45 Zukünfte für die Triemli-Türme

Vor einem Jahr berichteten unsere Architekturkolumnist:innen kritisch über den geplanten Abriss der drei ehemaligen Personalhäuser des Stadtspitals Triemli. Eine Verstrickung von Ereignissen über die letzten Monate hat die Ausgangslage um die Zukunft der Türme nun grundlegend verändert.

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Innert kurzer Zeit ist viel passiert. Wie geht es weiter mit den drei Türmen? (Quelle: zvg)

Seit der Veröffentlichung unserer Kolumne Betonreserven am Triemli vor einem Jahr ist viel passiert. Damals berichteten wir über den geplanten Abriss der drei ehemaligen Personalhäuser des Stadtspitals und stellten uns vor, den drei Türmen ein neues Leben zu verleihen. «Wäre ein Umbau wirklich so undenkbar?», fragten wir uns. Mittlerweile wissen wir: An Ideen für eine Um- und Weiternutzung der Anlage mangelt es nicht.

Eine Verstrickung von Ereignissen über die letzten Monate führte dazu, dass sich die Ausgangslage um die Zukunft der Türme grundlegend verändert hat. Am 5. Januar, einen Monat nach der Veröffentlichung des ersten Artikels, forderte die AL den Gemeinderat mit einer dringlichen Anfrage dazu auf, die Entwicklungsstrategie zum Stadtspital Triemli zu überdenken und Optionen für eine weitere Nutzung der Gebäude zu prüfen. Im Gemeinderat noch angenommen, wurde die Anfrage später im Stadtrat mit einer Mehrheit abgelehnt. Eine Gewissheit über die Sinnhaftigkeit jeder Entscheidung wird mit den sich ständig ändernden, globalen Rahmenbedingungen schnell hinterfragt. Einige Wochen nach dem Beginn des Angriffskrieges in der Ukraine konnten in den Türmen mehrere Hundert Flüchtlinge beherbergt werden. Die Türme boten unmittelbar verfügbaren Raum an und liessen erneut eine Wohnnutzung zu.

Veränderungen auf rechtlichen und politischen Ebenen veranlassten uns schliesslich dazu, die Argumente, welche ursprünglich zum Abriss-Entscheid geführt haben, systematisch zu untersuchen. Im April erstellten wir eine Arbeitsgrundlage, um eine weitere Diskussion um den Erhalt der Türme zu ermöglichen. Im Mai wurde vom Gemeinderat ausserdem bekannt gegeben, dass eine zehnjährige Verlängerung der bestehenden Zwischennutzung geprüft werden soll. Durch eine Verschiebung von Notwendigkeiten, hatte sich somit innerhalb weniger Monate eine Umstimmung auf lokaler politischer Ebene ergeben. Noch im gleichen Monat entschlossen wir uns dazu, einen spekulativen Ideenwettbewerb auszuschreiben, um zukunftsweisende Vorschläge für die Um- und Weiternutzung der Anlage zu finden. 

Die in den Türmen beherbergten, verschiedenen Zwischennutzungen der letzten zwei Jahrzehnte haben die Vielfalt an Nutzungsmöglichkeiten der Anlage aufgezeigt. Aus dieser Realität wurde für den Wettbewerb das Programm des Stadthotels abgeleitet: Ein Ort für Menschen in unterschiedlichsten Lebenssituationen, auf kurze oder längere Zeit.

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Am 1. Dezember fand im ZAZ Bellerive die öffentliche Jurierung des Ideenwettbewerbs statt. Die 45 eingereichten Beiträge mobilisierten an einem gewöhnlichen Donnerstagmorgen über hundert Personen.

45 Teams aus Architekten:innen und verschiedenen anderen Spezialist:innen haben dazu eine breite Vielfalt an Beiträgen eingereicht. Am 2. Dezember fand die öffentliche Jurierung im ZAZ Bellerive (auch per Live Stream) statt. Vom 12. bis 19. Januar nun werden alle Beiträge im ZAZ ausgestellt und die Resultate des Wettbewerbs bekanntgegeben. Dabei soll die Diskussion um die Zukunft der Türme im Austausch mit beteiligten Akteur:innen und der breiten Öffentlichkeit weitergeführt werden. Die Verkündung der Ergebnisse des Wettbewerbs findet am 12. Januar, ab 19 Uhr statt.

ZAS
(Quelle: Elio Donauer)

ZAS* ist ein Zusammenschluss junger Architekt:innen und Stadtbewohner:innen. Unter ihnen kursieren heute verschiedene Versionen darüber, wo, wann und warum dieser Verein gegründet wurde. Dem Zusammenschluss voraus ging eine geteilte Erregung über die kurze Lebensdauer der Gebäude in Zürich. Durch Erzählungen und Aktionen denkt ZAS* die bestehende Stadt weiter und bietet andere Vorstellungen an als jene, die durch normalisierte Prozesse zustande gekommen sind. Um nicht nur Opposition gegenüber den offiziellen Vorschlägen der Stadtplanung zu markieren, werden transformative Gegenvorschläge erarbeitet. Dabei werden imaginative Räume eröffnet und in bestehenden Überlagerungen mögliche Zukünfte lokalisiert. Die Kolumne navigiert mit Ballast auf ein anderes Zürich zu und entspringt einem gemeinsamen Schreibprozess. Zur Kontaktaufnahme schreiben an: [email protected]

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