Firmenbefragung Stadt Zürich

Jetzt klagt auch das Zürcher Gewerbe über die teuren Mieten

Alle vier Jahre fühlt die Stadt den Unternehmen den Puls. Die diesjährige Umfrage zeigt: Nicht das Parkplatzangebot, sondern der Immobilienmarkt macht dem Gewerbe am meisten zu schaffen.

Gewerbe Ladenfläche Geschäft Verkauf
Die Geschäftsflächen in der Stadt werden rarer und teurer. (Bild: Claudio Schwarz / Unsplash)

Auf die Bewohner:innen folgen die Unternehmen: Die Lage auf dem Zürcher Immobilienmarkt ist erstmals die grösste Sorge der hiesigen Firmen. Das ist das Resultat der Firmenbefragung, welche die Stadt Zürich am Dienstag veröffentlicht hat.

Alle vier Jahre wird den ansässigen Unternehmen und Selbstständigen der Puls gefühlt. Dieses Mal haben rund 1500 Firmen an der Umfrage teilgenommen. Die Befragten geben dem Wirtschaftsstandort Zürich die Gesamtnote 4,65. Das ist die tiefste Bewertung seit Erhebungsbeginn 2005. In den letzten Jahren schwankte die Gesamtnote zwischen 4,94 und 4,7.

Mit 30 Prozent und deutlichem Abstand zum zweiten Platz wird die Situation auf dem Immobilienmarkt als grösste Schwäche des Wirtschaftsstandorts genannt – bei der letzten Befragung 2021 haben 22 Prozent der Befragten den Bereich als Nachteil angegeben, 2005 erst 15 Prozent.

Hohe Mieten, wenig Platz

Dabei sind es vor allem die hohen Mietkosten für Büro-, Produktions- und Ladenflächen, die mit einer Gesamtnote von 2,8 ins Gewicht fallen.

Der Mietpreis fällt bei der Grosszahl der hiesigen Unternehmen ins Gewicht: Nur 7 Prozent der befragten Firmen sind Eigentümer:innen, 88 Prozent mieten ihre Räumlichkeiten, 4 Prozent geben beides an.

Gemäss Angaben der Befragten hat sich auch die Verfügbarkeit nutzbarer Flächen verschlechtert. Die Verfügbarkeit von Büroflächen sinkt in der Gesamtnote 4,12 auf 3,75, jene von Ladenflächen von 3,48 auf 3,21. Die Verfügbarkeit von Produktionsflächen bleibt mit 3,47 konstant tief gegenüber der Vorjahresbefragung.

Sechs Prozent der befragten Firmen planen einen Wegzug aus der Stadt, bei den produzierenden Betrieben sind es elf Prozent.

Parkplätze und Preisniveau in der Kritik

Die Immobiliensituation hat damit den bisherigen Spitzenreiter «Verkehr» mit 23 Prozent auf Platz zwei des Sorgenbarometers verdrängt. Besonders schlecht schneiden die Parkplatzmöglichkeiten in der Innenstadt ab: Diese erhalten die Note 2,3, die allgemeine Parkplatzsituation die Note 2,6. Auch die Möglichkeiten zum Güterumschlag werden mit einer ungenügenden Note von 3,18 bewertet.

Positiv ins Gewicht fällt der ÖV mit einer 5,27 für die Verkehrsbetriebe Zürich und einer 5,24 für den nationalen Zuganschluss. Auch die Veloinfrastruktur konnte sich gegenüber den Vorjahren deutlich verbessern auf eine 4,07, wird von vielen Firmen jedoch nicht als zentral erachtet.

Auf Platz drei und vier der grössten Schwächen folgen das hohe Preisniveau, das von 22 Prozent der Befragten genannt wird, sowie die Steuerlast mit 20 Prozent.

Ein Drittel der Firmen blickt düster in die Zukunft: Sie gehen davon aus, dass der Standort Zürich in Zukunft an Attraktivität einbüssen wird. Das ist der höchste Wert aller Befragungen.

Zentrumslage und Lebensqualität als Stärke

Die grösste Stärke des Wirtschaftsstandorts Zürich ist stabil: Auch 2025 wird die Zentrumslage als grösster Plusfaktor genannt. Mit 39 Prozent zeigt sich im Vergleich zu 2021 (38 Prozent) nur eine leichte Veränderung.

Der Faktor «Grösse» landet auf Platz zwei. Darunter fallen unter anderem die Einwohnerzahl, das Kundenpotenzial, die Marktgrösse, die Verfügbarkeit von Lieferant:innen sowie die Einkaufsmöglichkeiten.

Platz drei teilen sich Lebens- und Wohnqualität sowie der Arbeitsmarkt. Beide werden von 20 Prozent der Befragten als Stärke genannt.

Die Reaktionen

Das Präsidialdepartement, welches diese Umfrage durchführt, anerkennt, dass die Gesamtzufriedenheit mit dem Standort Zürich leicht zurückgegangen ist. Sie deuten die Gesamtbeurteilung des Standorts aber als «weiterhin gut».

Für die städtische FDP hingegen sind die Resultate der Befragung ein Zeichen von «zunehmenden strukturellen Schwächen» des Wirtschaftstandorts Zürich. Sie lesen darin «klare Warnsignale» für die zukünftige Attraktivität Zürichs als Unternehmensstandort. Der Gewerbeverein der Stadt Zürich bläst ins selbe Horn. Sie sehen in den Resultaten eine Verschlechterung der Rahmenbedingungen, insbesondere für Bau, Handwerk, Produktion und detailhandelsnahes Gewerbe.

Ohne Deine Unterstützung geht es nicht

Unsere Community ermöglicht den freien Zugang für alle. Dies unterscheidet uns von anderen Medien. Wir begreifen Journalismus nicht nur als Produkt, sondern auch als öffentliches Gut. Unsere Artikel sollen möglichst vielen Menschen zugutekommen. Mit unserer Berichterstattung versuchen wir das zu tun, was wir können: guten, engagierten Journalismus. Alle Schwerpunkte, Berichte und Hintergründe stellen wir dabei frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade jetzt müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Was uns noch unterscheidet: unsere Leser:innen. Sie müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Mittlerweile sind 2000 Menschen dabei und ermöglichen damit den Tsüri-Blick aufs Geschehen in unserer Stadt. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 2500 – und mit deiner Beteiligung können wir es schaffen. Es wäre ein schönes Zeichen für Tsüri.ch und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 8 Franken bist du dabei!

Jetzt unterstützen
tracking pixel

Das könnte dich auch interessieren

Kommentare