«Lila.18» zelebriert zum zweiten mal die queere Kultur

Das queere Kultur- und Musikfestival «Lila» geht vom 12. bis am 14. Oktober in die zweite Runde. Das Programm in der Photobastei reicht von einer Berliner Rapperin, über die Koryphäen der Zürcher Drag-Szene bis hin zum intimen Bastel-Workshop. Diese 8 Höhepunkte darfst du nicht verpassen.
08. Oktober 2018

Die Milchjugend bezeichnet sich als «Jugendorganisation für lesbische, schwule, bi, trans* und asexuelle Jugendliche und für alle dazwischen und ausserhalb». Sie setzt sich seit mehreren Jahren für die junge LGBTQIA*-Community der Schweiz ein. Dieses Jahr organisiert die Milchjugend zum zweiten Mal das dreitägige Kultur- und Musikfestival «Lila.18». Neben der Pride ist dies eines der Highlights des Jahres für queere Kultur. Wie immer sind auch alle ausserhalb dieser Community willkommen, denn Akzeptanz basiert auf der Offenheit beider Seiten.

Dank Sponsoren erhalten unter 20-Jährige ein Festival-Ticket für Freitag bis Sonntag bereits zum Preis von 25 Franken – eine Seltenheit in der Hochpreis-Party-Stadt Zürich. Wer älter ist, zahlt das Doppelte. Das ist in der Tat ein rechter Batzen. Deshalb schlagen wir dir hier ein Programm vor, bei dem du die Höhepunkte der drei Festivaltage nicht verpasst.

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1. Sookee (Freitag 21:15)

«Patriarchalische Strukturen gibt es zwar überall, im Rap werden sie nur eben besonders deutlich», steht auf Sookees Webseite. Die queer-feministische Rapperin ist eine der bekanntesten im deutschsprachigen Raum. Sie wählt nicht den einfachen Weg, sondern thematisiert ausgerechnet im Rap Themen wie Sexismus oder fehlende geschlechtliche und sexuelle Diversität. So hat sie sich in linken Kreisen über die Jahre einen Namen gemacht. Seit 2003 rappt und spricht die Berlinerin über Politik und Queerfeminismus, um festgefahrenen Rollenbildern und kapitalistischen Statussymbolen entgegenzuwirken. Fürs lila.18 macht die Queer-Rap-Legende einen kurzen Abstecher in die Schweiz.

2. Vicky Goldfinger (Freitag 22:30) & Milky Diamond (Samstag 23:15)

Wer an der Zürcher Langstrasse ausgeht, ist bestimmt schon einmal einer der beiden Schönheiten gegenübergestanden. Nicht umsonst bezeichnen sie sich als «Enfant terrible» und «Nightlife Personality». Während Milky Diamond in ihrer neuen Show «Queen of the Scene» Rap mit Geigen, Manga mit Techno und Fiktion mit Realität mischt, zeigt Vicky Goldfinger in ihrem neuesten und bisher schlüpfrigsten Programm, wie’s im Liebesleben der Zürcher Drag Queen zur Sache geht. Die blondeste Bombshell der Schweiz entführt das Publikum in ihr Schlafzimmer und erzählt in einer musikalischen Penetrationsstunde schamlos von ihren sexuellen Eskapaden.

3. Homoslap & Akrobat DJ Set (Freitag 00:00-03:00)

Auf Instagram nennt er sich @Afrohomo. Er ist die eine Hälfte des DJ-Duos Homoslap & Akrobat. Kieron Jina gehört zu den kontroversesten Performancekünstlern Südafrikas. Seine Kunst erzählt persönliche Geschichten, erforscht soziale Themen und hinterfragt Stereotypen. Am Freitagabend heizt er euch drei Stunden lang auf der Tanzfläche ein. Er bringt Tracks, die du nicht schon x-mal gehört hast!

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4. Intimes Basteln (Samstag 14:15)

Wer sich für Klitoris-Graffitis oder Sextoy-Workshops interessiert, ist hier genau richtig. Du kannst wunderbare queere Halsketten mit «Vulva-, Penis- oder anderen Körperteil»-Anhängern basteln. Stelle deine Fingerfertigkeit mal wieder anderweitig auf die Probe. ;)

Le Clit – Dieses Klitoris-Graffiti war überfällig
Ich war an einem Sextoy-Workshop und habe mir einen Buttplug gebastelt

5. Voguing Workshop w/Ivy Monteiro (Samstag 16:00)

Wenn du am Abend am Ballroom (eine Performance zwischen queerer Modenschau und Drag Race) über den Laufsteg gehen möchtest, ist dies die perfekte Vorbereitung: Als Kunstfigur Tropikahl Pussy hat sich der Tänzer und Künstler Ivy Monteiro in der Zürcher Szene schnell einen Namen gemacht. Bei diesem Workshop bringt er dir nicht nur die Techniken des Tanzstils Voguing bei, sondern erklärt dir auch mehr über die Entstehung der Voguing-Kultur, welche in den 80er Jahren in der Ballroom-Szene der homosexuellen Subkultur New Yorks entstand und von Transmenschen und queeren People Of Color geprägt wurde. Dieser Kurs bei Ivy ist ein Geheimtipp, den du nicht verpassen solltest.

6. Holy Animal Mini Ball (Samstag 19:45)

Der Ballroom hat seinen Ursprung in der queeren Underground-Szene New Yorks und ist irgendwo zwischen queerer Modenschau und Drag Race angesiedelt. Ballrooms sind bekannt für Kategorien mit schrägen Namen. So auch am Lila: «baby mammal first time in drag» oder «sex sirena real animal realness». Beim «holy animal mini ball» erhalten auch Anfänger*innen die Gelegenheit, neben erfahreneren Teilnehmer*innen auf dem Laufsteg ihr Ball-Debüt zu geben. Wer gewinnt, entscheidet eine Jury. Wer sich nicht auf den Laufsteg traut, darf auch einfach zuschauen und seine*n Favorit*in anfeuern.

Mehr Infos und Anmeldung findest du hier.

7. Шaпκa/Schapka (Samstag 22:15)

шапка wird manchmal als «wanker» gelesen. Schapka (rus.: Haube) finden das lustig. Die Wiener Band gibt es seit 2012. Gegründet am Tag, an dem Pussy Riot den Prozess verloren hat. Damals waren die Musikerinnen* der Band Marie Luise Lehner, Laura Gstättner, Dora Lea de Goederen und Lili Kaufmann noch zwischen 14 und 17 Jahren alt, sind mit Sturmhauben aufgetreten und alle haben sich wahlweise mal an alle Instrumente geworfen. Schapka spielt seitdem unter Stockbetten, im Festspielhaus, in Kellerstudios, in versifften Proberäumen oder auf Solipartys. In Wien, in Budapest oder Berlin. Schapka trinkt Kakao, Tee, Wein, manchmal warmes Bier oder Orangensaft. Es gibt einen Song übers Masturbieren («Maries lila Ladefinger hat einen Wackelkontakt») und einen übers Squirten. Anscheinend war die Band eines der Highlights der letztjährigen Ausgabe des Festivals.

8. Pop Bingo mit Mona Gamie (Sonntag 13:00)

Danke, liebe Mona, dass du aus dem Aargau nach Zürich gezogen bist! Wenn Mona Gamie nicht gerade mit ihrer Schwester Polly Gamie oder mit dem Velo die Stadt Zürich unsicher macht, ist sie als Drag-Queen auf den Bühnen der Schweiz unterwegs. Sie übersetzt Pop-Hits ins Schweizerdeutsche, rührt das Publikum mit kitschigen Chansons zu Tränen und unterhält dazwischen mit witzigen Pointen, Selbstironie und ihrer Schlagfertigkeit. Das Pop-Bingo ist legendär: Es gibt billige Preise und noch billigere Musik – das perfekte Programm für einen verkaterten Sonntag.

Alle Bilder: zvg (Pressebilder) ausser Foto Milky Diamond/Vicky Goldfinger (Instagram)


Das lila.18-Queer Festival findet 12. bis 14. Oktober statt. Mehr zum Program findest du hier.

Redaktorin und Fotografin

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