«Hello, I'm a Swiftie»

Menschen aus der ganzen Welt reisen nach Zürich, um Taylor Swift live zu sehen. Ihre Outfits schillern in der Sonne, während sie schon Stunden vor der Türöffnung vor dem Letzigrund Schlange stehen.

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Stunden vor Konzertbeginn treffen Taylor Swift Fans aus aller Welt vor dem Letzigrund aufeinander. (Quelle: Noëmi Laux)

«I love you, it's ruining my life

I love you, it's ruining my life

I touched you for only a fortnight

I touched you, I touched you»

In einer Bar, nur wenige hundert Meter vom Stadion entfernt, läuft «Fortnight» von Taylor Swift. Über dem Eingang eines Nagelstudios prangt in pinker Schrift «Taylor Swift Make-up». Menschen stehen Schlange, um sich auffrischen zu lassen.

Die Fans, überwiegend junge Frauen und Mädchen, sind gekleidet wie ihr Idol, wollen sich fühlen wie sie, sein wie Taylor Swift.

Elania, 24 aus Baden

«Ich bin ein Swiftie, seit ich sieben Jahre alt bin. Die meisten meiner Freund:innen sind auch Swifties. Ich war schon an mehreren Konzerten und habe so Fans aus der ganzen Welt kennengelernt. Heute bin ich mit einer Freundin aus den USA hier, die ich in Singapur kennengelernt habe. Es ist schwierig, in Worte zu fassen, was mich an Taylor Swift so fasziniert. Ich denke, man muss sich mit ihren Texten auseinandersetzen. Alle können sich irgendwie mit ihr identifizieren.»

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«Ich bin ein Swiftie, seit ich sieben Jahre alt bin.» (Quelle: Noëmi Laux)

Für die beiden Shows der «Eras»-Tour am Dienstag und Mittwoch in Zürich werden rund 96'000 Besucher:innen aus der Schweiz und dem Ausland erwartet. Vor rund zwei Wochen gab es das günstigste Zimmer in Zürich für 987 Franken pro Nacht, schreibt der Blick. Im Hotel Olympia, das nur 500 Meter vom Letzigrund entfernt ist, kostet die Juniorsuite für sechs Personen insgesamt 3050 Franken. Normalerweise kostet die Nacht etwas über 300 Franken.

Auch die umliegenden Restaurants dürften von Taylor Swifts Besuch in Zürich profitieren. Einige spielen ihre Musik und passen ihre Öffnungszeiten dem Event an. In einem Restaurant wird Sancerre ausgeschenkt, Swifts Lieblingswein.

Jamalla, 37 aus den USA

«Für mich war es günstiger, eine Woche Ferien in der Schweiz zu machen, als ein Ticket für eine Show in den USA zu kaufen. Die Shows in den USA sind innerhalb weniger Minuten ausverkauft und es gibt keinen Ticketschutz. Fans bezahlen teilweise mehrere tausend Dollar für ein Konzert.»

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«Für mich war es günstiger, eine Woche Ferien in der Schweiz zu machen, als ein Ticket für eine Show in den USA zu kaufen.» (Quelle: Noëmi Laux)

Auf dem Boden sitzen überwiegend Mädchen und junge Frauen, die sich die Zeit damit vertreiben, Selfies zu schiessen. Ein Mann ganz vorne in der Reihe sticht aus der Menge.

John, 41 aus Frankreich

«Ich entspreche nicht dem typischen Taylor Swift Fan, aber das spielt hier keine Rolle. Ich wurde deswegen noch nie dumm angemacht oder ausgelacht. Das ist mein erstes Taylor Swift Konzert. Ich bin mit einem Freund hier. Taylor Swift höre ich schon seit einigen Jahren. Ich kann gar nicht genau beschreiben, was es ist: Ihre Art, die Texte, sie als ganze Person. Ich freue mich einfach jedes Mal, wenn ich ein Lied von ihr höre.»

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«Ihre Songs berühren mich.» (Quelle: Noëmi Laux)

Gerade wird durch die Lautsprecher durchgegeben, dass die Eingänge für die Menschen mit einem VIP-Ticket frei sind. Die Fans sind vorbereitet: Sie sitzen teilweise seit Stunden in der Schlange, um einen Platz in der vordersten Reihe zu ergattern. Sie tragen bunte Outfits, überall Glitzer und viel Pink. «You look amazing», sagt eine junge Frau zu einer anderen im Vorbeigehen. Ihr blondes Haar ist drapiert, sie trägt einen eng anliegenden, schwarz-schillernden Overall und sieht Taylor Swift täuschend ähnlich.

An einem Stand werden Wasserflaschen verteilt, die Polizei ist mit einem Grossaufgebot vor Ort. Bis zum Konzertbeginn dauert es noch gute vier Stunden, dennoch werden die Eingänge bereits vom Sicherheitspersonal bewacht. Ein weitflächiges Gebiet rund um das Stadion Letzigrund ist seit Sonntag für Autos gesperrt, aber auch Fussgänger:innen können ohne Ticket nicht direkt neben das Stadion.

Linda, 26 aus Zürich

«Als Teenager war ich ein riesiger Taylor Swift Fan und es fühlt sich für mich gerade so an, als wenn ich zurück in meine Jugend versetzt worden wäre. Nur schon, dass ich mir Tage im Voraus überlegt habe, was für ein Outfit ich heute trage. Ich habe mich für den Country Look entschieden, weil Taylor Swift als Country-Girl bekannt wurde und es mich an die Zeit um 2010 erinnert.»

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«Es fühlt sich für mich gerade so an, als wenn ich zurück in meine Jugend versetzt worden wäre.» (Quelle: Noëmi Laux)

Julietta, 16 aus Kolumbien

«Keine andere Künstlerin berührt mich so sehr, wie Taylor Swift. Es fühlt sich an, als ob wir Freundinnen wären. Ich glaube, dass Taylor Swift eine sehr sensible Person ist, genau wie ich. Sie gibt mir das Gefühl, eine von uns zu sein. Mein Lieblingslied ist ‹Long Live›. Diesen Song hat sie für ihre Fans geschrieben und er zeigt, wie fest sie ihre Community liebt.»

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«Keine andere Künstlerin berührt mich so sehr, wie Taylor Swift.» (Quelle: Noëmi Laux)

Die ersten Fans sind bereits im Stadion, das Konzert beginnt in rund zwei Stunden. Etwas abseits sitzen zwei Mädchen mit ihrer Mutter im Schatten und warten, bis sie rein dürfen. Die ältere der beiden drückt ihrer Schwester eine pinke Paillette ins Gesicht, die sich durch die Hitze und den Schweiss gelöst hat. An ihren Handgelenken tragen sie bunte Armbänder, die sie später am Konzert mit anderen Swifties tauschen werden. 

Christiane, 15 und Jessica, 8 aus Basel

«Als wir vor einem Jahr die Tickets gekauft haben, begannen wir, die Bändchen zu basteln. Es ist eine Tradition, dass wir Swifties diese an Konzerten untereinander austauschen. Seit Tagen läuft bei uns zu Hause nur Taylor Swift, in unserem Zimmer hängen viele Poster. Unser Bruder mag ihre Musik weniger, er nervt sich eher, dass wir so Fans sind.»

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«Unser Bruder mag ihre Musik weniger, er nervt sich eher, dass wir so Fans sind.» (Quelle: Noëmi Laux)

Mittlerweile ist es kurz vor 18 Uhr, gerade hat die US-amerikanische Alternative-Rock-Band Paramore, das Konzert als Vorband eröffnet. Die letzten Fans zeigen ihre Tickets und werden vom Sicherheitspersonal abgetastet. Stundenlanges Warten bleibt diesen Fans erspart, dafür müssen sie sich mit einem Platz in den hinteren Reihen begnügen. 

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