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Zwei Quereinsteiger wagen sich ins Haifischbecken der Zürcher Gastroszene

Um an einem Hotspot in Zürich ein Restaurant zu eröffnen, braucht es ganz schön Mumm. Und das als völlige Quereinsteiger – eine riesige Herausforderung. Bei einem Besuch sprechen die beiden kühnen Zürcher Alain und Johnny über den Sprung ins kalte Wasser, ihr Erfolgsgeheimnis und wie neue Kreationen entstehen.
29. April 2019

Die Langstrasse, der pulsierende Schmelztiegel von Zürich, wo sich Bars und Clubs aneinanderreihen und zahlreiche Restaurants und Schnellimbisse um die Gunst der Gäste buhlen. Bei den Lokalen herrscht beinahe schon ein reges Kommen und Gehen: Immer wieder schliesst eines, ein anderes geht auf. Ein ständiger Überlebenskampf. Und mitten drin: das Tremondi. Nur ein paar hundert Meter in einer Querstrasse gelegen, lädt es seit Anfang Dezember mit ausgefallenen Menü-Kreationen und kreativen Cocktails zum Verweilen ein. Auf den ersten Blick ist das kleine Lokal ein ganz normales Restaurant, doch schaut man genauer hin, erstaunt die Geschichte dahinter umso mehr.

Über Umwege zum eigenen Restaurant
Alain und Johnny sind Quereinsteiger in der Gastrobranche und sie wagen sich direkt in die Höhle des Löwen. Denn der Kreis 4 ist bekannt für zahlreiche gute und etablierte Restaurants. Ständig ihren Traum verfolgend, liessen sich die zwei nicht beirren. «Ich wusste schon als Teenager, dass ich einmal ein Restaurant haben möchte. So habe ich auch immer mit meiner Mutter zusammen gekocht», erzählt Alain. Die abgebrochene Kochlehre in einem konservativen Betrieb zeigte ihm allerdings schnell, dass er sich nicht in seinen kreativen Schaffungsprozess reinreden lassen wollte. Nach ein paar Umwegen als Coiffeur und Innenarchitekt landete Alain schliesslich in der Küche an der Molkenstrasse in Zürich, ein «zu Beginn echt surreales Gefühl», wie er schildert. Nicht weniger ein Paradiesvogel ist sein Partner Johnny. Ursprünglich eine KV-Lehre gemacht, arbeitete er danach auf den unterschiedlichsten Berufen – als Buchhalter, Verkäufer oder im Immobilienrecht. «Nichts davon hat mich so richtig erfüllt. Am nächsten Tag lag wieder ein neuer Stapel Papiere auf dem Tisch, den man abarbeiten musste», sagt er rückblickend. Umso mehr zog es ihn immer wieder ins Nachtleben. Ein Aushilfsjob hier, eine Zwischenstation im Service dort. Nicht nur den Kontakt zu den Menschen, sondern auch seine Faszination für Alkohol als Genussmittel und die Fähigkeit, aus unterschiedlichen Spirituosen die leckersten Drinks zu zaubern, nährten seinen Traum von einer eigenen Bar.

Ran ans Eingemachte
Kein leichtes Unterfangen, in Teufels Küche ein neues Restaurant zu eröffnen, das sich in der gleichen Klasse bewegen soll wie die Konkurrenz – mit wenig Erfahrung und noch weniger Budget als die grossen Gastrobetriebe. Doch genau diese Herausforderung reizte die beiden Männer. So Alain: «Für uns war klar: Wenn du es hier schaffst, dann schaffst du es überall.» Mehrere Jahre haben sich die beiden vorbereitet und an ihrem Businessplan gefeilt. Und plötzlich war er da: Der Tag, an dem sie den Mietvertrag für das neue Lokal unterschrieben haben. Für beide eigentlich ein schöner Moment, doch mit der Zusage wurde der Berg an Aufgaben noch grösser. So musste zum Beispiel das Restaurant komplett umgebaut werden. «Wir wurden total ins kalte Wasser geworfen und waren rückblickend zugegebenermassen auch etwas zu bedenkenlos an die Sache herangegangen», sagt Johnny. Die zwei Macher merkten schnell, dass die Herausforderung noch viel grösser war als gedacht. «In der ganzen Umbauphase kamen Sachen auf uns zu, die wir nie erwartet hätten und als Laien auch gar nicht richtig einschätzen konnten», ergänzt Alain.

Geschmäcke im Kopf
Der kreative Kopf hinter der Speisekarte ist Alain. Gemeinsam mit Simon kreiert er monatlich jeweils drei Gerichte für Vorspeisen, Pasta, Hauptgerichte und Desserts. «Ich erkenne schnell, ob Zutaten zusammenpassen und koche das Rezept zuerst zigmal in meinem Kopf durch. Erst wenn ich es dort perfektioniert habe, setzte ich es auch wirklich um», erklärt er. Inspiration finde er überall – sei es bei einem Abendessen bei Freund*innen, auf dem Markt oder auf dem stillen Örtchen. Genau diese Vielfalt, Abwechslung und ständige Weiterentwicklung ihres Angebots sehen die beiden als eines ihrer Erfolgsgeheimnisse. «Wir möchten uns ständig neu erfinden und auf keinen Fall stehen bleiben. Gleichzeitig ist dies aber auch die grösste Herausforderung für uns: Dass wir trotz neuer Sachen die Geschmacksnerven der Gäste immer wieder aufs Neue treffen», sagt Johnny. Als einen anderen wichtigen Erfolgsfaktor sehen die beiden ihre Freund*innen. «Ohne sie hätten wir das gar nie geschafft», meint Alain. «Unser riesiges Netzwerk hat uns enorm bei der Eröffnung geholfen. Am Anfang waren etwa 90 Prozent der Gäste unsere Freund*innen. Mittlerweile ist es aber genau umgekehrt und wir kennen nur noch den kleineren Teil persönlich.»

Für die Zukunft haben die zwei auch schon zahlreiche Pläne, denn im Tremondi wird nicht stillgestanden. «Wir freuen uns auf den Sommer. Da planen wir einen Boulevard mit zahlreichen Aussensitzplätzen oder ein Terrazzino im Innenhof mit feinen Köstlichkeiten vom Grill. Zudem bepflanzen wir unseren 1000 m2 grossen Garten, sodass wir noch mehr Gerichte ‚fatto in casa’ anbieten können», so Johnny.

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