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5. Dezember 2022 um 17:32

Klima Watchdog: Die Stadt und ihr Weg zur Klimaneutralität

Der Klima Watchdog ist ein Projekt von Myclimate und Tsüri.ch: In unregelmässigen Abständen untersucht er die Massnahmen der Stadt auf ihrem Weg zu Netto-Null bis 2040. Aktuell: Wieviel CO2 kann die drei Kilometer lange Velovorzugsroute Altstetten einsparen? Und welchen Effekt hat es, wenn alle städtischen Verwaltungsgebäuden ab 2035 ohne fossile Energien geheizt werden?

Steht exemplarisch für ein städtisches Gebäude, das ab 2035 mit erneuerbaren Energien geheizt werden soll: Das Schulhaus Schanzengraben. (Foto: Alice Britschgi)

17. November 2022

Grosses Potential bei erneuerbaren Heizungen städtischer Immobilien

Bis ins Jahr 2035 müssen laut den Plänen der Stadt alle fossil betriebenen Heizungen der Verwaltungsgebäude, Schulen, Spitälern und Sportanlagen auf erneuerbare Energieträger umgestellt werden. Aktuell gilt es den Verantwortlichen zufolge noch 520 Anlagen zu ersetzen. Denn diese gelten als richtige Umweltsünder: Wie Berechnungen von myclimate zeigen, sind die betroffenen Heizsysteme städtischer Immobilien, die bis dato mit Gas oder Öl beheizt werden, für fast 13’000 Tonnen CO2 pro Jahr verantwortlich. Aus diesem Grund will die Stadt noch dieses Jahr 27 Heizsysteme von fossilen in erneuerbare Energieträger überführen. Wie die Stadt auf Anfrage schreibt, sieht der Energiemix ab dem Jahr 2035 folgendermassen aus: Circa 40 bis 50 Prozent der Heizungen funktionieren mit Fernwärme, 40 Prozent werden durch Wärmepumpen beheizt und bei 10 Prozent setzt man auf Holz.

Schafft es die Stadt tatsächlich, alle städtischen Heizsysteme bis ins Jahr 2035 auf erneuerbare Energien umzustellen, könnte sie das einen grossen Schritt in Richtung Netto-Null weiterbringen: Die Immobilien würden jährlich nur noch fast 600 Tonnen CO2 ausstossen, was einer Einsparung von 12’200 Tonnen CO2 pro Jahr gleich kommt. Das entspricht gemäss myclimate ungefähr 975 menschlichen Fussabdrücken einer Einwohnerin respektive eines Einwohners in der Schweiz. 

Der Klima Watchdog von Tsüri.ch und Myclimate

Welche klimapolitische Massnahme spart wie viel CO2 ein? Und wie schafft es die Stadt, bis ins Jahr 2040 klimaneutral zu sein? Nachdem ihr vergangenen Sommer mit einem Crowsfunding das Projekt «Klima Watchdog» finanziert habt, wollen wir diese Fragen nun beantworten – zusammen mit Myclimate.

Weil die Berechnungen komplex sind und viele Daten fehlen, müssen unsere Partner von Myclimate diverse Annahmen treffen, um eine CO2-Zahl hinter eine konkrete Massnahme setzen zu können. Aus diesem Grund werden wir nicht jede einzelne beziffern können, graben uns aber für dich regelmässig durch exemplarische Vorhaben und ordnen diese mit den Experten ein. Die Datenlage wird sich in Zukunft verbessern und auch der Klima Watchdog wird mit der Zeit gehen.

Der Bullingerplatz wurde bereits 2012 beruhigt – auch hier führt die Velovorzugsroute durch. (Foto: Isabel Brun)

16. November 2022

Velovorzugsroute Altstetten: Verschiedene Szenarien denkbar

Die drei Kilometer lange Velovorzugsroute Altstetten wird eine der ersten sein, die Anfang 2023 in Betrieb genommen wird. Ab Herbst 2022 werden gemäss der Stadt die Markierungen und Signalisationsänderungen umgesetzt. Die Route beginnt an der Saumackerstrasse, führt von dort über die Baslerstrasse, die Bullingerstrasse und die Stauffacherstrasse bis zur Herman-Greulich-Strasse. Um künftig Platz für den Veloverkehr zu schaffen, werden insgesamt 114 Parkplätze auf der Strecke gestrichen – um die 180 bleiben bestehen.

Da die Stadt bis dato keine Aussagen dazu machen kann, wie viele motorisierte Fahrzeuge durch die verbesserte Veloinfrastruktur und die Reduktion von Parkplätzen ersetzt werden sollen, arbeitet myclimate mit der Annahme, dass pro zehn abgebaute Parkplätze im Durchschnitt drei Autofahrende auf ihr Gefährt verzichten. Weiter wird bei den Berechnungen davon ausgegangen, dass die Nutzung der Velovorzugsroute nicht zu mehr Verkehr in anderen Gebieten der Stadt führt. Wie viele Fahrzeuge momentan die Strecke durchqueren, ist nicht bekannt, da es zwischen Altstetten und der Bäckeranlage keine Zählstellen gibt. Myclimate geht aber davon aus, dass täglich ungefähr 8000 Autos, Lastwagen und Motorräder durch die geplante Velovorzugsroute fahren.

Aus den obigen Annahmen haben die Experten von myclimate ein Best-Case-, wie auch ein Worst-Case-Szenario berechnet: Im besten Fall fährt jede autofahrende Person auf der Strecke zwischen Altstetten und Herman-Greulich-Strasse im Schnitt zehn Kilometer weniger pro Tag und benutzt stattdessen das Velo. Gleichzeitig nimmt der Durchgangsverkehr von motorisierten Fahrzeugen auf der Strecke infolge des Parkplatzabbaus um 40 Prozent ab. Das führt laut Berechnungen von myclimate zu einer Einsparung von 1387 Tonnen CO2 pro Jahr, was der gleichen Anzahl Flüge von Zürich nach New York entspricht. Im schlechtesten Fall hingegen wird nur die Hälfte des CO2 eingespart: Jede autofahrende Person fährt auf der Strecke durchschnittlich fünf Kilometer weniger pro Tag und der Durchgangsverkehr nimmt so nur um 20 Prozent ab, was einer Einsparung von 675 Tonnen entspricht. Potential, durch die Velovorzugsroute Altstetten eine grosse Menge CO2 einzusparen, ist also allemal vorhanden, es hängt jedoch davon ab, wie die Reaktionen der Stadtbevölkerung auf diese ausfallen werden.

Von CO2-Äquivalenten und Tonnen CO2

Das wichtigste vom Menschen verursachte Treibhausgas ist Kohlenstoffdioxid (CO2). Daneben gibt es weitere Treibhausgase, welche zum Klimawandel beitragen, nämlich Methan (CH4), Lachgas (N2O), Hydrofluorkarbonate, Perfluorkohlenwasserstoffe, Schwefelhexafluorid (SF6) und Stickstofftrifluorid (NF3). Um die Wirkung verschiedener Treibhausgase vergleichbar zu machen, hat das Expert:innengremium IPCC der Vereinten Nationen (Intergovernmental Panel on Climate Change) das so genannte «Globale Erwärmungspotenzial» (Global Warming Potential) definiert. Dieser Index drückt die Erwärmungswirkung einer bestimmten Menge eines Treibhausgases über einen festgelegten Zeitraum (meist 100 Jahre) im Vergleich zu derjenigen von CO2 aus. So hat z.B. Methan eine deutlich grössere Klimawirkung als CO2, bleibt aber weniger lange in der Atmosphäre. Zählt man diese CO2-Äquivalente (CO2e) zusammen, erhält man einen Wert für die gesamte Klimabelastung aller betrachteter Treibhausgase.

Hinweis: Aus Gründen der Lesefreundlichkeit des Textes wird hier im Artikel nur «CO2» geschrieben, gemeint sind aber immer «CO2e» (CO2-Äquivalente).