Fussball-WM 2026: AL will Public Viewings in Zürich verbieten
Als Protest gegen die Trump-Administration und die Fifa fordert die AL ein Verbot von Public Viewings der Fussball-WM auf öffentlichem Grund. Die gleiche Forderung hatte der Gemeinderat bereits vor vier Jahren bei der WM in Katar durchgesetzt.
Die Alternative Liste (AL) zieht eine klare Linie: Public Viewings der Fussball-Weltmeisterschaft 2026 sollen in Zürich keinen Platz haben. Weder auf öffentlichem Grund noch mit städtischer Unterstützung. Das verlangt die Partei in einem Postulat, das am Mittwoch im Gemeinderat eingereicht wurde.
Die WM, die in den USA, Kanada und Mexiko stattfindet, diene der Imagepflege der Fifa und der Austragungsländer, heisst es im Vorstoss. Mit dem Verbot solle die Stadt besonders ihren «Protest gegen die Durchführung der Weltmeisterschaft unter den aktuellen menschenrechtsunwürdigen Zuständen in den USA zum Ausdruck bringen».
Tanja Maag, Co-Fraktionspräsidentin und Stadtratskandidatin der AL, sagt auf Nachfrage: Das politische System unter Donald Trump entwickle sich zunehmend in eine autoritäre Richtung. Das würden die jüngsten Verletzungen der Rechte von Migrant:innen sowie die zwei Ermordungen durch die US-Einwanderungsbehörde ICE zeigen. «Wir dürfen das in keiner Weise unterstützen», sagt sie.
Bereits 2022 gab es ein Verbot
Dass dadurch auch Spiele, die in Kanada und Mexiko ausgetragen werden, nicht gezeigt werden können, nimmt die Partei in Kauf. Ein symbolischer Akt sei nach dem Turnier in Katar erneut nötig – auch gegen die Fifa. Der Weltfussballverband habe sich nie glaubwürdig von Vorwürfen wie mangelnder Transparenz und Korruption gelöst, sagt Maag.
Zuletzt geriet der Verband wegen der Vergabe des «Friedenspreises» an Donald Trump in Kritik. Beobachter:innen weisen zudem seit längerem auf die enge Verflechtung von Politik und Weltfussballverband hin.
Selbst der ehemalige Fifa-Chef Sepp Blatter unterstützt Boykottforderungen der kommenden WM. Er repostete auf der Plattform X ein Zitat des Korruptionsexperten Mark Pieth aus einem Interview mit dem Tages-Anzeiger: «Für die Fans gibt es nur einen Ratschlag: Bleibt den USA fern.» Blatter schrieb dazu, Pieth habe recht damit, das Turnier grundsätzlich in Frage zu stellen.
Die AL hat von der Stadt schon öfters gefordert, klare Kante gegen die Fifa zu zeigen. Vor vier Jahren hatte sie einige Wochen vor dem Turnierstart in Katar bereits ein sehr ähnliches Postulat eingereicht. Damals fand das Anliegen im Gemeinderat breite Unterstützung, auch über das linke Lager hinaus bei der GLP und Mitte/EVP-Fraktion.
Die Stadt entschied daraufhin wenige Tage vor Turnierbeginn, auf das Anliegen einzugehen und Public Viewings auf städtischem Grund zu verbieten. Da die WM jedoch im November stattfand, blieb die praktische Wirkung begrenzt: Lediglich zwei Personen hatten ein Public Viewing für rund 800 Personen im Kreis 4 beantragt, erhielten dafür aber keine Bewilligung.
Stadt will sich noch nicht äussern
Die WM 2026 findet wieder im Sommer statt. Entsprechend ist damit zu rechnen, dass deutlich mehr Gesuche für Public Viewings auf Plätzen und in Parks eingereicht werden. Wie die Stadt damit umgehen wird, ist allerdings offen – selbst wenn das Parlament dem Postulat zustimmt.
Denn dabei handelt es sich lediglich um einen Prüfauftrag. Heisst: Auch wenn der Gemeinderat ein Verbot fordert, könnte sich der Stadtrat dagegen entscheiden. Das dafür zuständige Sicherheitsdepartement will sich noch nicht zum Vorstoss äussern, wie eine Sprecherin auf Anfrage schreibt.
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Studium der Politikwissenschaft und Philosophie. Erste journalistische Erfahrungen beim Branchenportal Klein Report und der Zürcher Studierendenzeitung (ZS), zuletzt als Co-Redaktionsleiter. Seit 2023 medienpolitisch engagiert im Verband Medien mit Zukunft. 2024 Einstieg bei Tsüri.ch als Autor des Züri Briefings und Berichterstatter zur Lokalpolitik, ab Juni 2025 Redaktor in Vollzeit. Im Frühjahr 2025 Praktikum im Inlandsressort der tageszeitung taz in Berlin.