Leben im Alter: Werden wir bald von Robotern gepflegt?

Das Gesundheits- und Umweltdepartement der Stadt Zürich beschäftigt sich in der Vortragsreihe «Wohlbefinden im Alter» mit etlichen Themen rund ums älter werden. Unter dem Titel «Pflegeroboter? Nein, danke!» erklärte Prof. Dr. Sabina Misoch den aktuellen Stand der Pflegeroboter.
16. Juni 2019

Die Frage wie wir altern wollen, sollte uns alle beschäftigen. In der Vortragsreihe «Wohlbefinden im Alter» setzen sich pro Event ein*e Referent*in sowie Andreas Hauri, Stadtrat und Vorsteher des Gesundheits- und Umweltdepartements, mit Themen wie Demenz, Depression, Trickdiebstahl aber auch Robotik auseinander. Die Events finden jeweils im Volkshaus statt und sind für alle Besucher*innen kostenlos.

Unter dem leicht negativ behafteten Titel «Pflegeroboter? Nein, danke!» füllte sich der weiße Saal im Volkshaus mit interessierten und skeptischen Besucher*innen höheren Alters. In den letzten hundert Jahren hat sich die durchschnittliche Lebenserwartung verdoppelt, sagte Prof. Dr. Sabina Misoch. Damit verbunden sind neue Fragestellungen, wie zum Beispiel: Welche Wohnsituationen kann eine Stadt betagten Menschen zur Verfügung stellen? Aber auch: Wie kann die anhaltende Digitalisierung älteren Menschen vermittelt werden und wie können diese sie nutzen? Stadtrat Andreas Hauri verweist auf den grünen und den roten Zettel, die auf jeden Stuhl liegen. Eine kleine Fragerunde zu Beginn des Events, die jeweils mit ja (grün) oder nein (rot) von den Teilnehmer*innen beantwortet wird. Rasch wird klar, die Wünsche und Bedürfnisse aller Anwesenden sind mannigfaltig. Gewisse möchten im Alter alleine Zuhause wohnen, andere können sich eine WG vorstellen, wenige ein Zimmer im Altersheim; obwohl das heute noch der Standard ist. Auch der Zugang zu Social Media, Handys und dem Internet scheint bei wenigen willkommen zu sein. Selbst die elektrischen Vorhänge im Volkshaus, die per Knopfdruck auf- und zugehen, sorgten für spürbar grosse Aufregung im Saal.

Der Einfluss der Technologie unserer Zeit ist generationenbildend und genauso wenig wegzudenken wie zu bekämpfen. Dass dabei etliche Menschen ausgegrenzt werden, ist oftmals unklar und für viele unverständlich. Die FHS St.Gallen unter der Leitung von Prof. Dr. Sabina Misoch beschäftigt sich mit dem Interdisziplinären Kompetenzzentrum Alter IKOA-FHS mit technologischen Entwicklungen, die spezifisch in Pflege und Unterstützung anwendung finden. Mit dem «LivingLab 65+» lassen sie Senior*innen technische Innovationen in ihrem Lebensalltag testen. Mit Science-Fiction und Androiden hat das Ganze allerdings wenig zu tun. Active Assisted Living (AAL) ist der Schirmbegriff für Technologie, die Menschen Sicherheit, Selbständigkeit und Lebensqualität ermöglichen sollen.

Der wohl bekannteste Roboter zurzeit ist die Robbe PARO. Das «Plüschtier» reagiert mit Bewegungen und Geräuschen auf Streicheleinheiten. Der beruhigende Einfluss basiert auf der tiergestützten Therapie. Seit 2004 wird PARO verkauft und in manchen Pflegeeinrichtung eingesetzt. Allerdings setzt sich die Forschung nicht ausschliesslich mit Robotern auseinander, sondern wesentlich mit Technologien, die in den Haushalten Menschen unterstützen sollten. Prof. Dr. Misoch stellte in ihrem Referat einige dieser Technologien vor und Hubert Lombard, Testperson im IKOA-Living-Lab, berichtete äusserst positiv über die AAL. Beispielsweise dienen automatische Herdabschaltungssysteme der Sicherheit. Sensormatten oder intelligente Fussböden senden bei Berührung ein Signal aus, sodass Angehörige wissen, dass alles in Ordnung ist. Dass dies eine Form der Überwachung ist, ist klar, jedoch mit dem Ziel, betagten Menschen das Wohnen alleine Zuhause zu erleichtern.

Ob Roboter in Zukunft Teil unseres Alltags werden, wird sich zeigen. Ein gewisses Unbehagen, wenn es darum geht, dass technische Geräte in eine intime Sphäre – wie es bei Pflegepersonal der Fall ist – eintreten, ist nachvollziehbar. Aber so zeigten sich aber die Besucher*innen offen und interessiert für die heutigen technologischen Möglichkeiten. Bevor sich aber apokalyptische Szenarien ausgedacht werden, sollte der Fokus zunächst auf die gebotenen Möglichkeiten fallen. Denn die Digitalisierung hat bereits Einzug gehalten und ist nicht mehr wegzudenken. Diese sollte wiederum inklusiv für alle sein – und ihre Leistungen allen dienlich.

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