Wegen Umbau der Rathausbrücke

Türkischer Imbiss muss nach 26 Jahren an neuen Standort ziehen

Die Rathausbrücke im Kreis 1 wird für die nächsten drei Jahre zur Grossbaustelle. Damit verschwindet auch der Imbiss «Falafel & Mezze House». Die Betreiber:innen fanden nur mit Mühe ein neues Lokal – und zahlen nun dreimal so viel Miete.

Falafel & Mezze House Rathausbrücke Imbiss
26 Jahre lang betrieben Hadice und Cumhur Oran das «Falafel & Mezze House» auf der Rathausbrücke. Seit Ende 2025 ist Schluss. (Bild: Isabel Brun)

Der Bagger steht schon bereit: Am 12. Januar beginnt die Stadt mit dem Umbau der Rathausbrücke im Kreis 1. Innerhalb der nächsten drei Jahre wird die in den 1970er-Jahren erbaute Brücke durch eine neue ersetzt – für fast 77 Millionen Franken.

Während die Verbindung über die Limmat gemäss Plänen der Stadt auch nach Abschluss der Bauarbeiten als Aufenthalts- und Begegnungsort genutzt werden soll, werden die Kioske auf dem Platz für immer verschwinden.

So auch das Imbisslokal «Falafel & Mezze House» von Hadice und Cumhur Oran. 26 Jahre lang verkaufte das Betreiberpaar türkische Spezialitäten to go und baute sich damit eine treue Stammkundschaft auf. Diese werden sie nun an einem neuen Standort bedienen müssen. Das Lokal an der Torgasse 5 habe er «in letzter Sekunde» gefunden, sagt Cumhur Oran. 

Neue Miete dreimal so hoch

Statt eines Kiosks werden sie bald einen Imbiss mit Sitzplätzen betreiben. Bis Anfang Februar soll der Umbau abgeschlossen sein. Obwohl der Standort nur wenige hundert Meter vom alten Standort entfernt liegt, schaut Hadice Oran wehmütig zurück.

«26 Jahre lang war die Rathausbrücke unser zweites Zuhause. Deshalb sind wir sehr traurig, dass wir nicht zurückkehren können», sagt sie. Das Gastroangebot «überd Gass» war bei vielen beliebt – auch wegen der Preise: Gözleme gab es für 10, Falafel- oder Mezzeteller für 15 Franken. 

Im touristisch geprägten Niederdorf hätten sie eine Lücke schliessen wollen, so Oran: «Es ist wichtig, dass es hier neben teuren Restaurants auch irgendwo einfaches, günstiges Essen gibt.» Regelmässig stand die Betreiberin selbst am Herd. Dies will sie auch am neuen Standort beibehalten.

Auch wenn im «Falafel & Mezze House» möglichst alles beim Alten bleiben soll, werden die Betreiber:innen ihre Preise anpassen müssen: «Die Miete hier ist dreimal so hoch wie jene, die wir der Stadt bezahlt haben», sagt Cumhur Oran. Wie viel teurer die Gerichte sein werden, sei aber noch unklar.

Betreiberpaar enttäuscht vom Vorgehen der Stadt

Die beiden sind froh, ihr Gastrounternehmen überhaupt weiterführen zu können. Nachdem die Zürcher Stimmbevölkerung dem Ersatzneubau der Rathausbrücke im Jahr 2024 zugestimmt hatte, sei rasch klar geworden, dass der Take-away keine Zukunft haben wird. 

Doch die Suche nach einem Nachfolgelokal habe sich als schwierig gestaltet: «Unzählige Online-Inserate waren innerhalb von wenigen Stunden wieder down. Es war unmöglich, neben unserer Arbeit im Imbiss eine Lösung zu finden.» Deshalb machte sich Cumhur Oran im Quartier auf die Suche – klopfte mehrere Restaurants und Cafés ab. An der Torgasse wurde er schliesslich fündig. 

Falafel & Mezze House Torgasse 8
Noch befindet sich das Lokal an der Torgasse im Umbau – Anfang Februar soll es eröffnet werden. (Bild: Isabel Brun)

Von der Stadt hätten sich die beiden bei der Suche mehr Unterstützung, beispielsweise in Form von Vorrang bei städtischen Objekten,  erhofft: «Wir waren immerhin über 20 Jahre lang zuverlässige Mieter», sagt Oran. 

Doch ein Anspruch auf eine Folgelösung bestehe nicht, heisst es vonseiten der Stadt – auch nicht bei langjährigen Mietparteien. Städtische Gewerbeflächen würden grundsätzlich unter transparenter Offenlegung der Vergabekriterien öffentlich ausgeschrieben. Damit sich alle interessierten Parteien bewerben könnten.

Bauten auf Brücken nicht mehr erlaubt

Der Grund, weshalb die Orans nach dem Neubau nicht zurück auf die Rathausbrücke können, hat mit dem kantonalen Wasserwirtschaftsgesetz zu tun. Dieses verunmöglicht mittlerweile permanente Kioskaufbauten auf Brücken, wie das Tiefbauamt auf Anfrage schreibt.

Rathausbrücke Umbau
Bis Ende 2029 wird die Rathausbrücke durch eine neue ersetzt. (Bild: Isabel Brun)

Dadurch wird die neue Brücke ohne Imbissstände auskommen müssen. Stattdessen setzt die Stadt auf Sitzmöglichkeiten und Bäume. Obwohl der Neubau weniger breit wird, bleibt der Platz in der Mitte bestehen, um auch weiterhin den Wochenmarkt zu beherbergen. 

Eine Tradition, die weit zurückreicht – und der Grund ist, weshalb die Verbindung auch als «Gemüsebrücke» bekannt ist. Im 14. Jahrhundert wurde die Brücke bereits als Marktplatz genutzt. 

Hadice und Cumhur Oran hingegen müssen ihre Geschichte über «Falafel & Mezze House» in der Torgasse weiterschreiben. 

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isabel

Ausbildung zur tiermedizinischen Praxisassistentin bei der Tierklinik Obergrund Luzern. Danach zweiter Bildungsweg via Kommunikationsstudium an der ZHAW. Praktikum bei Tsüri.ch 2019, dabei das Herz an den Lokaljournalismus verloren und in Zürich geblieben. Seit Anfang 2025 in der Rolle als Redaktionsleiterin. Zudem Teilzeit im Sozialmarketing bei Interprise angestellt.  

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