Weshalb man Orte vor dem Abriss mit einem Rausschmaus» feiern sollte

Unsere Architekturkolumnist:innen von der ZAS* laden zum «Rausschmaus» ein. Gemeinsam mit Bewohner:innen, beteiligten Akteur:innen und allen, die gerne essen, werden damit Orte, die vor einer grösseren Transformation stehen, genüsslich verabschiedet. Damit der Nährboden für die Zukunft der Orte wächst.

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Einige der Bewohner:innen des Salzwegs haben sich erst durch den Rausschmaus kennengelernt. Nun wollen sie noch viele Feste feiern, solange das Gebäude noch besteht. (Quelle: ZAS*)

In letzter Zeit werden sie lauter: die Argumente, die für den Erhalt von Bauten und das Sorgetragen unserer Umwelt sprechen. Von Ressourcenverschwendung, steigenden Mieten und sozialer Verdrängung ist die Rede. Dass mit dem Abreissen von Gebäuden auch Geschichten aus dem Stadtraum entschwinden, hat schon jede:r erfahren müssen. Kurz vor dem Abbruchhammer verschwinden diese Orte ganz leise.

Am 17. September fand deshalb – begleitend zur Ausstellung «Die Schweiz: ein Abriss» – ein von uns organisierter Rausschmaus in Zusammenarbeit mit am Salzweg in Zürich-Altstetten statt. Einige der Bewohner:innen haben sich erst dadurch kennengelernt. Nun möchten sie noch viele Feste feiern, solange ihre Nachbarschaft noch besteht.

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Ein Randensüppchen zum gebührenden Abschied des Gebäudes am Salzweg. Das Rezept dazu findest du unten im Text. (Quelle: ZAS*)

Rote Randensuppe, Salzweg

4 Portionen

  • 2 grosse Randen
  • 4 rote Zwiebeln
  • 3 Orangen
  • 1/2 Zitrone
  • 2 Zweige Rosmarin
  • 2 Lorbeerblätter
  • Olivenöl
  • Bouillon
  • eine Prise Paprika, süss
  • Wein zum Ablöschen
  • Salz
  • Pfeffer
  • 1/2 Dose Kokosmilch

Toppings:

  • Dill
  • Petersilie
  • Feta
  • Zitrone
  • grobkörniges Salz
  • Pfeffer

1. Gut Ding will Weile haben: Den Ofen auf 180 Grad vorheizen. Randen und Zwiebeln mit Schale auf ein Backblech legen und mit Olivenöl beträufeln. Gerne 4 Stunden lang backen, mindestens 2 Stunden. Je länger, desto süsser und aromatischer wird das Gericht. Hitze nach einer Stunde auf 150 Grad reduzieren. Randen und Zwiebeln herausnehmen, sobald sie butterweich sind. Kurz abkühlen lassen.

2. Randen und Zwiebeln schälen. In einem Topf etwas Olivenöl erhitzen und die Zwiebeln nochmals anbraten, dabei zerstampfen. Randen hinzugeben und mit Wein oder Balsamicoessig ablöschen. Saft von 3 Orangen und 1/2 Zitrone dazugeben, mit Bouillon aufgiessen. Mit Paprika, Salz und Pfeffer würzen. Rosmarinzweige und Lorbeerblätter beigeben. Hitze reduzieren, Deckel drauf und so lange weiter köcheln lassen, wie gewünscht.

3. Rosmarin und Lorbeer herausfischen. Mit Paprika, Salz und Pfeffer abschmecken. Die Suppe mixen. Toppings, für die Salzigkeit: klein gehackter Dill und Petersilie, zerbröselter Feta, Zitronenschale und -saft, Pfeffer und grobkörniges Salz. Je nach Vorliebe.

* Die von Eva Pauli gestalteten rot lasierten Fassadenelemente machen die Siedlung Salzweg in Zürich-Altstetten unverkennbar. Mit der Zeit verblasst die Fassade. Bis der gewünschte Farbton der Siedlung erreicht ist, Kokosmilch in die Suppe giessen. Beim Rausschmaus am 17. September war es eine halbe Dose.

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Der Flyer zum Rausschmaus.

Essen, weinen, lachen

Viele dieser Orte existieren inzwischen nur noch in der kollektiven Erinnerung der Stadt. An ihnen wurde gewohnt, getanzt, gegessen, geliebt, gelacht und geweint, kurz: dort wurde gelebt. Sie liessen so etwas wie Gemeinschaft entstehen und Freiheit verspüren. Einige wenige davon haben unser Leben geprägt, viele andere sind an uns vorbeigestreift. Kostbar sind sie alle. Sie sind mehr als Kennwerte in einer CO2-Bilanz, Positionen in einem Mietenspiegel oder Gegenstand in einem Baukulturkatalog. Diese Orte sind Hintergrund für unsere Erlebnisse, Erinnerungen und Träume.

Wir laden dich herzlich ein, am Rausschmaus teilzunehmen.

1. Komm als Gast oder werde selbst Gastgeber:in.

Der Rausschmaus ist ein Abschiedsessen, um verschwindende Orte gemeinsam in der Erinnerung zu verankern.

2. Wie schmeckt dein Haus?

Das Essen ändert sich mit den Menschen und den Geschichten, die ihr euch zu erzählen habt: drinnen oder draussen, zu dritt oder zu fünfzigst, 5-Gänge-Menü oder Hotdogs, das Lieblingsessen eurer Nachbar:innen.

3. Wen lädst du ein?

Bewohner:innen, Akteur:innen, die dein Haus zum Verschwinden bringen und andere, die es wertschätzen, oder alle, die gerne essen.

4. Was bleibt, wenn die Gäste gehen?

Rausschmause werden schriftlich, zeichnerisch und frei festgehalten; schiesse Fotos. Aus den Rezepten und Bildern stellen wir ein Kochbuch zusammen. Sende uns dazu Material deiner Wahl an [email protected]. Das wachsende Kochbuch kann (demnächst) hier heruntergeladen werden.

Der nächste Rausschmaus findet bald statt:

Wo: Rausschmaus Flüelastrasse 16, 8048 Zürich

Wann: Freitag, 7.Oktober, 19 Uhr

Die ehemalige Karosseriespenglerei ist ein schlichter, funktionaler Bau mit Autolift. Etwa 1970 wurde das Parkingdach um ein Geschoss erweitert. Gemeinsam mit den freischaffenden Künstler:innen und Handwerker:innen des Kollektiv F16, welche in den letzten Jahren dort ihre Werkstätte hatten, schmausen wir auf der Dachterrasse. 

Anmeldung: [email protected]

Und danach bei dir?

ZAS* ist ein Zusammenschluss junger Architekt:innen und Stadtbewohner:innen. Unter ihnen kursieren heute verschiedene Versionen darüber, wo, wann und warum dieser Verein gegründet wurde. Dem Zusammenschluss voraus ging eine geteilte Erregung über die kurze Lebensdauer der Gebäude in Zürich. Durch Erzählungen und Aktionen denkt ZAS* die bestehende Stadt weiter und bietet andere Vorstellungen an als jene, die durch normalisierte Prozesse zustande gekommen sind. Um nicht nur Opposition gegenüber den offiziellen Vorschlägen der Stadtplanung zu markieren, werden transformative Gegenvorschläge erarbeitet. Dabei werden imaginative Räume eröffnet und in bestehenden Überlagerungen mögliche Zukünfte lokalisiert. Die Kolumne navigiert mit Ballast auf ein anderes Zürich zu und entspringt einem gemeinsamen Schreibprozess. Zur Kontaktaufnahme schreiben an: [email protected]

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