Leerkündigung in Albisrieden

Abbruch beim Triemli: Wohnungen verschwinden, Läden stehen vor dem Aus

Zwei Wohnhäuser und mehrere Bäume beim Triemli sollen abgerissen werden. Die Swiss Life plant dort zusammen mit der Halter AG einen Neubau mit Alterswohnungen. Bis 2027 müssen die bestehenden Mieter:innen und Quartiergeschäfte ausziehen.

Abbruch Triemlistrasse anstelle 127, 129, Letzigraben anstelle 247, 249, 251
Die Siedlung an der Triemlistrasse 127, 129 und Letzigraben 247, 249, 251 wird abgerissen. (Bild: Yann Bartal)

Einzelne Wohnungen stehen leer, eine Ladenfläche ist geschlossen, Anrufe bleiben unbeantwortet. Beim Triemli kündigt sich der Abbruch an.

Die Swiss Life reisst dort zusammen mit der Halter AG 38 Wohnungen und fünf Bäume ab. Die beiden Mehrfamilienhäuser an der Letzi- und der Triemlistrasse aus den 1950er-Jahren befinden sich gemäss dem Mediensprecher der Swiss Life in stark veraltetem Zustand.

Geplant sind 72 Alterswohnungen. Der dringende Bedarf an altersgerechtem Wohnraum überwiege gegenüber dem Erhalt der Siedlung, schreiben die Verantwortlichen in der öffentlichen Baueingabe.

Verdrängung aus der Stadt

Michael Kollmann führt seit 27 Jahren die Weinhandlung «Wy Himmel» an der Triemlistrasse. Schlecht sehe es aus, sagt er auf Anfrage. Wie alle anderen Mietparteien erhielt er die Leerkündigung für das zweite Quartal 2027.

Die Swiss Life beziehungsweise die Verwaltung Livit unterstütze ihn zwar dabei, einen neuen Standort zu finden, «aber es ist extrem schwierig eine geeignete Ladenfläche zu finden in der Stadt». Vor allem Parkplätze fehlten. Niemand hole zwei Kisten Wein mit dem Tram ab, sagt Kollmann. «Wenn ich aus der Stadt muss, dann fange ich wieder von ganz vorne an.»

Bekannte Immobilienfirmen

Seit 2017 besitzt die Swiss Life die Siedlung. Der Lebensversicherer gehört zu den grössten Vermietern der Schweiz mit knapp 40'000 Wohnungen.

Alleine in Zürich besitzt die Swiss Life über 5000 Wohnungen, wie sie auf Anfrage bestätigt.

Auch die Halter AG, die den Neubau ausführt, ist bekannt. Wie eine Recherche von Mieten-Marta zeigt, besitzt die Familie Halter im Kreis 9 fast 2000 Wohnungen – viele davon in älteren, vergleichsweise günstigen Liegenschaften. Beim Neubauprojekt «Letzigarten» sagte Firmeninhaber und Grundstückseigentümer Balz Halter auf Anfrage von Tsüri.ch, Wohnungskündigungen seien Teil der Realität in Zürich. Um in der dicht bebauten Stadt zukunftsfähige Bauprojekte realisieren zu können, müsse unter Umständen bestehender Wohnraum weichen. Und mit ihm wohl auch ein Teil seiner Bewohnerschaft.

Zum Projekt beim Triemli will sich die Halter AG nicht äussern.

Die Immobilienfirmen planen bei diesem Projekt den Neubau von Alterswohnungen. Die Wohnungen werden unter anderem nach dem Schweizer Standard LEA (Living Every Age) für hindernisfreie und altersgerechte Wohnungen gebaut. Er stellt sicher, dass Wohnräume für alle Generationen, insbesondere für ältere Menschen und Personen mit Einschränkungen, nutzbar sind.

Neuer Mietzins

Nach Fertigstellung des Neubaus haben die Mieter:innen die Möglichkeit, in den Neubau zurückzukehren, schreibt die Swiss Life auf Anfrage. Angaben zu den neuen Mietzinsen könne sie erst tätigen, sobald das finale Bauprojekt und die definitiven Baukosten vorliegen.

Abbruch Triemlistrasse anstelle 127, 129, Letzigraben anstelle 247, 249, 251
Erste Läden sind ausgezogen, weitere bangen um ihre Existenz. (Bild: Yann Bartal)

Da sich die Zahl der Wohnungen mit dem Neubau fast verdoppelt, ist es rechnerisch möglich, dass die durchschnittlichen Mietzinse nicht proportional steigen. Bei veranschlagten Baukosten von 16 Millionen Franken und einer zulässigen Rendite von 3,25 Prozent läge die durchschnittliche Bruttomiete für eine 2-Zimmerwohnung rechnerisch unter 2000 Franken pro Monat. Die tatsächlichen Mietzinse hängen jedoch von Wohnungsgrössen, Ausbaustandard und Marktentwicklung ab.

Karin Weissenberger, Leiterin des Rechtsberatungsteams von Casafair Schweiz, geht davon aus, dass sich die Swiss Life an einer Bruttorendite von bis zu 5,5 Prozent orientieren wird. Eine Einschätzung, ohne den exakten Marktwert und die Wohnungsgrösse zu kennen, sei schwierig: Es könnten Wohnungen für 2000 Franken, aber auch solche zu 3500 Franken geben.

Zur geplanten Miete will sich die Swiss Life nicht äussern. Ein Vergleich der heutigen und zukünftigen Mietzinsen sei nicht zielführend, da sich sowohl der Wohnungsmix als auch der Ausbaustandard im Neubau, insbesondere durch eine effizientere, nachhaltigere Bauweise, grundlegend unterscheiden, so die Swiss Life.

Die Mieter:innen haben noch eineinhalb Jahre Zeit, ein neues Zuhause zu finden. Gemäss Swiss Life können die Bewohner:innen für die Dauer des Umbaus Wohnungen an der nahegelegenen Birmensdorferstrasse als befristete Zwischenlösung beziehen. Nach Fertigstellung des Neubaus haben sie die Möglichkeit zur Rückkehr in den realisierten Neubau. Oder sie können in einem unbefristeten Mietverhältnis an der Birmensdorferstrasse bleiben.

Anmerkung: In einer ersten Version hiess es, die Mieter:innen müssten im Oktober 2027 ausziehen. Richtig ist, dass den betroffenen Mietparteien per Oktober 2025 mit einer Kündigungsfrist von 18 Monaten gekündigt wurde. Der Rückbau der bestehenden Gebäude ist bereits für das 2. Quartal 2027 vorgesehen. 

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yann

Yann hat an der Universität Zürich einen Master in Germanistik, Sozialwissenschaften und Philosophie abgeschlossen. Erste journalistische Erfahrungen sammelte er bei 20Minuten, Tsüri.ch und der SRF Rundschau. Beim Think & Do Tank Dezentrum war Yann als wissenschaftlicher Mitarbeiter und in der Kommunikationsleitung tätig. Seit 2025 ist er Teil der Tsüri-Redaktion.

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Kommentare

Kuster
20. Februar 2026 um 22:18

Schon lange

Die Mieter wissen schon lange Bescheid. Seit 2022, wurden nur noch befristete Mietverträge gemacht. Auch der Kollmann, vom Wy Himmel, weiss so lange Bescheid. Wer innert 4 Jahren nichts findet, macht definitiv etwas falsch. Zumal er ja noch Präsident des Gewerbevereines ist. Da könnte man Vitamin B spielen lassen. Aber eben……

Ich habe keinen Namen
10. Februar 2026 um 19:11

langsam wird es abstossend

Das ist natürlich beelendend. Ich frage mich was mit all den gekündigten Mieter:innen passiert oder bei vergangenen Mietern passiert ist, was aus all den Meschen geworden ist. Ich habe mich in einer Kleinstadt in Sicherheit gebracht und frage mich wann es mich trifft. In dieser Kleinstadt bauen sie in der "City" drei neue "City-like" Grossbauten. Mietkostenpunkt für eine 2 Zweizimmerwohnung mit 65 Qm: 2500.-, Mitte-Mitte-Links regiert. Eine bekannte Familie hatte zusätzlich zum eigenem Haus einen Neubau mit zwei kleinen 4 Zimmerwohnungen gebaut, sie sind Mitglied bei der SP. Ich dachte, ein fairer solidarischer Mietpreis für eine Mittelschichtfamilie. Sie meinten, sie wollen keine Renditenmieten machen, also keine Profte machen. Auf die Frage, wie hoch der Mietpreis sei für die eher kleine 4 Zimmerwohnung, sagten sie 3500 CHF/Monat. Sie sind überzeugte SP-Mitglieder und wettern gegen die SVP und FDP. Es stecken alle drin, von Rechts über die Mitte bis Linksliberal/SP.

Markus
10. Februar 2026 um 11:38

Keine Kunden mit Velos

Anscheinend geht niemand mit dem Velo oder per Tram im Wy Himmel einkaufen. Oder wird als Kunde oder Kundin nicht ernst genommen. Damit bin ich auch raus. Schade, dass man immer noch so denkt.