Was die Wahl Trumps mit dem Zürcher Lokaljournalismus zu tun hat

Der Niedergang des Lokaljournalismus befördert extreme Meinungen. Umso wichtiger sind Angebote wie das Gemeinderats-Briefing von Tsüri.ch. Warum es dafür jetzt deine Unterstützung braucht.

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Foto: "New York Post: President Trump" von Marco Verch via ccnull.de - Bildquelle, CC-BY 2.0

Trump wird allen Umfragen nach im November zum Präsidenten der USA gewählt. Zwar schmilzt sein Vorsprung auf Biden, doch in den engen Swing-States liegt er noch immer weit vorne. Unter Wissenschaftler:innen gibt es viele Erklärungen, warum Bürger:innen einen extremen Verschwörungserzähler zum Präsidenten wählen. Eine davon: Der Niedergang des Lokaljournalismus.

Gerade in Demokratien trägt der Lokaljournalismus erheblich zur Meinungs- und Wissensbildung bei. Lokalzeitungen berichten über das, was die sogenannten kleinen Leute beschäftigt. Sie fungieren als Frühwarnsystem für Probleme, die früher oder später auf der nationalen Bühne landen. Dabei bringt der Lokaljournalismus Menschen und ihre verschiedenen Meinungen zusammen und zeigt im Kleinen auf, was im Grossen verloren geht: Lösungen finden, über politische Grenzen hinweg.

In den USA fühlen sich hunderttausende Menschen von Medien und Politik nicht gehört. Es ist diese Ohnmacht, die irgendwann in Wut und extreme politische Meinungen mündet.

Lokaljournalismus wird weggespart

Noch sind wir in der Schweiz weit von amerikanischen Zuständen entfernt. Doch es gibt auch hierzulande erste Warnzeichen: 43 Prozent der Schweizer:innen sind News-Deprivierte, wie die UZH im aktuellsten Jahrbuch des Forschungszentrums Öffentlichkeit und Gesellschaft bekannt gab. Es ist der höchste je gemessene Wert. Diese Menschen lesen weder Zeitungen noch informieren sie sich über Social Media oder andere Kanäle.

Zwar weist die Schweiz mit rund 245 Titeln eine hohe Dichte an Zeitungen auf. Doch ein Grossteil davon gehört Grosskonzernen wie der börsenkotierten TX Group, bei denen der unrentable Lokaljournalismus keinen hohen Stellenwert geniesst. Denn was den Aktionär:innen keine Rendite verspricht, wird weggespart.

Service Public aus dem Zürcher Polit-Kosmos

Tsüri.ch hat weder Investor:innen noch Anzeigekunden im Nacken. Dank unseren Membern können wir über das berichten, was für den Zusammenhalt unserer föderalen Demokratie wichtig ist. 

Es ist daher kein Zufall, dass Tsüri.ch nebst der PS Zeitung das einzige Medium ist, das einen eigenen Korrespondenten im Zürcher Gemeinderat engagiert. In seinem wöchentlichen Gemeinderats-Briefing fasst Steffen Kolberg die wichtigsten Abstimmungen und Debatten des Gemeinderats so zusammen, dass sie auch für Menschen ohne Abschluss in Politikwissenschaften verständlich sind. Er arbeitet nach der spätabendlichen Gemeinderatssitzung weiter, sodass die Zusammenfassung bereits am nächsten Tag in den Posteingängen liegt.

Unterstützung für Gemeinderats-Briefing

Das Gemeinderats-Briefing ist für alle frei zugänglich. Service Public by Tsüri.ch. Damit das so bleibt und wir auch in Zukunft über die Lokalpolitik berichten können, brauchen wir deine Unterstützung. 20'000 Franken sind nötig, um das Gemeinderats-Briefing für ein Jahr weiterzuführen. Die Hälfte ist bereits geschafft. Machst du auch mit?

Wenn du dich mit einer Spende über 180 Franken beteiligst, laden wir dich als Dank an den exklusiven Event «Inside Bundesrat» im Mai mit Moritz Leuenberger ein. Ein Event mit einem der einflussreichsten Politiker der Schweiz, in persönlichem Rahmen. Erfahre aus erster Hand, was er zur heutigen politischen Lage denkt, was er auf die Frage «Wen dürfen wir kontaktieren, wenn es ein Attentat auf Sie gibt?» antwortete und weshalb Sitzordnungen in der Diplomatie zu einem Eklat führen können.

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