NachtStadtrat: «Wir suchen Frauen, die sich mit uns engagieren!»

Eine Gruppe Männer setzt sich für alle und alles ein, was mit dem Nachtleben zu tun hat. Doch sie haben ein Problem: Zu wenige Frauen wollen sich engagieren. Dies soll sich jetzt ändern. Nachtstadtrat Luca Rey beantwortet im Interview die Fragen von Simon Jacoby.
24. September 2018

Hallo Luca Rey, der Nachtstadtrat ist eine Lobby-Organisation für das Nachtleben...

Luca Rey: (Unterbricht) ...Naja, der Begriff «Lobby» ist für mich etwas negativ konnotiert. Wir vertreten keine einzelnen Institutionen, sondern alle Akteur*innen im Nachtleben, und auch all jene, die in der Nacht unterwegs sind.

Da geht es dann viel um Musik, Tanzen, Ekstase, Kunst und natürlich ums Flirten und ein einigermassen ausgewogenes Geschlechterverhältnis. Warum wollt ihr keine Frauen im Vorstand?

Das stimmt nicht! Wir suchen explizit Frauen, die sich mit uns engagieren! Im Nachtleben gibt es grundsätzlich weniger Frauen als Männer, das ist schade. Nicht nur die Konsumentinnen sind in der Minderheit, sondern auch die Arbeitnehmerinnen, Organisatorinnen und Künstlerinnen.

Warum ist das so?

Puh, da gibt es vermutlich verschiedene Aspekte. Erstens haben Männer, wenn sie nachts berauscht sind, die Tendenz, Dinge zu machen, die Frauen vielleicht abschrecken. Damit meine ich nicht nur Übergriffe, sondern allgemein unangenehme Situationen und Machtspiele mit dem Potenzial für Gewalt.

Natürlich sind unabhängig vom Geschlecht alle Menschen willkommen!

Zweitens?

Es ist sicher auch historisch bedingt, weil Männer schon früher selbstständig auf der Gasse waren und die Geschlechtertrennung allgemein noch viel stärker war. Vielleicht ist die weibliche Untervertretung in der Nacht noch ein Überbleibsel aus dieser Zeit. Als Folge davon tendieren Männer dazu, Aufgaben und Jobs unter Männern weiterzugeben. Einfach, weil sie es gewohnt sind, das ist unterschwellig chauvinistisch. Dies wollen wir ändern.

Bis vor Kurzem war Isi von Walterskirchen Präsidentin des Vereins, vielleicht hättet ihr sie anflehen sollen, damit sie euch nicht verlässt.

Den Nachtstadtrat gibt es nun schon eine Weile und befindet sich immer noch in der Aufbauphase. Isi hat alles schön aufgegleist, verfolgt aber auch andere Engagements, in welche sie nun wieder mehr investieren möchte.

Nun wollt ihr am Dienstag mit einem Event wieder Frauen für euren Vorstand begeistern.

Ja, wir wollen das Nachtleben repräsentieren und suchen darum Menschen aus den verschiedenen Szenen und Wirkungsbereichen. Um die Diversität des Nachtlebens vertreten zu können, suchen wir nach Frauen, die mitwirken und sich engagieren wollen. Natürlich sind unabhängig vom Geschlecht alle Menschen willkommen und wir freuen uns sowohl über neue Nachtstadträtinnen als auch über neue Nachtstadträte.

Was erhofft ihr euch von den neuen Frauen?

Die Frauen sind untervertreten, das muss sich ändern. Inhaltlich wird sich dadurch kaum viel ändern. Das Thema Diversität ist uns allgemein sehr wichtig und wir wollen es häufiger auf der Agenda haben. Wir erhoffen uns davon auch einen positiven Teufelskreis, eine Sogwirkung. Um dies zu beschleunigen, sind wir zum Beispiel auch mit dem Frauen Kollektiv Les Belles des Nuits im Kontakt.

Ich verstehe die Arbeit des Nachtstadtrates noch nicht ganz. Angenommen, ich würde bei euch mitmachen wollen, müsste ich eine Polit-Lobby-Ausbildung und Clubbing-Erfahrung mitbringen?

Nein, gar nicht. Grundsätzlich dürfen alle mitmachen, die nachtaktiv sind; auch wenn nur als Konsument*in. Wer von etwas betroffen ist, das in der Nacht geschieht, ist qualifiziert, bei uns mitzumachen. Wir suchen nicht nur nach Menschen aus dem Partybereich!

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg!

Titelbild: CC0 / Joshua Rawson-Harris on Unsplash


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