Neues Pop-up «Oder Wat» bringt deutsche Imbisskultur nach Zürich
Mit dem neuen Pop-up «Oder Wat Imbiss» zieht ein Stück Ruhrpott-Feeling in den Kreis 3. Neben der klassischen Currywurst mit Pommes und Mayo hat der Betreiber Alessandro «Pukki» Reintges auch eine Fonduevariante im Angebot.
Nirgendwo auf der Welt wird die Currywurst so zelebriert wie in unserem Nachbarland Deutschland. Entsprechend prägen dort vielerorts Imbissbuden das Stadtbild. In Zürich hingegen muss man lange suchen, um auf denselben Genuss zu kommen.
Auch Alessandro «Pukki» Reintges bemerkte das, als er aus beruflichen Gründen in die Schweiz gezogen ist: «Ich komme aus dem Ruhrgebiet und dort gibt es alle paar Meter einen Imbiss, da ist mir schnell aufgefallen, dass es hier kaum welche gibt.»
Die Idee, einen Imbiss zu eröffnen, war für ihn daher «relativ offensichtlich und keine wahnsinnig kreative Leistung», sagt er. Lange blieb es jedoch bei einer Idee – bis sich im Légère an der Badenerstrasse die passende Gelegenheit ergab. Mit seinem Pop-up «Oder Wat Imbiss» bringt Reintges ab dem 7. Januar deutsche Imbisskultur in den Kreis 3.
Die Currywurst in einer neuen Form
Das Herzstück der Speisekarte bildet natürlich die Currywurst. «Sie ist die Göttin aller Imbisse – das Ding ist heilig», so Reintges und fügt hinzu: «Nach der Muttermilch kommt bei Deutschen nicht viel später die erste Currywurst.»
In der Schweiz sei das ganz anders. «Ich habe Freunde, die noch nie eine Currywurst gegessen haben oder sie nur aus der Mikrowelle kennen.» Besonders wichtig war es ihm, die Sauce selbst zu entwickeln.
Insgesamt dauerte es ein halbes Jahr, bis die Sauce ihren finalen Geschmack erreichte. Während dieser Zeit wurde viel gekocht, degustiert und verfeinert. Dabei dienten auch die ein oder anderen Freund:innen als Versuchspersonen. «Es waren viele Leute involviert, mein Freundeskreis ist jetzt schon ziemlich satt von Currywurst.» Im «Oder Wat Imbiss» bekommt man diese für neun Franken.
Auf der Karte findet sich auch ein Special – das wohl erste Curry-Fondue. Statt Brot kommen Würste auf den Teller und statt Käse wird in heisser Currysauce getunkt.
Entstanden sei die Idee bei einem der zahlreichen Tastings, als eigentlich schon alles aufgegessen war und die Freundesgruppe in der Sauce rumstocherte. Das Curry-Fondue gibt es inklusive Würste, Frikadellen und Pommes zum Eintunken sowie Salaten als Beilage.
Ruhrpott auf dem Teller
Auch eine vegane Currywurst steht auf dem Menü. Aber im Pop-up soll es nicht nur um die Wurst gehen. Im ersten Imbiss nach Ruhrpott-Art in Zürich gibt es auch Frikadellen und Schaschlik zu essen. Alle Fleischprodukte stammen aus der lokalen Fleischerei Angst.
Als Beilagen stehen neben Pommes auch ein würziger Gurken- oder Krautsalat sowie eine Portion Kartoffelsalat nach dem Rezept von Reintges’ Tante zur Auswahl. «Ganz wichtig ist auch die originale Pumpmayo, die man aus dem Ruhrgebiet kennt», ergänzt er.
Davon darf man sich nach Lust und Laune bedienen. Für alle, die dann noch Hunger haben, wartet zum Abschluss grüne Götterspeise mit Vanillesauce.
«Oder Wat ist ein geflügeltes Wort, dass die Leute im Ruhrpott gefühlt nach jedem dritten Satz sagen.»
Alessandro «Pukki» Reintges, Betreiber des «Oder Wat Imbiss»
Da ihm die Erfahrung in der Gastronomie fehlte, wollte Reintges zunächst praktische Kenntnisse sammeln. So kam es, dass er ein Praktikum beim Imbiss «Zum Xaver» in seiner Heimatstadt Essen absolvierte. «Diese Imbissbude ist winzig klein, aber überregional bekannt und absolut legendär», erklärt er.
Innerhalb einer Woche habe er dort alles rund um den Betrieb eines Imbisses gelernt – unter anderem auch, wie man eine Fritteuse bedient.
Auch der Name für das Pop-up erinnert an den Ruhrpott: «Oder Wat ist ein geflügeltes Wort, dass die Leute dort gefühlt nach jedem dritten Satz sagen.»
Zwischen Werbung und Imbiss
Reintges hat sich in Zürich längst einen Namen gemacht. Zu seinen jüngsten Projekten zählen etwa diverse DJ-Auftritte und ein Schlagersong. Nun kommt der eigene Imbiss hinzu.
Ursprünglich kommt er aus dem Nachtleben, wo er lange als Geschäftsführer eines Clubs tätig war. Nach einer «kleinen Sinnkrise», wie er sagt, kam er vor zehn Jahren nach Zürich und begann in der Werbebranche zu arbeiten. Schon im vergangenen Sommer scherzte Reintges in einem Interview mit «Persoenlich.com» darüber, eines Tages Currywürste zu verkaufen.
Die Resonanz auf die Ankündigung des «Oder Wat Imbiss» sei bislang überwiegend positiv ausgefallen. Bis wann das Pop-up läuft, ist noch offen: «Jetzt liegt mein Fokus erstmal darauf, Zürich von dem Essen meiner Heimat zu überzeugen – dann sehen wir weiter.»
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Nach der Ausbildung zur Kauffrau EFZ beim Sozialdepartement der Stadt Zürich folgte die Berufsmaturität an der KV Zürich mit Schwerpunkt Wirtschaft. Anschliessend Bachelorabschluss in Kommunikation und Medien mit Vertiefung Journalismus an der ZHAW. Erste journalistische Erfahrungen als Praktikantin in der Redaktion von Tsüri.