, einen neuen Standort zu finden, «aber es ist extrem schwierig eine geeignete Ladenfläche zu finden in der Stadt». Vor allem Parkplätze fehlten. Niemand hole zwei Kisten Wein mit dem Tram ab, sagt Kollmann. «Wenn ich aus der Stadt muss, dann fange ich wieder von ganz vorne an.»
Bekannte Immobilienfirmen
Seit 2017 besitzt die Swiss Life die Siedlung. Der Lebensversicherer gehört zu den grössten Vermietern der Schweiz mit knapp 40'000 Wohnungen.
Alleine in Zürich besitzt die Swiss Life über 5000 Wohnungen, wie sie auf Anfrage bestätigt.
Auch die Halter AG, die den Neubau ausführt, ist bekannt. Wie eine Recherche von Mieten-Marta zeigt, besitzt die Familie Halter im Kreis 9 fast 2000 Wohnungen – viele davon in älteren, vergleichsweise günstigen Liegenschaften. Beim Neubauprojekt «Letzigarten» sagte Firmeninhaber und Grundstückseigentümer Balz Halter auf Anfrage von Tsüri.ch, Wohnungskündigungen seien Teil der Realität in Zürich. Um in der dicht bebauten Stadt zukunftsfähige Bauprojekte realisieren zu können, müsse unter Umständen bestehender Wohnraum weichen. Und mit ihm wohl auch ein Teil seiner Bewohnerschaft.
Zum Projekt beim Triemli will sich die Halter AG nicht äussern.
Die Immobilienfirmen planen bei diesem Projekt den Neubau von Alterswohnungen. Die Wohnungen werden unter anderem nach dem Schweizer Standard LEA (Living Every Age) für hindernisfreie und altersgerechte Wohnungen gebaut. Er stellt sicher, dass Wohnräume für alle Generationen, insbesondere für ältere Menschen und Personen mit Einschränkungen, nutzbar sind.
Neuer Mietzins
Nach Fertigstellung des Neubaus haben die Mieter:innen die Möglichkeit, in den Neubau zurückzukehren, schreibt die Swiss Life auf Anfrage. Angaben zu den neuen Mietzinsen könne sie erst tätigen, sobald das finale Bauprojekt und die definitiven Baukosten vorliegen.
Da sich die Zahl der Wohnungen mit dem Neubau fast verdoppelt, ist es rechnerisch möglich, dass die durchschnittlichen Mietzinse nicht proportional steigen. Bei veranschlagten Baukosten von 16 Millionen Franken und einer zulässigen Rendite von 3,25 Prozent läge die durchschnittliche Bruttomiete für eine 2-Zimmerwohnung rechnerisch unter 2000 Franken pro Monat. Die tatsächlichen Mietzinse hängen jedoch von Wohnungsgrössen, Ausbaustandard und Marktentwicklung ab.
Karin Weissenberger, Immobilienexpertin beim Wohneigentümer:innen-Verband Casafair, geht davon aus, dass sich die Swiss Life an einer Bruttorendite von bis zu 5,5 Prozent orientieren wird. Eine Einschätzung, ohne den exakten Marktwert und die Wohnungsgrösse zu kennen, sei schwierig: Es könnten Wohnungen für 2000 Franken, aber auch solche zu 3500 Franken geben.
Zur geplanten Miete will sich die Swiss Life nicht äussern. Ein Vergleich der heutigen und zukünftigen Mietzinsen sei nicht zielführend, da sich sowohl der Wohnungsmix als auch der Ausbaustandard im Neubau, insbesondere durch eine effizientere, nachhaltigere Bauweise, grundlegend unterscheiden, so die Swiss Life.
Die Mieter:innen haben noch eineinhalb Jahre Zeit, ein neues Zuhause zu finden. Im August 2029 werden dann gemäss Bauplanung die neuen Bewohner:innen einziehen.
Unsere Community ermöglicht den freien Zugang für alle. Dies unterscheidet uns von anderen Medien. Wir begreifen Journalismus nicht nur als Produkt, sondern auch als öffentliches Gut. Unsere Artikel sollen möglichst vielen Menschen zugutekommen. Mit unserer Berichterstattung versuchen wir das zu tun, was wir können: guten, engagierten Journalismus. Alle Schwerpunkte, Berichte und Hintergründe stellen wir dabei frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade jetzt müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Was uns noch unterscheidet: unsere Leser:innen. Sie müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Mittlerweile sind 3000 Menschen dabei und ermöglichen damit den Tsüri-Blick aufs Geschehen in unserer Stadt. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 3500 – und mit deiner Beteiligung können wir es schaffen. Es wäre ein schönes Zeichen für Tsüri.ch und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 8 Franken bist du dabei!
Yann hat an der Universität Zürich einen Master in Germanistik, Sozialwissenschaften und Philosophie abgeschlossen. Erste journalistische Erfahrungen sammelte er bei 20Minuten, Tsüri.ch und der SRF Rundschau. Beim Think & Do Tank Dezentrum war Yann als wissenschaftlicher Mitarbeiter und in der Kommunikationsleitung tätig. Seit 2025 ist er Teil der Tsüri-Redaktion.