Food Waste wächst auch auf deinem Müll

Verluste verringern und Verschwendung stoppen – für die Menschen und die Umwelt. Food Waste ist trotz des ökologischen Bewusstseins immer noch ein Problem in der Schweiz.
24. August 2018

Heutzutage pflanzen die wenigsten Menschen noch selber Gemüse an oder melken Kühe für ihren morgendlichen Kaffee. Da sich unsere Gesellschaft in einem stetigen Wandel befindet, haben Supermärkten und Discountern das Konzept des Selbstverorgers abgelöst.

Doch wer kennt es nicht? Du gehst für eine Woche einkaufen und bist schlussendlich doch nie Zuhause. Das Resultat: Ein Grossteil deines Einkaufs landet im Müll. Auch bei den meisten Supermärkten fliegen die überschüssigen Lebensmittel in den Mülleimer. Eine Studie vom Kanton Zürich zeigt auf, wie viele Lebensmittel genau im Abfall enden. Ein Drittel der produzierten essbaren Güter in der Schweiz finden nie ihren Weg auf einen Teller. Allein im Haushalt verschwendet jede einzelne Person 90-135 Kilogramm pro Jahr. Das heisst, im Ganzen sind es in der Schweiz 2,5 Millionen Tonnen weggeworfene Lebensmittel pro Jahr. In Tagen gerechnet, verschwendet jeder von uns circa 320 Gramm Lebensmittel pro Tag, was fast einer ganzen Mahlzeit entspricht.

Ein Drittel alles Lebensmittel verschwinden im Mülleimer. (Studie vom Kanton Zürich)

Folgen von Food Waste

Was daran schlimm ist? Food Waste hat nicht nur die Folge, dass eigentlich noch gute Lebensmittel im Müll landen. Nein, es gibt noch weitere Folgen, die uns alle betreffen. So wird zum Beispiel eine Fläche des gesamten Kanton Zürichs für die Anpflanzung der verschwendeten Lebensmittel benötigt. Durch das Wegwerfen der Lebensmittel steigt automatisch auch die Nachfrage. Durch dies werden die Preise auf dem Weltmarkt erhöht und du musst schlussendlich mehr zahlen. Mit Food Waste verschwenden wir Ressourcen, die auf unserem Planeten nur begrenzt vorkommen. Durch die Lebensmittelproduktion wird pro Person in der Schweiz täglich eine ganze Badewanne an Wasser verschwendet. Und nicht nur, dass wir die Ressourcen unserer Mutter Erde verschwenden. Durch das Wegwerfen von Lebensmittel erzeugen wir den gleichen CO2-Ausstoss wie 25 Prozent aller Autos in der Schweiz.

Zwei Kisten mit noch intakten Lebensmitteln aus dem Container (Foto: Nina Vedova)

Ebenfalls wird durch den erzeugten Food Waste die Ungleichheit zwischen den Menschen auf unserem Planeten grösser: Während in der Schweiz Lebensmittel weggeworfen werden, leiden eine Milliarde Menschen auf der Welt an Hunger und zwei Millionen sind mangelernährt. Und zu guter Letzt leidet auch unser Geldbeutel unter Food Waste, weil du jährlich 1’000 Franken für Lebensmittel ausgibst, die du schlussendlich in den Müll wirfst.

Jährlich wirfst du 1’000.- Franken in den Müll (Foto: Nina Vedova)

Detailhandel

Genau so wie sich unser Einkaufsverhalten veränderte, hat sich auch unsere Denkweise verändert. Der Mensch entwickelte über die Jahre ein ökologisches Bewusstsein und dir ist mittlerweile nicht mehr egal, wenn jemand den Müll nicht trennt oder ins Meer wirft. Trotzdem existiert Food Waste. Doch das Problem beginnt nicht beim Wegwerfen, sondern bei der Nachfrage und den darauffolgenden Bestellungen. Deshalb hat Tsüri.ch bei den Grosshändlern nach den weggeworfenen Lebensmittel nachgefragt.

Noch essbare Reste, die zur Abholung für die Entsorgung bereit stehen. (Foto: zvg)

Aldi-Pressesprecher Philippe Vetterli entgegnet auf die Frage, wie sie konkret Lebensmittelabfälle verhindern: «Artikel, welche noch nicht abgelaufen sind, werden je nach Warengruppe und Restbestand mit einem Rabatt abgegeben.»

Denner greift dabei auf die gleiche Massnahme zurück und reduziert die Preise. «Die Rabattkleber sind in grün gehalten mit dem Aufdruck: Save Food – Lebensmittel sind wertvoll», sagt Pressesprecher von Denner Thomas Kaderli.

Doch welche beiden Grossverteiler sind mehr in der Schweiz verankert als Migros und Coop. «Bei der Migros sind wir darauf bedacht, die Verluste so gering wie möglich zu halten und steuern das Angebot, so dass es bestmöglichst der Nachfrage entspricht», sagt Christoph Frei Leiter Corporate Communications + Kulturprozent der Migros. «Das enge Zusammenspiel zwischen Landwirtschaft, Verarbeitung und Logistik, gepaart mit einem ausgeklügelten Bestellsystem ermöglichen eine präzise Sortimentsplanung, damit der allergrösste Teil der Lebensmittel zum regulären Preis verkauft und Überschüsse vermieden werden können». Auch die Zahlen der der gesamten Migros zeigen auf, dass sich die Bemühungen lohnen: 98,6 Prozent der Lebensmittel, welche die Migros 2017 angeboten hat, wurden verkauft oder abgegeben.

Doch dass unsere Gesellschaft sehr visuell orientiert ist, hilft auch nicht. Vor allem bei Früchten und Gemüse im Offenverkauf zeigt sich dies sehr deutlich. «Die Kundschaft greift meist intuitiv nach den schönsten Produkten, nicht ganz makellose Ware bleibt tendenziell eher liegen. Das ist leider einfach so», sagt Christoph Frei.

Coop setzt dabei auf ein ganz eigene Präventionsmassnahmen. «Wir haben die Vielfalt der Verpackungsgrössen der demografischen Entwicklung angepasst», sagt Ramón Gander, Mediensprecher von Coop. «Damit ermöglichen wir den Kunden, die Portionengrösse zu kaufen, die sie benötigen».

Lebensmittel, die kurz vor dem Ablauf stehen, werden von allen Händler*innen, grösstenteils karitativen Organisationen und Vereinen zur Verfügung gestellt. Gibt es dennoch organische Restmengen, werden diese meist über Biogas-Anlagen oder Restmüll entsorgt.

Mülleimer voller Essen bei einem Grossverteiler (Foto: zvg)

Es liegt in unserer Natur, dem Erstbesten die Schuld zu geben, doch von den zwei Millionen einwandfreier Lebensmittel die pro Jahr weggeworfen werden, stammt nicht alles von den Detailhändler*innen. Fast die Hälfte der Nahrungsmittel (45%) wird von privaten Haushalten weggeworfen. Pro Kopf und Tag bedeutet das fast eine ganze Mahlzeit. Weiter geschätzte 43 Prozent fallen in der Landwirtschaft und der Verarbeitung an. Der Detailhandel ist schlussendlich für etwa 5 Prozent des Food Waste verantwortlich.

Der Detailhandel wirft nicht am meisten Müll weg. Schlimmer sind die privaten Haushalte. (Studie vom Kanton Zürich)

Somit sind nicht nur Grossverteiler und Gastronomie daran Schuld, dass in der Schweiz Essen weggeworfen wird. Ein Grossteil des Lebensmittel, die im Müll landen, stammen aus unserem Haushalt. Dementsprechend ist es nicht nur Sache der Supermärkte, ihren Einkauf und Wegwurf zu überdenken und zu optimieren, sondern auch ein persönliches Anliegen.

In der Stadt Zürich werden jeden Tag in den verschiedensten Sektoren Essen weggeschmissen. Sei es in der Gastronomie nach einem Bankett, in der Verarbeitung für die Supermärkte oder hauptsächlich in deinem Haushalt. Es gibt in unserer Herzensstadt auch diverse Einzelpersonen, Organisationen, Apps und Läden, die sich gegen die Verschwendung wehren. Dabei werden die verschiedensten Methoden angewendet wie zum Beispiel Containern, reduzierte Preise oder Quartierdepots. die Menschen müssen ihr Konsum und Einkaufsverhalten ändern, da der meiste Waste nicht wie erwartet bei den Grossverteilern entsteht, sondern im eigenen Haushalt. Doch was du alles genau gegen Foodwaste unternehmen kannst und welche Optionen dir in Zürich angeboten werden erfährst du hier.

Müllsäcke voller noch essbarer Lebensmittel auf den Strassen in Zürich (Foto: Nina Vedova)

Titelbild: Flickr | Taz | CC BY 2.0

Redaktorin

Jetzt kostenlos abonnieren

Tsüri-Mail

Trage dich hier für den Newsletter ein.

Diese Rubriken interessieren mich:
<

Whatsapp

Jetzt auf dem Laufenden bleiben. Unser Whatsapp-Channel sendet dir die neusten Beiträge direkt auf dein Handy

Klickte auf den Button, speichere unsere Nummer und sende das Wort «Start» an uns. Schon geht's los.

Facebook-Messenger

Jetzt auf dem Laufenden bleiben. Unser Facebook-Channel sendet dir die neusten Beiträge direkt auf dein Handy

Klickte auf den Button und sende das Wort «Start» an uns. Schon geht's los.

Telegram

Jetzt auf dem Laufenden bleiben. Unser Telegram-Channel sendet dir die neusten Beiträge direkt auf dein Handy

Klicke auf den Button. Schon geht's los.

Member reden mit: Bewerte hier diesen Beitrag mit 1 bis 5 Punkten und entscheide so über das Honorar für den / die Journalist*in mit.
Bewertung löschen

Kommentare

Willst du unabhängigen Journalismus?

Tsüri.ch steht für unabhängigen & engagierten Journalismus und setzt sich für eine offene, fröhliche, tolerante und ökologische Gesellschaft ein. Mit deiner Unterstützung können wir das auch in Zukunft tun.

Mit nur 5.-/Monat bin ich dabei
Einloggen und zurück zum Artikel
Gerade nicht