Kein Sommer in Sicht: Darum hört es in Zürich nicht auf zu regnen

In Zürich und in der ganzen Schweiz regnet es seit Wochen. Solche Wetterextreme wird es in Zukunft häufiger geben, warnt ein Meteorologe und erklärt, wie Hitze, Starkregen und Klimaerwärmung zusammenhängen.

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Der Dauerregen schlägt aufs Gemüt. (Quelle: Unsplash / NOAA)

Nass, kalt und grusig: Der Sommer in diesem Jahr lässt auf sich warten. Der Frühling 2024 war schweizweit der sonnenärmste seit über zehn Jahren. Zwar sind die Menschen in der Deutschschweiz nicht derart vom Unwetter betroffen wie die Tessiner oder Walliser, der Dauerregen hat aber auch in Zürich seine Spuren hinterlassen.

Die Kantonspolizei Zürich bestätigte auf Anfrage drei Einsätze am vergangenen Wochenende, die im Zusammenhang mit dem Regen gestanden haben: Ein Gerüst wurde durch den starken Regen abgerissen, drei Bäume stürzten um und blockierten Strassen oder einen Gehweg und eine Strasse wurde durch den starken Regen beschädigt und konnte nicht mehr befahren werden.

Bereits Anfang Juni musste Grün Stadt Zürich am Uetliberg Teile des Biketrails sperren, weil sich der Hang durch den starken Regen teilweise gelöst hat. Am Entlisberg in Adliswil bleibt der Sihluferweg wegen instabiler Hänge bis voraussichtlich Juli geschlossen. 

Der Dauerregen schlägt aufs Gemüt. Viele stellen sich die Frage: Wann kommt endlich der Sommer?

Vielleicht schon ab kommender Woche, so die Einschätzung von Stephan Bader von Meteo Schweiz. Er geht davon aus, dass es zwischen dem 8. und 14. Juli wieder sommerlich wird. Auch im August sei die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es heiss wird. Bader betont jedoch, dass Wetterprognosen, die länger als fünf Tage in der Zukunft lägen, kaum zuverlässig seien und eher als grobe Richtlinie statt als sichere Prognose betrachtet werden sollten. 

Europa: Mehr Hitze, weniger Kälte

Klar jedoch ist, dass Wetterextreme, wie wir sie derzeit erleben, in Zukunft weiter zunehmen werden. Bader führt aus: «Mit der Klimaerhitzung werden Regenfälle häufiger sehr intensiv ausfallen, da wärmere Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen und transportieren kann.»

Zu einem ähnlichen Schluss kommt Reto Knutti, Professor für Klimaphysik an der ETH Zürich. «Der menschengemachte Klimawandel führt zu häufigeren und intensiveren Starkniederschlägen», zitierte Watson den Professor kürzlich in einem Bericht. So würden starke Hagelereignisse, Hitzewellen, Trockenheit und die Gefahr für Feuer in den nächsten Jahren zunehmen. 

Besonders betroffen von den Unwettern ist die Westschweiz. Im Tessin starben am Wochenende zwei Menschen bei heftigen Regenfällen, im Wallis wurden mehrere Strassen vom Regen zerstört. Nach Angaben der Behörden verursachten die Unwetter im Wallis allein auf den Kantonsstrassen Schäden von 15 bis 20 Millionen Franken.

Starkregen auch in Zürich möglich

In Zürich blieben die Auswirkungen des Regens bisher moderat. Die Annahme, dass Städter:innen grundsätzlich vor extremen Regen- und Gewitterperioden gefeit sind, sei jedoch falsch, so Bader. Grundsätzlich seien Städte von heftigen Sommergewittern mit Starkniederschlägen genauso betroffen wie andere Gebiete. In der Vergangenheit sei es immer wieder zu Starkregenereignissen mit Überschwemmungen gekommen. Bader erinnert an das Pfingsthochwasser im Mai 1999, das durch tagelange Starkniederschläge ausgelöst wurde und weite Teile des Zürichseeufers überflutete.

Fazit: Auch wenn die Prognosen von MeteoSchweiz auf einen weniger nassen Sommer hindeuten, bleibt die Gefahr von schweren Gewittern bestehen. Entsprechende Vorsicht ist in jedem Fall geboten. Das heisst: Während eines Gewitters blitzgefährdete Orte wie Bergkämme, Bäume, Masten oder Türme meiden, Schutz in Gebäuden oder im Auto suchen. Auch die Push-Meldungen der MeteoSchweiz-App helfen, rechtzeitig gewarnt zu werden.

Ein Restrisiko, im besten Fall nur etwas nass zu werden und im schlimmsten Fall in ein starkes Gewitter zu geraten, bleibt dennoch. Die Berner Meteorologin Fabienne Muriset schreibt dazu in ihrem Blog treffend: «Will man nicht völlig auf dem falschen Fuss erwischt werden, rechnet man vorsichtshalber mit der höchsten Eskalationsstufe und bereitet sich entsprechend vor.»

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