Markus Merki (GLP): «Bin nicht immer zu 100 Prozent auf Parteilinie»
Seit über zehn Jahren politisiert Markus Merki für die GLP im Stadtparlament. Neben seinem politischen Engagement für Zürich-Nord steht er auch als Präsident des FC Gemeinderat auf dem Fussballplatz.
Wenn GLP-Politiker Markus Merki gerade nicht im Gemeinderat sitzt, arbeitet er als Bau- und Projektleiter. Der Beruf bringt ihn nicht nur an den Schreibtisch, sondern auch in den Austausch mit unterschiedlichsten Menschen.
Dabei brauche es im Umgang miteinander manchmal ein gewisses Feingefühl. «Dass alle gemeinsam am gleichen Strick ziehen, ist nicht immer ganz einfach – ähnlich wie in der Politik», sagt er. Genau diese Herausforderung mache für ihn jedoch den Reiz aus.
Seit sieben Jahren sorgt Merki auch auf dem Fussballplatz für gutes Zusammenspiel, als Präsident des FC Gemeinderats. Er koordiniert den Spielplan und kickt natürlich selbst mit. Wer von den partizipierenden Ratskolleg:innen seiner Meinung nach am besten «tschuttet», lässt der 48-Jährige offen: «Als Präsident kann ich mich da nicht festlegen.»
Für ihn fördert der Sport den parteiübergreifenden Austausch. Man lerne dabei auch die Menschen hinter der politischen Meinung kennen. «Auf dem Rasen verfolgen wir alle das gleiche Ziel», sagt er. Nach den Wahlen im März 2026 hofft er deshalb auch auf ein paar neue Gesichter im Fussballverein des Gemeinderats.
In seiner Freizeit trifft man den Politiker aber nicht nur auf dem Fussballplatz, sondern vor allem gemeinsam mit seiner Familie. «Wir fahren gerne Velo oder verbringen Zeit im Garten», erzählt er. Mitunter sind sie auch in seinem Wahlkreis 11 unterwegs, den er wegen seiner weitläufigen Grünflächen besonders schätzt.
Als Kreisvertreter fällt Merki immer wieder auf, wie wenig Beachtung Zürich-Nord in der Politik erhält. In manchen Ratsdebatten habe er den Eindruck, für einige ende die Stadt beim Milchbuck. «Das ist ein Schlag ins Gesicht, da die Kreise 11 und 12 zu den bevölkerungsreichsten zählen», sagt der Gemeinderat.
Um das Bewusstsein für die Anliegen der dortigen Bevölkerung zu stärken, will sich Merki für eine vierte Legislatur zur Wahl stellen. Darüber hinaus möchte er sich aber besonders der Energieversorgung widmen: «Die Stadt soll mit sauberer Energie ausgestattet werden, die sowohl ressourcenmässig als auch finanziell nachhaltig ist.»
Warum sind Sie Gemeinderat geworden?
Ich interessiere mich seit den frühen 90er-Jahren für Politik und habe schon damals überlegt, einer Partei beizutreten. 2004 wurden die Grünliberalen im Kanton Zürich gegründet. Irgendwann stellte sich die Frage, wo ich selbst etwas bewegen kann. Für mich lag es nahe, auf kommunaler Ebene aktiv zu werden, weil man dort direkt etwas für die Bevölkerung bewirken kann – konkreter und weniger theoretisch als auf kantonaler oder nationaler Ebene.
Welches Abstimmungsergebnis im Rat hat Sie am meisten gefreut?
Es gab viele Entscheidungen, über die ich mich gefreut habe. Besonders motivierend ist es, wenn eine angestossene Idee, sei es ein Vorstoss oder ein parteiübergreifender Antrag, nach zwei oder drei Jahren tatsächlich umgesetzt wird.
Ein besonderes Highlight war für mich jedoch die Aufarbeitung der ERZ-Affäre, bei der es unter anderem um Falschverbuchungen und rechtswidriges Handeln sowie die Leitung der dafür zuständigen parlamentarischen Untersuchungskommission (PUK) ging. Da betraten wir alle Neuland, denn es hatte in der Stadt Zürich über 20 Jahre keine solche Untersuchung mehr gegeben.
Der Prozess war anspruchsvoll. Auch wenn es für die Bevölkerung nicht direkt spürbar ist, hat das Resultat eine gewisse Nachhaltigkeit. Zu sehen, dass wir Spuren hinterlassen haben, erfüllt mich bis heute mit grosser Genugtuung und Dankbarkeit.
Gibt es denn ein Abstimmungsergebnis, das Sie am meisten geärgert hat?
Mich ärgern weniger einzelne Abstimmungsergebnisse, sondern vielmehr gewisse Konstellationen innerhalb des Rats – insbesondere in der aktuellen Legislaturperiode mit der starken linken Mehrheit. Oft fehlt es an Kompromissbereitschaft, was es schwierig macht, politisch etwas zu erreichen. Das kann mitunter an den Nerven zehren. Dennoch vertreten wir die Bevölkerung. Dazu gehört auch, auszuhalten, dass man politisch manchmal auf der Seite steht, die nicht gewinnt.
Wie gehen Sie mit politischen Niederlagen um?
Das gehört zum Spiel dazu. Innerhalb der Fraktionen kommt es auch mal zu Reibereien und Diskussionen. Aber ich glaube, das ist auch das Spannende daran, sich auszutauschen und mit Argumenten zu diskutieren. Wenn man jedes Mal eingeschnappt wäre, würde man es nicht lange aushalten.
Wofür kennt man Sie im Rat – auch ausserhalb Ihrer Partei?
Ich denke vor allem für Bauthemen, da ich seit Langem im Bauwesen tätig bin. Viele Ratsmitglieder sprechen mich bei Fragen zum Thema auch direkt an. Zudem kennt man mich als Präsidenten des FC Gemeinderat. Sicher ist auch bekannt, dass ich nicht immer zu 100 Prozent auf der Parteilinie bin. Ich habe mir eine gewisse Eigenständigkeit bewahrt, was teilweise geschätzt wird und manchmal auch nicht.
Mit welcher Gemeinderätin oder welchem Gemeinderat der politischen Gegenseite würden Sie gerne ein Getränk nach Wahl trinken?
Es gibt einige Personen, mit denen ich gerne etwas trinken würde. Konkrete Namen sind schwierig, da sich die GLP eher in der politischen Mitte verortet – wer als Gegenseite gilt, ist oft Ansichtssache. Grundsätzlich wäre es aber für mich wahrscheinlich jemand vom linken Rand.
Unsere Community ermöglicht den freien Zugang für alle. Dies unterscheidet uns von anderen Medien. Wir begreifen Journalismus nicht nur als Produkt, sondern auch als öffentliches Gut. Unsere Artikel sollen möglichst vielen Menschen zugutekommen. Mit unserer Berichterstattung versuchen wir das zu tun, was wir können: guten, engagierten Journalismus. Alle Schwerpunkte, Berichte und Hintergründe stellen wir dabei frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade jetzt müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Was uns noch unterscheidet: unsere Leser:innen. Sie müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Mittlerweile sind 2800 Menschen dabei und ermöglichen damit den Tsüri-Blick aufs Geschehen in unserer Stadt. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 3000 – und mit deiner Beteiligung können wir es schaffen. Es wäre ein schönes Zeichen für Tsüri.ch und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 8 Franken bist du dabei!
Nach der Ausbildung zur Kauffrau EFZ beim Sozialdepartement der Stadt Zürich folgte die Berufsmaturität an der KV Zürich mit Schwerpunkt Wirtschaft. Anschliessend Bachelorabschluss in Kommunikation und Medien mit Vertiefung Journalismus an der ZHAW. Erste journalistische Erfahrungen als Praktikantin in der Redaktion von Tsüri.