Stadt präsentiert Ergebnisse

«Zürich schaut hin»: Projekt gegen Belästigung wird weitergeführt

Die Stadt Zürich startete vor fünf Jahren das Projekt «Zürich schaut hin», um gegen Sexismus sowie Homo- und Transfeindlichkeit im öffentlichen Raum vorzugehen. Die positive Bilanz führt dazu, dass die Angebote nun fest weitergeführt werden.

PK Zürich schaut hin
An der Medienkonferenz informierten Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) und Sicherheitsvorsteherin Karin Rykart (Grüne). (Bild: Minea Pejakovic)

«Prävention fängt dort an, wo Menschen hinschauen und wissen, wie sie in einer übergriffigen Situation konkret helfen können», sagte Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) am Montag vor den Medien. Die Stadt zog Bilanz zur Kampagne «Zürich schaut hin».  

Das Projekt wurde 2021 lanciert. Ursprünglich befristet bis Ende 2025, wird «Zürich schaut hin» nun als festes städtisches Angebot weitergeführt.

Ziel ist es, Sexismus sowie Homo- und Transfeindlichkeit im öffentlichen Raum sichtbar zu machen und gezielt dagegen vorzugehen. Im Zentrum steht das Meldetool, mit dem erlebte oder beobachtete Belästigungen und Übergriffe anonym gemeldet werden können.

«Ein zentraler Faktor zur Bekämpfung der Vorfälle ist die öffentliche Aufmerksamkeit», erklärt Mauch. Nur wenn Übergriffe benannt und wahrgenommen würden, könne wirksam gehandelt werden.

Meldetool wird regelmässig genutzt

«Zürich schaut hin» ist Teil des Gleichstellungsplans der Stadt und gleichzeitig eine Massnahme zur Umsetzung der Istanbul-Konvention. Diese verpflichtet die Schweiz, Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt zu bekämpfen.

Die Auswertung zeigt: Insbesondere das Online-Meldetool ist wirksam. Seit dem Start des Projekts sind über 2500 Meldungen eingegangen. Laut der Sicherheitsvorsteherin Karin Rykart sind das pro Tag mehr als eine Meldung.

Am häufigsten wurden Belästigungen durch Worte gemeldet (29 Prozent), gefolgt von Anstarren (15 Prozent). Laut den Meldungen fanden viele Vorfälle in öffentlichen Verkehrsmitteln statt, dicht gefolgt von Ereignissen auf der offenen Strasse. Auffällig ist zudem, dass insgesamt mehr Frauen Übergriffe und Belästigungen gemeldet haben als Männer.

An der Medienkonferenz nahmen die beiden Stadträtinnen auch Stellung zur geäusserten Kritik, das Meldetool könne als «öffentlicher Pranger» missbraucht werden. Diese Befürchtung wies Sicherheitsvorsteherin Rykart zurück und betonte die konsequente Anonymität des Systems. 

Betroffene hätten durch das Tool die Möglichkeit, «niederschwellig und anonym einen Vorfall zu melden, ohne dass eine Opferberatungsstelle oder sogar die Polizei involviert ist», sagte Rykart. Für Betroffene sei das Tool deshalb auch eine erste Möglichkeit, das Erlebte zu dokumentieren und zu verstehen, dass «man nicht alleine ist», ergänzte Mauch. 

«Belästigungen und übergriffige Vorfälle gehen uns alle etwas an.»

Karin Rykart, Sicherheitsvorsteherin

Indem die Resultate veröffentlicht würden, solle zudem das Bewusstsein der Gesellschaft für Übergriffe gestärkt werden. Auf der Webseite gebe es zusätzlich weiterführende Informationen dazu, wie und wo man sich melden kann, wenn man einen Fall zur Anzeige bringen möchte.

Weiterführung mit Fokus auf Zivilcourage und Prävention

Neben der Sensibilisierung der Öffentlichkeit durch Plakate sei es ebenso wichtig, «dass die Menschen an der Front ausgebildet sind», sagte Rykart. Entsprechend stellt «Zürich schaut hin» auch online Schulungen und Lehrmittel für Berufsgruppen zur Verfügung, die mit solchen Situationen konfrontiert sein könnten.

Dazu zählen unter anderem Mitarbeitende im Nachtleben, Lehrpersonen, Badepersonal sowie Jugendarbeiter:innen. Bislang haben laut der Stadt mehr als 2000 Personen dieses Angebot genutzt.

Auch das Personal der Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) werde im Rahmen des Projekts regelmässig geschult, um bei Übergriffen angemessen und sicher zu reagieren. Künftig möchte man Weiterbildungen zur Zivilcourage ausbauen und Prävention in Schulen fördern, weil «Belästigungen und übergriffige Vorfälle uns alle etwas angehen», so Rykart.

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Minea Pejakovic

Nach der Ausbildung zur Kauffrau EFZ beim Sozialdepartement der Stadt Zürich folgte die Berufsmaturität an der KV Zürich mit Schwerpunkt Wirtschaft. Anschliessend Bachelorabschluss in Kommunikation und Medien mit Vertiefung Journalismus an der ZHAW. Erste journalistische Erfahrungen als Praktikantin in der Redaktion von Tsüri.

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