In Zürich demonstrieren rund 8000 Personen gegen die Wohnkrise

Tausende Personen fordern an einer Demonstration durch Zürich bezahlbaren Wohnraum, ein Ende der Verdrängung und politische Konsequenzen. Die Kundgebung verlief bei bestem Frühlingswetter friedlich.

Die Demonstration startete beim Rathaus und verlief über den Limmatplatz bis in den Kreis 4. (Bild: Isabel Brun)

Die Forderung nach bezahlbarem Wohnraum wurde erneut auf die Strasse getragen: Bei sonnigem Frühlingswetter demonstrierten am Samstagnachmittag rund 8000 Menschen gegen steigende Mieten, Verdrängung und «um ein Zeichen zu setzen gegen die eskalierende Wohnkrise», wie es in der Mitteilung des Bündnisses heisst. Die Kundgebung verlief laut, bunt und friedlich.

Wohnraum wird zur Existenzfrage

«Ich habe kürzlich die Kündigung erhalten und mache mir grosse Sorgen, dass ich keine neue Wohnung finde», sagt eine Demonstrantin, die in Wiedikon wohnt. Eine andere Teilnehmerin will ein Zeichen setzen gegen die immer häufiger werdenden Leerkündigungen wie bei den Sugus-Häusern. Viele der Demonstrierenden sind direkt von der Wohnkrise betroffen oder fürchten sich, die Mieten in Zürich bald nicht mehr leisten zu können.

Eine der Forderungen der Demo-Teilnehmenden: mehr bezahlbaren Wohnraum in Zürich. (Bild: Isabel Brun)

Zur Demonstration aufgerufen haben verschiedene Gruppierungen: die Mieter:innenbewegung mit dem Mietenplenum, linke Parteien und Organisationen aus dem linksautonomen Milieu.

In der Eröffnungsrede hiess es: «Wohnen ist ein Grundrecht, unser soziales Netzwerk, und bedeutet Freund:innenschaften und Zuhause! Wir alle müssen wohnen! Wohnen ist wie Luft und Wasser, das wir für unser Leben brauchen. Wir lassen uns nicht vertreiben!»

Die Demonstration startete bei der Rathausbrücke, führte über das Landesmuseum und den Limmatplatz bis zum Helvetiaplatz im Kreis 4. Unterwegs gab es über zehn Reden aus dem Bündnis und den betroffenen Quartieren.

Kritik an der Politik

Die Veranstalter:innen kritisieren, dass «unser Zuhause zu langfristigen Anlageobjekten» geworden sind und prangern dabei insbesondere institutionelle Anleger:innen wie Banken und Versicherungen an. «Die parlamentarische Politik unternimmt dagegen fast nichts», heisst es in der Mitteilung. Politiker:innen seien bis auf Bundesebene eng mit der Immobilienwirtschaft verbunden.

Unter den Demonstrierenden zeigten sich auch Politiker:innen der SP, Grünen und AL. SP-Stadtratskandidat Tobias Langenegger betonte, dass dringend an der Bodenpolitik angesetzt werden müsse, denn Zürich habe ein riesiges Problem mit Verdrängung: «Die Stadt Zürich muss kaufen, kaufen, kaufen.» AL-Gemeinderat Michael Schmid mache es «hässig, wie die Immobilienindustrie die Stadt zerstört».

Bei bestem Wetter liefen die Demonstrierenden durch Zürich. (Bild: Isabel Brun)

Rund 8000 Teilnehmende

An der Demonstration haben sich rund 8000 Personen beteiligt, darunter viele Familien, ältere Mieter:innen und Menschen, die sich mit der Mieter:innenbewegung solidarisieren. Der Umzug war bewilligt und verlief friedlich.

Bereits in den Jahren 2023 und 2024 fanden in Zürich Wohn-Demonstrationen statt. Die sich zuspitzende Wohnkrise treibt immer mehr Menschen auf die Strasse.

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Simon Jacoby

An der Universität Zürich hat Simon Politikwissenschaften und Publizistik studiert. Nach einem Praktikum bei Watson machte er sich selbstständig und hat zusammen mit einer Gruppe von motivierten Journalist:innen 2015 Tsüri.ch gegründet und vorangetrieben. Seit 2023 teilt er die Geschäftsleitung mit Elio und Lara. Sein Engagement für die Branche geht über die Stadtgrenze hinaus: Er ist Gründungsmitglied und Co-Präsident des Verbands Medien mit Zukunft und macht sich dort für die Zukunft dieser Branche stark. Zudem ist er Vize-Präsident des Gönnervereins für den Presserat und Jury-Mitglied des Zürcher Journalistenpreises. 2024 wurde er zum Lokaljournalist des Jahres gewählt.

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