Fotos: Emilio Masullo

Wein-Serie: «Die Gelegenheit macht den Wein»

Es geht steil bergauf: Beim Rebberg Burghalde im Quartier Riesbach trifft Tsüri.ch auf Wolfgang Langanger von Landolt Weine; Leiter des Bereiches Einkauf und Grosskunden. Er gibt Einblick in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft von Landolt Weine.
15. Oktober 2020
Praktikantin Redaktion

«Hier sind wir im Traubensortenmuseum», meint Wolfgang Langanger und zeigt auf den vor uns liegenden Rebberg; auf knapp vier Hektar wachsen hier acht verschiedene Traubensorten. Diese würde man normalerweise auch sehen, wären sie Ende September nicht bereits geerntet und zu Landolts G’mischter Satz, Räuschling oder Pinot Noir verarbeitet worden. Die Deutschschweiz sei bekannt für Pinot Noir; sie mache auf der insgesamt 600 Hektar grossen Rebfläche des Kantons Zürichs die Hälfte aus, weiss der Weinkenner. Nebst dem Rebberg Burghalde hat Landolt Weine noch zwei andere Standorte; am Sonnenberg in Hottingen und im Bürgli in der Enge; bewirtschaftet von der Rebwerk GmbH unter der Leitung von Nikola Zeljkovic. «Wir sind der grösste Weinproduzent auf Stadtboden», sagt Langanger.

Die Zusammenarbeit mit den Winzer*innen

Landolt Weine entscheidet vor Ort, ob der Wein ins Sortiment aufgenommen wird oder nicht. Im persönlichen Gespräch auf dem Weingut muss nämlich nicht nur das Produkt stimmen, sondern auch das zwischenmenschliche Verhältnis zu den Weinhändler*innen. «Frauen machen die besten Weine», sagt Wolfgang und lacht. Dementsprechend besteht das Portfolio von Landolt Weine zur Hälfte aus Winzerinnen.

Beratung statt Kommerz

«Wein ist Kulturgut», betont Wolfgang. Diesen Grundsatz möchte Landolt Weine persönlich an seine Kundschaft weitergeben und setzt deshalb auf Beratung statt Grossverteilung. Dennoch sind die knapp 500 modernen und traditionellen Weine aus dem Sortiment auf ein breites Publikum ausgerichtet. Die Zielgruppe besteht vorwiegend aus Gastronom*innen, aber zu einem Drittel auch aus Privatkund*innen. Diese dürften sich in der Vinothek beraten lassen; von Donnerstag bis übers Wochenende hinweg sei die Kundschaft besonders experimentierfreudig. Es herrscht ein freundschaftliches Verhältnis zu den Kund*innen und eine Du-Kultur. Landolts Weinliebhaber*innen seien jünger geworden; waren es vor 20 Jahren noch wohlsituierte Mittfünfziger, ist das Zielpublikum heute in den Dreissigern. Das liege unter anderem auch am Team, erzählt Wolfgang.

Der Herbst lässt grüssen.

Welcher Wein verkauft sich denn am besten? «Das kommt auf die Vorliebe des Wein-Beraters an», schmunzelt der Österreicher. Der Wein soll so schmecken, dass man ihn wiedererkennt, die Leute sollen sich jedoch selbst vom Geschmack überzeugen.

Diese Weine werden unter dem Label «Stadt Zürich» verkauft.

Ganz nach dem Motto «Drink Local», seien Weine aus Übersee momentan nicht besonders gefragt.

Ein Lokalwein gehört auf jede gute Weinkarte
Wolfgang Langanger

Umziehen in Zeiten von Corona

Landolt Weine wurde 1834 gegründet. Der Familienbetrieb wird zurzeit in sechster Generation von Marc Landolt geführt. Am 16. März, also mitten im Corona-Frühling, ist das 18-köpfige Unternehmen in die Binz gezogen. «Ein Tag vor dem Lockdown», erinnert sich Wolfgang. Wie auch bei der Gastronomiebranche hatten sie mit Herausforderungen zu kämpfen. Sie hätten sich aber nicht unterkriegen lassen und sehen sich als Gewinner der Corona-Krise. Nicht zuletzt durch die Unterstützung ihrer Kund*innen, die immer wieder fleissig an die grossen und kleinen Events von Landolt Weine kommen. Für Gastronom*innen gäbe es Winefestivals und vor einigen Wochen fand hier im Rebberg Burghalde sogar ein Sounds of Silence-Kopfhörerkonzert statt (Hier geht es zum Video).

Ein Blick in die Zukunft

Biodiversität sei der Firma sehr wichtig; in Zukunft soll es auch Weine unter einem veganen Label geben. Nebst dem wollen sie ihren Webauftritt verstärken; Der neue Webshop und Wein-Beratungen via WhatsApp sollen dazu beitragen.

Landolt Weine sieht sich als innovatives Unternehmen; Quereinsteiger seien hier herzlich willkommen. Wolfgang sei selbst einer; sein Wissen hätte er sich die letzten zwölf Jahre nach dem Prinzip «Learning by Doing» angeeignet. Mittlerweile in der Geschäftsleitung will er sein Wissen gerne weitergeben.

Wein ist Kulturgut
Wolfgang Langanger

Mit drei Flaschen Wein, vier gepflückten Quitten und der Einladung zu einer Weinwanderung, macht sich Tsüri.ch auf den Rückweg. Vorsichtig, denn dieses Mal geht es steil abwärts.


Weitere Informationen zu Landolt Weine: hier

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