10 Gründe, sich einen Mooncup anzuschaffen

Sexkolumnistin Miriam Suter erklärt, warum der Mooncup besser als Tampons ist.
10. Juli 2017

Ich hatte schon als Kind eine ausgeprägte Faszination für alles, was irgendwie mit Körper zu tun hat. Wunden zum Beispiel. Im Kindergarten war ich ein kleiner Wildfang (kann ja nicht anders sein mit Pippi Langstrumpf als spirit animal) und hatte praktisch immer aufgeschlagene Knie oder blaue Ellenbogen. Für mich am spannendsten war, den Heilungsprozess möglichst lange hinauszuzögern und die Rife immer wieder abzukratzen. Ich glaube, ich war damals schon davon fasziniert, dass Blut aus meinem Körper kommt, wie das aussieht, riecht, schmeckt.

Meine erste Periode war deshalb auch nichts, was mich ekelte, im Gegenteil. Ich bekam sie passenderweise in den Sommerferien mit meiner Familie im Tessin mit eigenem Pool, 32 Grad Aussentemperatur und dem unbändigen Verlangen nach Abkühlung im Wasser. Mein Mami, deren Erziehung schon immer einen leichten Hippie-Vibe hatte, beruhigte mich. Ich soll einfach einen Tampon nehmen, dann klappt das auch mit dem Baden und noch heute erinnere ich mich, was sie vorher zu mir gesagt hat: «Das isch ned gruusig, das isch diis!». «Miis», meine Vagina. Meine erste Begegnung mit einem Tampon fand also auf einer Toilette in Ascona statt, die Füsse nass vom Chlorwasser und kalt vor Aufregung. Und die Begegnung war keine gute: Das tut irgendwie weh, ich check nicht ganz, wohin das Ding geht, bis wohin soll es überhaupt und wie krieg ich das wieder raus? Kurz: Ich fand Tampons von Anfang an scheisse. Das fühlte sich irgendwie unpersönlich an, ein Wattepfropfen, der neben dem Blut auch alle sonstige Flüssigkeiten aufsaugt und den ich danach entsorge, ohne richtig mitzukriegen, was da in meinem Körper gerade abgeht. Trotzdem habe ich jahrelang Tampons benutzt – auch, weil ich Binden noch unangenehmer zu tragen finde. Bis ich vor zwei Jahren beschlossen habe, auf den Mooncup umzusteigen. Das ist eine Menstruationstasse aus Silikon, welche das Blut auffängt und nach Gebrauch in die Toilette entleert und wieder eingesetzt wird. Am Ende jedes Zyklus’ kocht man den Mooncup zum Desinfizieren aus.

Seit ich meinen Mooncup lieben gelernt habe, ist meine Periode nicht nur angenehmer, sondern auch spannender. Und ganz nebenbei hat sich mein Körpergefühl verbessert. Bei den meisten meiner Freundinnen stösst die Tasse übrigens noch auf grosse Abneigung, mancherorts sogar auf Ekel. Was ich sehr schade finde, aber fair enough, auch ich wurde ja nicht von heute auf morgen zum happy Mooncupper. Und ja, es braucht ein bisschen Übung – beim ersten Entfernen dachte ich, ich ende auf der Notaufnahme – aber es lohnt sich.

Deshalb hier meine 10 Gründe, sich diese Sache mal genauer anzuschauen.

1. Cold hard cash

Gehen wir davon aus, dass ein Mensch ungefähr 38 Jahre lang einen Menstruationszyklus hat, sind das zusammen 6,25 Jahre Bluten am Stück. Und wer eine Periode hat, gibt während dieser Zeit massig Geld für Tampons und Binden aus. Dazu können je nach dem Kosten für Schmerzmittel, neue Unterhosen und Wärmepads kommen. Ein Mooncup kostet einmalig zwischen 20 und 50 Franken und begleitet einen bei korrekter Pflege bis zu zehn Jahre. Man mache die Rechnung und merke: Das lohnt sich!

2. Less trash y’all

Tampons und Binden wandern nach dem Benutzen in den Abfall. Ein Mooncup nicht. Und wir wollen doch alle ein bisschen grüner sein, oder?

3. Ein Mooncup kann länger

Eine Menstruationstasse kann, je nach Stärke der Periode, bis zu 12 Stunden in der Vagina bleiben. Ich kenne keinen Tampon, der das aushält.

4. Keine Chance für Bakterien

Der Mooncup sammelt das Blut anstatt es aufzusaugen und verursacht durch das Silikon keine Trockenheit. Tampons hingegen nehmen neben Blut auch Vaginalflüssigkeit auf, was dazu führt, dass die Flora austrocknet und zum idealen Nährboden für Bakterien wird. Scheidenpilz ahoi!

5. Bleibt geschmeidig

Eine ausgetrocknete Vagina macht auch ohne Infektion keinen Spass. Sie führt auch dazu, dass Sex weniger Spass macht und die Penetration schmerzhaft sein kann. Uncool, muss nicht sein, noch ein Grund, Tampons endgültig tschüss zu sagen.

6. One size fits all

Im Laufe meiner Periode brauchte ich früher bis zu drei verschiedene Grössen Tampons, je nach Stärke der Blutung. Dem Mooncup ist egal, wie stark ich blute, ich muss ihn einfach am Anfang der Periode öfter wechseln als Gegen Ende.

7. Weniger Auslaufen

Der Mooncup bildet bei korrekter Anwendung in der Vagina ein Vakuum. Auslaufen ist damit fast nicht möglich. Ganz im Gegensatz zum Tampon.

8. Keine Chemikalien

Die meisten Tampons bestehen aus chemisch gebleichter Baumwolle. Diese Stoffe können sich auch in der Vagina absetzen. Creepy much?

9. Weniger Schmerzen

Seit ich einen Mooncup benutze, habe ich weniger Krämpfe und Schmerzen während der Periode. Ich kann nicht genau sagen, womit das zu tun hat. Vielleicht damit, dass sich das Silikon weicher und angenehmer anfühlt als Watte.

10. Feelin’ myself

Wie bereits erwähnt, finde ich es super, wenn ich beobachten kann, was in meinem Körper vor sich geht. Dank dem Mooncup kann ich sogar sehen, wie sich das Menstruationsblut im Laufe des Zyklus’ verändert. Ich finde es wunderbar zu sehen, wie mein Körper funktioniert, was er alles kann und die Menstruation gehört da einfach dazu. Mein Mooncup hat einen grossen Teil dazu beigetragen, dass meine Blutung nicht mehr ein anonymer Teil meiner Körperfunktionen ist, die beschämt abgehandelt werden muss.

Menstruationstassen gibt es in unterschiedlichen Formen und Grössen und von verschiedenen Anbietern. Meiner ist dieser hier.

Dieser Text ist der zweite Teil der feministischen Sexkolumne auf Tsüri.ch. Im Juli und August wechseln sich die Autorinnen Maaike Kellenberger und Miriam Suter in je fünf Folgen mit ihren Ausführungen zu den Themen Sexualität, Feminismus und allem, was dazu gehört, ab.

Teil 1: Die Zukunft masturbiert. Und sie tut es gekonnt

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