Klimaschauplatz: «Die Frage ist, wer an der politischen Macht ist»

Letzte Woche fand im Innenhof des Landesmuseums in Zürich der Klimaschauplatz statt. Dabei stand das Thema nachhaltige Ernährung im Fokus. Was diskutiert wurde und was du verpasst hast, liest du hier.

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Die Podiumsdiskussion startet: Helene Obrist (v.l.n.r.), Dominik Waser, Rahel Gessler, Max Marinello und Andi Handke (Quelle: Elio Donauer)

Der Dienstagabend startete mit einem Klima-Znacht, der das vegane Restaurant NOW mit ausgewählten, saisonalen Zutaten konzipiert hat. Nach den drei Gängen hielt Lisa Halter, stellvertretende Leiterin von Ernährung und Konsum, Umwelt- und Gesundheitsschutz Zürich, ein kurzes Impulsreferat zum Thema «Grundlagen nachhaltige Ernährung».  

Nach dem Vortrag konnte sich das Publikum die Beine vertreten und reihte sich dann in die Sitzreihen des Hofkinos ein. Dort fand nämlich die anschliessende Podiumsdiskussion zum Thema «nachhaltige Ernährung» statt. Mit dabei waren Rahel Gessler der Stadt Zürich, Max Marinello von Marinello, Dominik Waser von Grassrooted und Andi Handke von Gastro Futura. Helene Obrist von der «NZZ am Sonntag» moderierte das Gespräch. 

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Zwischen dem Beton: Der Klimaschauplatz. (Quelle: Elio Donauer)

Obrist startete die Diskussion mit einer lockeren Frage: «Bevor wir über nachhaltige Ernährung sprechen, lasst uns zuerst noch über eure Guilty Pleasures sprechen. Was ist das unnachhaltigste, dass ihr konsumiert?» Bei Waser ist es Käse, bei Gessler Schokolade, bei Marinello Wein und bei Hanke sind es Zucker, Tabak, Fleisch und Fisch.

Obrist brachte danach das Triemli als Beispiel. Auf der Speisekarte des Stadtspitals steht zuoberst ein veganes Menü. Die fleischigen Gerichte kommen erst weiter unten. «Das macht total Sinn», meinte Gessler. «Die Stadt soll vegetarische und vegane Gerichte unterstützen und anpreisen. Vegetarische oder vegane Menüs sollen zur Normalität werden und nicht immer extra gross mit ‹VEGI› oder ‹VEGAN› angepriesen werden. Das schreckt nur ab», fügte sie hinzu.

Restaurant Subventionen statt Fleisch Subventionen? 

Der Fleischkonsum hat im Jahr 2021 um 1,8 Prozent zugenommen, zitierte Obrist Zahlen einer Studie. Dass dieser Konsum trotz der Klimakrise stetig zunehme, enttäuscht Handke. «Warum krieg ich als innovativer Gastrobetrieb keine Subventionen?», fragte er sich. Wenn 17 Prozent der Schweizer Gastronomiebetrieben auf nachhaltige Ernährung umstellen würden, so würde es automatisch zu einem «Ripple-Effekt» kommen, ist sich der Gastronom sicher. Der Effekt ist auch bekannt als Kettenreaktion: Startet eine gewisse Anzahl einen Trend, zieht die Welle alle mit. 

Momentan würden aber weniger als 10 Prozent der Gastorbetriebe auf nachhaltige Küche setzen. Auch sollten laut Handke die Fleisch- und Milchindustrie weniger Subventionen erhalten. Das Geld sollte lieber in innovative und lokale Betriebe fliessen, die sich ihrer Verantwortung gegenüber Klimakrise bewusst seien. «Führt das nicht dazu, dass sich Fleisch nur noch die Reichen leisten können?», hakte Obrist nach. 

«Fleisch soll auch ein Luxusprodukt sein», konterte Waser. Billigfleisch-Aktionen sollten verboten werden und die politischen Rahmenbedingungen sollten sich ändern, ergänzte er. 

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«Wir müssen die Gastro schulen, wie weniger Foodwaste entstehen kann» – Andi Handke. (Quelle: Elio Donauer)

Ausserdem kam die Gruppe auf das Thema Foodwaste zu sprechen: 620 Franken schmeisse jeder Haushalt pro Jahr weg, zitiert Obrist aus dem Impulsreferat. Zudem seien Grossverteiler wie Migros, Coop oder Aldi verantwortlich, dass Gemüse nur noch in einer bestimmten Form konsumiert werde. So verkauften sich Rüebli stets als gerade, mittelgrosse, orange Stengel und die von Natur aus krummen Rüebli bleiben liegen. Ausserdem seien die Verpackungsgrössen bestimmter Produkte schuld an Foodwaste und unnötigen Plastikverschleiss. «Wir haben nicht gelernt, wie man konsumiert», so Waser. «Doch wir alle müssen lernen zu verzichten», sagte er weiter. 

«Zudem müssen wir Gastrobetriebe schulen, wie weniger Foodwaste entstehen kann», ergänzte Handke. «Denn wenn du weniger Essen wegschmiesst, hast du mehr Geld, um gutes und lokales Gemüse zu kaufen», fügte der Gastronom hinzu. 

«Die Frage ist doch auch, wer die politische Macht hat», so Waser. Er ist der Überzeugung, dass es vor allem am Willen der Grossen und Mächtigen scheitert, dass nachhaltige Ernährung nicht die Normalität ist. 

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Die Diskussion neigt sich dem Ende zu. (Quelle: Elio Donauer)

Zum Schluss gab es von allen Redner:innen noch einen Tipp für den Alltag: 

  • Max Marinello: «Iss mehr Früchte und mehr Gemüse. Geh in den Garten und schau, was wächst!»
  • Andi Handke: «Sei dir bewusst, was du konsumierst und sei dankbar für das, was wir haben!»
  • Rahel Gessler: «Geh mehr auf den Wochenmarkt in Zürich. So unterstützst du lokale Betriebe und bekommst ein Gefühl für saisonales Gemüse.»
  • Dominik Waser: «Reduziere radikal deinen Fleisch- und Milchkonsum! Unterstütze lieber lokale Betriebe.»

Nach der Diskussion zeigte das Hofkino den Film «Anders essen»

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