Pride 2026 ohne Festival

Sponsorengelder brechen weg: Zurich Pride muss sich neu erfinden

Die Zurich Pride findet 2026 ohne Festival statt. Die Vereinsmitglieder sehen darin die Chance, dem Pride Festival ein neues Gesicht zu geben – und hoffen auf Unterstützung der Stadt.

Eine Demonstrierende hält an der Pride ein Schild mit dem Spruch "The first Pride was a Riot" hoch
Die Demonstration findet statt, das Festival ist für 2026 abgesagt. (Bild: Silvision CC BY-ND 2.0)

Die Pride-Demonstration, aber ohne Drag-Shows, ohne ESC-Gewinner:innen, ohne buntes Rahmenprogramm: Das Zurich Pride Festival 2026 ist abgesagt.

Das haben die Mitglieder des Vereins Zurich Pride am Dienstagabend entschieden. Und zwar deutlich: 140 Ja-Stimmen setzten sich gegen 32 Nein-Stimmen bei 13 Enthaltungen durch.

Florian Vock ist eines der Vereinsmitglieder, das die Absage des diesjährigen Festivals beantragt hat. «Wir haben die Absage vorgeschlagen, weil wir dem Vorstand die Chance geben wollten, die Zukunft des Pride-Festivals ernsthaft zu diskutieren.» 

Der Hauptgrund für den Entscheid ist der finanzielle Druck. Seit zwei Jahren schreibt der Verein rote Zahlen. Und auch dieses Jahr sah es düster aus: Vier Monate bevor das Festival stattfinden sollte, stand erst ein Sponsorpartner fest, sagt Julia Müller, Geschäftsführerin der Zurich Pride.

In Höchstzeiten seien 250'000 Franken durch Sponsoring zusammengekommen. «Dieses Jahr hätten wir uns schon über 100'000 Franken gefreut – doch auch davon waren wir weit entfernt.»

Ebenfalls wurde das Festival über die Jahre immer grösser und damit auch teurer, wie Müller sagt. 2024 zog das Festival auf die Landiwiese, wo die Mietkosten deutlich höher sind als zuvor auf dem Kasernenareal. Die Pause soll dem neuen Vorstand «die Möglichkeit zum Durchatmen» geben, um sich von den «Altlasten des ehemaligen Vorstands» zu befreien, sagt Müller.

Sponsor:innen ziehen sich von Pride zurück

Bereits im letzten Jahr wurde bekannt, dass die Sponsorengelder markant eingebrochen sind. Die Swisscom, eine der Hauptsponsor:innen, stieg sogar ganz aus.

Canan Uguroglu, der damalige Co-Präsident der Zurich Pride, machte den weltweiten politischen Umbruch dafür verantwortlich. Zu Tsüri.ch sagte er: «Insbesondere das veränderte Klima in den USA beeinflusst, wie international tätige Unternehmen handeln.» Der Wille von Unternehmen, sich öffentlich für die Anliegen der LGBTIQ-Community einzusetzen, habe sich «spürbar verändert».

Die angespannte Stimmung schlug sich auch auf den Verein nieder. In geheimen Wahlen wurde der Vorstand im Winter fast komplett neu gewählt. Auch der damalige Co-Präsident Ronny Tschanz verpasste die Wiederwahl.

Hoffen auf städtische Unterstützung

Bevor sich der Verein am Dienstagabend für die Absage entschied, wurde ein Vorschlag des Vorstands diskutiert. Dieser wollte das Festival vom Seebecken auf das deutlich kleinere Turbinenareal im Kreis 5 verlegen und zusätzlich Eintritt verlangen. Doch das führte zu Kritik aus der Community; der Vorschlag wirke wie ein Rückzug, kritisierte das LGBTIQ-Magazin Display.

«Vielleicht braucht die Pride weniger Weltstars und wieder mehr politische Inhalte.»

Jan Müller, Vereinsmitglied Zurich Pride

Dem stimmt auch Jan Müller, Vereinsmitglied der Zurich Pride, zu. «Die Pride lebt von Sichtbarkeit und Inklusion – abgesperrt, am Stadtrand und ohne genügend Kapazitäten ist die Botschaft dahin.» Er stimmte darum ebenfalls dafür, das Festival abzusagen.

Es sei an der Zeit, die Zurich Pride grundsätzlich zu überdenken. «Vielleicht braucht die Pride weniger Weltstars und wieder mehr politische Inhalte.»

Müller, wie auch Florian Vock, der die Absage des Festivals vorgeschlagen hat, sehen die Stadt Zürich in der Verantwortung. «Eine zentrale Frage ist: Was ist der Anlass der Stadt wert?», fragt Vock. Die queere Community sei Teil der Stadt. Gerade in Zeiten, in denen der politische Wind kehre und Sponsoren abspringen würden, müsse sich die Stadt positionieren.

Im Januar lancierte das Display-Magazin die Petition «Rettet das Zurich Pride Festival», welche ebenfalls eine finanzielle Unterstützung fordert. Diese werde man prüfen, sobald sie eingegangen sei, heisst es von Seiten der Stadt.

Eine Möglichkeit sei ein Kostenerlass für städtische Dienstleistungen wie Wasser, Strom oder Sicherheitdienstleistungen. Das zuständige Sicherheitsdepartement bestätigt auf Anfrage, man habe der Zurich Pride für 2025 Dienstleistungen und Gebühren von rund 30'000 Franken erlassen. Für das Jahr 2026 sei kein Gesuch eingegangen.

Katharina Schorrer, Mediensprecherin des Sicherheitsdepartement betont, die Pride sei ein wichtiger Anlass für die Stadt, um ein Zeichen für Vielfalt zu setzen. «Die Pride gehört zu Zürich, wie auch das Sechseläuten oder die Street Parade.»

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