Meinungs-Mittwoch: Wir brauchen mehr Tampons in Bars

Let’s talk about menstruation, baby! Tsüri.ch-Redaktorin Nina Vedova regt sich über das Tabuthema «Periode» und die «Tamponsteuer» auf. Weshalb sie trotzdem ganz viel Liebe zu verschicken hat, liest du in diesem Meinungs-Mittwoch.
26. September 2018

Für meine Periode schäme ich mich nicht. Denn es ist das Natürlichste der Welt. Doch im Leben jeder Frau* kommt der Moment, in dem man panisch nach der Mutter ruft, und es im nächsten Moment gleich wieder bereut. Weil es einem peinlich ist. Peinlich, mit einem Elternteil über diese Sache zu reden, oder peinlich, diese Sache zu bekommen: Menstruation, Tagen, Regel, Periode oder Besuch der Tante Rosa. Dies musste ich über die Jahre meines bisherigen Lebens lernen: Du kannst dich wegen vielem schämen, aber definitiv nicht wegen deiner Tage.

In diesem Meinungsmittwoch soll es jetzt aber nicht darum gehen, dass jede Frau* offen mit ihrer Periode umgehen, darüber sprechen oder mit ihrem Blut Kunst machen sollte, wenn sie es möchte. Nein, es geht um das passende Accessoir der Regel. Tampons, Binden, Cups oder gar nichts.

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Genau so mysteriös und bünzlihaft, wie mit der Monatsblutung umgegangen wird, wird auch das passende Zubehör behandelt. Die vermeintlich ungehörigen Watteprodukte werden heimlich in der Hand- oder Hosentasche auf die Toilette geschmuggelt oder wie illegale Substanzen in einem Nachtclub von Frau* zu Frau* weitergereicht. Hier gilt ein ungeschriebener Kodex unter Frauen*: Man hilft sich gegenseitig aus.

Doch was machst du, wenn du unerwartet deine Tage kriegst? Wenn du wie ich katastrophal im Planen bist? Panisch rennst du auf die nächste Toilette, um aus Toilettenpapier eine Notlösung zu basteln, doch dann leuchtet dir wie ein heiliger Gral eine Schachtel entgegen. Hat jemand seine Tampons liegen gelasse? Nein!

Es ist ein Körbchen, gefüllt mit Tampons und Binden. Erleichtert, nicht den ganzen Tag mit Toilettenpapier in der Unterhose rumlaufen zu müssen, greifst du zu. Doch von wem stammt diese kleine Aufmerksamkeit? Von dem Ort, auf dessen Toilette du dich gerade befindest.

Restaurants, Bars, Hotels oder andere Institutionen, die auf der Damentoilette gratis Tampons anbieten, nenne ich auch einfach ganz simpel «geili Mänsche». Denn ich wäre schon etliche Male froh gewesen, wenn dies mehr Betriebe anbieten würden und damit bin ich wahrscheinlich nicht die einzige Person.

Es ist erstaunlich, dass Restaurants, Bars oder andere Betriebe ein solches Luxusgut anbieten. Denn dies muss interne Kosten zufolge haben. In der Schweiz werden Artikel des täglichen Gebrauches mit dem reduzierten Steuersatz (Mehrwertsteuer) von 2,5 Prozent besteuert, dies sind Dinge wie Grundnahrungsmittel, Vogelsand oder Viagra. Hingegen werden Hygieneartikel wie Tampons oder Binden mit dem normalen Steuersatz von 7,7 Prozent (seit 1. Januar 2018) besteuert und gehören dementsprechend zu den Luxusgütern – ganz im Gegensatz zum oben genannten Viagra.

Das ist ziemlich beschissen, denn unsere Periode schmerzt nicht nur im Unterleib, sondern auch unserem Portemonnaie. Im Durchschnitt bekommt jede Frau* in ihrem Leben über 400 mal ihre Periode. Bei kurzem Nachrechnen bemerkt man, dass bei einem durchschnittlichen Preis von 5 Franken pro Tamponpackung eine Frau* in ihrem Leben also über 2000 Franken für die wattigen Acessoires ausgibt.

Umso mehr gilt es, jenen Betrieben, die ihren Mitarbeitenden und Gästen Hygieneartikel gratis zur Verfügung stellen, einen goldenen Tampon zu verleihen (falls es eine solche Auszeichnung geben würde). Über diese kleine, aufmerksame Geste wäre jede Frau* schon mal froh gewesen. Ausserdem zeigen solche Massnahmen, dass eine Entabiurisierung des Themas stattfindet, was der Welt nur Gutes bringen kann. Also an alle Betriebe, die dies schon tun: Macht weiter so! Ganz viel Liebe für euch. An alle, die es nicht tun, denkt mal darüber nach, ob ihr Bock hättet in eure Unterhose zu bluten, weil ihr vergessen habt, etwas einzupacken.

Titelbild: zvg

Redaktorin

Diese Lokale verdienen den goldenen Tampon!

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