Umfrage: Zürcher Verkehr ist «gefährlich» – Politik fordert Massnahmen

Der Zürcher Verkehr ist überlastet – gemäss einer Umfrage von Tsüri.ch fühlen sich die Zürcher:innen unsicher. Die Politik fordert Massnahmen.

Velovorzugsroute Altstetten Stau
Wie sicher fühlen sich Zürcher:innen im Stadtverkehr? Wir haben die Antwort. (Bild: Simon Jacoby)

Wer im Zürcher Strassenverkehr unterwegs ist, braucht viel Nerven und Geduld. Wie eine Umfrage von Tsüri.ch mit rund 2200 Personen zeigt, ist die Unzufriedenheit gross. Der Verkehr sei überlastet und gefährlich, so die Hauptkritik. Fast die Hälfte der Befragten fühlt sich unsicher und gibt an, bereits mindestens einmal einen Verkehrsunfall erlitten zu haben. 

Die Stadt habe «komplett versagt», wie der Grüne Verkehrspolitiker Markus Knauss auf Anfrage mitteilt. Die rasche Einführung von Tempo 30 würde die Sicherheit erhöhen und damit die Anzahl und die Folgen der Unfälle deutlich reduzieren. 

Versöhnlichere Töne gibt es von FDP-Verkehrspolitikerin Martina Zürcher: «Die Bedürfnisse der verschiedenen Verkehrsteilnehmenden sollten nicht gegeneinander ausgespielt werden», schreibt sie auf Anfrage. Mehr gegenseitiger Respekt anderen Verkehrsteilnehmer:innen gegenüber würde helfen, ist sie überzeugt. 

«Die Verkehrssicherheit hat höchste Priorität», meldet die Dienstabteilung Verkehr der Stadt Zürich auf Anfrage, «ganz besonders, wenn es um die Sicherheit der ungeschützten Verkehrsteilnehmenden geht». Beim Veloverkehr seien die Unfallzahlen weiterhin hoch, weshalb der Stadtrat in den letzten Jahren verschiedene Massnahmen beschlossen habe wie den Strategie-Schwerpunkt «Sicher Velofahren» oder den Bericht «Velo in Zürich 2023», der die Fortschritte in der Velosicherheit und -förderung zusammenfasst. Der Gemeinderat hat den Velobericht am 3. Juli 2024 zur Kenntnis genommen. 

«Arbeiten für das Velovorzugsroutennetz laufen auf Hochtouren»

Besonders gross ist der Frust bei den nicht genügend vorhandenen Velowegen. Rund drei Viertel der mitmachenden Zürcher:innen sind mit der Infrastruktur für Zweiräder unzufrieden.

Es räche sich nun, dass man mit der Planung der Velorouten zu spät begonnen habe, bedauert Gemeinderat Markus Knauss. Dass die Umsetzung lange dauere, wiege umso schwerer, «als die rasante Zunahme beim Veloverkehr nach wie vor auf einer unzureichenden und unsicheren Infrastruktur stattfindet». Geht es nach dem grünen Politiker, müssten die Vorzugsrouten nun rasch geplant und ausgeschrieben werden, damit allfällige Einsprachen schnell abgearbeitet werden können.

Es wird erst vorwärtsgehen, wenn das Velo, andere Fahrzeuge und die Zufussgehenden nicht mehr gegeneinander ausgespielt werden, ist Gemeinderätin Martina Zürcher überzeugt. Zudem müssten die Bedürfnisse von Anwesenden und Gewerbe ernst genommen werden, damit sich die Stimmung auf der Strasse nicht weiter verschlechtert. 

«Die Arbeiten für das Velovorzugsroutennetz laufen auf Hochtouren», betont die Medienstelle der Stadt Zürich. Allerdings würden verschiedene Projekte blockiert, etwa die Velovorzugsrouten in Schwamendingen und Höngg. Die Einsprachen seien an das Statthalteramt weitergezogen worden. Deshalb ist weiterhin offen, wann diese Routen umgesetzt werden können.

Neben diesen grossen Schritten arbeite die Stadt an einer Vielzahl von einfachen, effektiven Sofortmassnahmen. Im aktuellen Jahr «wurden bereits rund 30 solcher Sofortmassnahmen umgesetzt», dazu gehört beispielsweise auch die Kasernenstrasse, wo eine Autospur zugunsten eines Veloweges aufgehoben wurde.

«Kein Anspruch auf einen Parkplatz»

Unzufrieden sind die Umfrageteilnehmenden auch mit der Parkplatzsituation  – etwas mehr als die Hälfte wünscht sich eine Verbesserung, sprich mehr Parkplätze. 

Knauss kontert diesen Frust – es gäbe genügend Parkplätze auf privaten Grundstücken: «Heute hat sich das Bewusstsein gewandelt, dass vermehrt öffentliche Nutzungen wie Velowege, Aufenthaltsflächen oder Massnahmen zur Hitzeminderung, wie Bäume oder Grünflächen, wichtiger sind.» Deshalb müssten die Autos in Tiefgaragen verlagert werden.

Die FDP-Politikerin Zürcher denkt beim Thema Parkplätze nicht nur an Autos. Auch Velos, E-Bikes, elektrische Autos und andere emissionsfreie Gefährte bräuchten in Zukunft Platz zum Parkieren. Hier brauche es ebenfalls mehr gegenseitigen Respekt. 

Entlang der Velorouten baut die Stadt Parkplätze ab, damit «Velos genug Platz haben und sich gegenseitig überholen können», heisst es auf Anfrage. Derzeit finde eine Neuorganisation des öffentlichen Raumes statt: «Wir schaffen Platz zu Gunsten von Bäumen, dem Velo- und Fussverkehr, der Boulevardgastronomie und dem Gewerbeumschlag.» Obwohl es keinen rechtlichen Anspruch auf einen Parkplatz in der blauen Zone gibt, würden nicht alle Parkplätze abgebaut. 

Die Umfrage wurde im Juli bei rund 2200 Zürcher:innen auf Instagram und Facebook durchgeführt. Die Ergebnisse sind nicht repräsentativ.

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Anna hat ihr Politikwissenschafts-Studium in ihrer geliebten Heimatstadt Bern abgeschlossen. In Basel gab's noch einen Master in internationalen Beziehungen und nach einem Abstecher beim EDA landete sie bei Tsüri.ch. Und das ist gut so.

Das mache ich bei Tsüri.ch:

Ich sorge dafür, dass Member gefunden und geschätzt werden. Zudem betreue ich den Tsüri-Shop und treibe Kampagnen an, damit noch mehr Menschen uns cool finden.

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Das mag ich an Zürich am meisten:

Die Diversität, das Migros am Kreuzplatz und den El Pastor Taco der Taquerìa.

Simon Jacoby

An der Universität Zürich hat Simon Politikwissenschaften und Publizistik studiert. Nach einem Praktikum bei Watson machte er sich selbstständig und hat zusammen mit einer Gruppe von motivierten Journalist:innen 2015 Tsüri.ch gegründet und vorangetrieben. Seit 2023 teilt er die Geschäftsleitung mit Elio und Lara. Sein Engagement für die Branche geht über die Stadtgrenze hinaus: Er ist Gründungsmitglied und Co-Präsident des Verbands Medien mit Zukunft und macht sich dort für die Zukunft dieser Branche stark. Zudem ist er Vize-Präsident des Gönnervereins für den Presserat und Jury-Mitglied des Zürcher Journalistenpreises. 2024 wurde er zum Lokaljournalist des Jahres gewählt.

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Kommentare

Gudrun
17. Juli 2024 um 20:17

Pfeffer

Unzufrieden mit der Parkplatzsituation sein heisst nicht unbedingt mehr Parkplätze zu wollen, sondern kann auch den Ärger über die vielen Parkplätze beinhalten. Die Frage war unpräzis.