Gemeinderätin der Woche

Leah Heuri (SP): «Junge Personen müssen im Gemeinderat repräsentiert werden»

Mit 25 Jahren gehört Leah Heuri zu den jüngsten Mitgliedern des Gemeinderats. Die Zeit beim Klimastreik liegt hinter ihr, doch der Fokus auf die Umwelt bleibt in ihrem politischen Engagement bestehen.

Leah Heuri
SP-Gemeinderätin Leah Heuri kandidiert im März für eine zweite Legislatur. (Bild: Kai Vogt)

Als sich der Klimastreik Zürich im Jahr 2018 erstmals formierte, war Leah Heuri von Anfang an dabei. Rund drei Jahre lang engagierte sie sich in der Organisation – eine Zeit, die sie rückblickend als prägend beschreibt. «Es war einer der Gründe, warum ich mich für ein Geografiestudium entschieden habe», erzählt sie.

Heute bringt Heuri ihre politischen Anliegen nicht mehr nur auf der Strasse, sondern auch im Gemeinderat ein.

In ihrer Familie hatten politische Themen stets einen Platz. Bereits ihre Grossmutter war Mitglied der SP. «Meine politische Grundhaltung habe ich sicherlich aus meiner Familie mitgenommen», sagt die Jungpolitikerin.

Doch so richtig politisiert, wurde sie erst im Gymnasium – ausgelöst durch ein Gespräch mit einem Schulkollegen. «Es waren Erneuerungswahlen und wir fragten uns damals, wen wir denn eigentlich wählen würde, wenn wir könnten», so die heute 25-Jährige. Diese Überlegung brachte sie dazu, sich intensiver mit der Lokalpolitik auseinanderzusetzen und schliesslich auch der SP beizutreten.

Im November hat die Gemeinderätin ihren Master in Geografie abgeschlossen und arbeitet derzeit in einem Planungsbüro für nachhaltige Entwicklung. Der Fokus auf Umwelt bleibe daher immer noch eine Herzensangelegenheit: «Nachhaltigkeit muss, wenn es nach mir geht, in jedem Aspekt mitgedacht werden.»

Für das Studium ist sie damals von Adliswil in den Kreis 11 gezogen. Diesen vertritt Heuri heute auch im Gemeinderat, auch wenn sie inzwischen in einen anderen Kreis gezogen ist. Dennoch bleibe sie mit Zürich-Nord verbunden und will sich daher auch künftig politisch für den Stadtteil einsetzen. «Das Zugehörigkeitsgefühl schwindet nicht, nur weil ich jetzt umgezogen bin», erklärt Heuri.

Ihre Freizeit verbringt sie häufig mit Backen – und das schon seit ihrer Kindheit. «Ich backe am liebsten, wenn ich es auch mit vielen teilen kann», sagt sie. Neuerdings habe Heuri aber auch das Stricken für sich entdeckt: «Es hat etwas sehr Meditatives.»

Warum sind Sie Gemeinderätin geworden?

Ich bin der Meinung, dass im Gemeinderat auch junge Personen repräsentiert werden müssen. Ich beschäftige mich seit dem Gymnasium mit politischen Themen. Nach dem Bachelorabschluss hat es sich für mich dann richtig angefühlt, zu kandidieren. Da ich aber einen tieferen Listenplatz hatte, habe ich eigentlich nicht erwartet, dass ich in der aktuellen Legislatur noch nachrücken kann. 

Ich habe mich aber sehr darüber gefreut, dass ich an konkreten Anliegen arbeiten kann. Seit letztem Oktober darf ich dies in der Rechnungsprüfungskommission machen, was mir sehr gefällt.

Welches Abstimmungsergebnis im Rat hat Sie am meisten gefreut?

Gerade im Budget 2026 konnten wir einen Antrag für zehn zusätzliche Schulpsycholog:innen durchbringen. Das ist ein wichtiger Schritt und ehrlich gesagt längst überfällig. Die aktuellen gesellschaftlichen Krisen und globalen Entwicklungen belasten Kinder und Jugendliche zunehmend. Das zeigt sich nicht nur im Schulalltag, sondern auch in den jährlichen Daten zu Fallzahlen und Wartezeiten. Diese machen deutlich, dass sich die Situation in den letzten Jahren nicht entspannt, sondern weiter verschärft hat.

«Mir ist es wichtig, immer bei den Daten und mit dem Blick auf die Zukunft zu bleiben.»

Leah Heuri, Gemeinderätin

Wie gehen Sie mit politischen Niederlagen um?

Ich versuche, Niederlagen nicht persönlich zu nehmen. Wenn etwas mal nicht klappt, konzentriere ich mich lieber auf die Fakten. Mir ist es wichtig, immer bei den Daten und mit dem Blick auf die Zukunft zu bleiben. Natürlich gibt es auch Momente, in denen man frustriert darüber ist, dass man etwas vielleicht nicht gut genug vermitteln konnte – aber das gehört dazu.

Wofür kennt man Sie im Rat – auch ausserhalb Ihrer Partei?

Ich vertrete gerne andere bei den Kommissionssitzungen. Es kommt vor, dass jemand mal für eine Zeit ausfällt oder nicht an einer Sitzung teilnehmen kann, da springe ich gerne ein, um einen breiten Überblick über das Geschehen im Gemeinderat zu bekommen. Das habe ich in der letzten Zeit häufig gemacht – vermutlich bin ich nun ein wenig dafür bekannt.

Mit welcher Gemeinderätin oder welchem Gemeinderat der politischen Gegenseite würden Sie gerne ein Getränk nach Wahl trinken?

Mit Xenia Voellmy (GLP). Sie ist noch relativ neu im Gemeinderat und ebenfalls Jungpolitikerin. Deshalb wäre es sicher toll, sich mal mit ihr auszutauschen.

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Minea Pejakovic

Nach der Ausbildung zur Kauffrau EFZ beim Sozialdepartement der Stadt Zürich folgte die Berufsmaturität an der KV Zürich mit Schwerpunkt Wirtschaft. Anschliessend Bachelorabschluss in Kommunikation und Medien mit Vertiefung Journalismus an der ZHAW. Erste journalistische Erfahrungen als Praktikantin in der Redaktion von Tsüri.

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