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Kurzarbeit & Dividenden: Alle Zürcher Börsen-Unternehmen im Überblick

Im Zuge unseres Rechercheprojekts haben wir die börsenkotierten Unternehmen im Kanton Zürich unter die Lupe genommen und für euch aufgelistet, wie viele davon Kurzarbeit eingeführt und für das Geschäftsjahr 2019 Dividenden ausgezahlt haben.
29. April 2020

Dies ist eine gemeinsame Recherche von Rahel Bains, Lara Blatter, Simon Jacoby.


Es ist eine wirtschaftliche, rechtliche und in Zeiten von Corona vor allem auch eine moralische Frage: Darf eine Firma, die für ihre Mitarbeitenden Kurzarbeit bezieht, gleichzeitig Dividenden ausschütten? Denn obwohl die Arbeitslosenversicherung im Normalfall hälftig via Lohnnebenkosten von den Arbeitnehmenden und den Arbeitgebenden gefüllt wird, reicht dies im Moment nicht aus, um die Kosten zu stemmen. Deshalb springt aktuell der Staat mit rund sechs Milliarden Franken aus dem ordentlichen Bundeshaushalt, also mit Steuergeldern, ein.

Im Moment ist dieses Vorgehen erlaubt. Doch Politiker*innen, vor allem von links, wollen dies verbieten. Die SP-Nationalrätin Mattea Meyer kündigte gegenüber Tsüri.ch an, eine entsprechende Motion einzureichen, was via der Sozialkommission des Nationalrates tatsächlich geschehen ist.

Die Tsüri-Redaktion hat sich vor einigen Wochen dazu entschlossen, zu recherchieren, welche Unternehmen ihre Aktionär*innen mit ebendiesen Corona-Steuergeldern bedienen und gleichzeitig Mitarbeitende auf Kurzarbeit gesetzt haben. Die folgende Liste umfasst die börsenkotierten Unternehmen im Kanton Zürich und wird laufend ergänzt.

Adecco Group

Kurzarbeit: Teilweise.
Dividende: Ja. An der GV vom 16.4. wurden 2,50 Fr. pro Aktie ausgeschüttet.

Allreal Holding

Kurzarbeit: Nein.
Dividende: Ja. An der GV vom 24.4. wurden 6,75 Fr. pro Aktie ausgeschüttet, total sind das 107'614'042 Franken.

Aryzta AG

Kurzarbeit: Ja.
Dividende: Noch unklar. Das Geschäftsjahr wird per Ende Juni abgeschlossen, die GV findet im Herbst 2020 statt. Vergangenes Jahr wurde bereits auf Dividende verzichtet.

Autoneum Winterthur

Kurzarbeit: Ja
Dividende: Nein. An der GV vom 25.3. wurde auf eine Dividendenausschüttung verzichtet. Der Grund: Konzernverlust 2019.

Barry Callebaut AG

Kurzarbeit: Teilweise. In Europa gilt derzeit für 10% der Mitarbeitenden Kurzarbeit. Diese erhalten dabei 100% ihres Lohns, da Barry Callebaut die Lücke füllt.
Dividende: Bei der Barry Callebaut AG, einer der grössten Schokoladenproduzenten der Welt, endet das Geschäftsjahr jeweils Ende August. An der Generalversammlung Anfang Dezember 2019 genehmigten die Aktionär*innen eine Dividendenausschüttung von 26 Fr. pro Aktie für das abgelaufene Geschäftsjahr 2018/19. Über die Höhe der Dividende für das laufende Geschäftsjahr wird erst an der nächsten GV im Dezember entschieden.

Bellvue Group AG

Kurzarbeit: Nein.
Dividende: An der GV vom 24.03. wurde eine Dividende von 1,25 Fr. pro Aktie plus eine Sonderdividende von 2,75 Fr. beschlossen.

Bucher Indus­tries

Kurzarbeit: Ja. Per Ende März steckten bereits 887 von weltweit 13'163 Bucher-Vollzeitstellen in Kurzarbeit. In der Schweiz hat man für die Hälfte der 1000 Mitarbeiter Kurzarbeitsentschädigung beantragt. Bucher übernimmt die Lohneinbusse der Angestellten nicht. «Das wäre den anderen Mitarbeitenden gegenüber nicht korrekt», heisst es zur Begründung gegenüber dem «Blick».
Dividende: Ja. Insgesamt wurden 82 Millionen Franken Dividenden ausgeschüttet. Davon gingen laut der Zeitung 28,9 Millionen auf die Konten der Gründerfamilie Hauser.

Burckhardt Compression

Kurzarbeit: Nein. «Wir haben im Moment nicht die Einführung von Kurzarbeit geplant», so Pressesprecherin Saskia Hengartner.
Dividende: Noch nicht kommuniziert. Man werde die Aktionär*innen laut Hengartner zu gegebener Zeit über die Dividenden-Anträge informieren. Die GV findet am 3.7. statt.

Burkhalter Holding AG

Kurzarbeit: Ja.
Dividende: Es ist geplant, pro Aktie eine Dividende von 3,70 Fr. auszuschütten. Dies könnte sich noch ändern, deshalb wurde die GV vom 19.05. auf den 24.06. verschoben. «Es handelt sich bei der Kurzarbeitsentschädigung um einen Teil der Arbeitslosenversicherung, die allen Versicherten zusteht und nicht um eine Staatshilfe», sagt Mediensprecherin Elisabeth Dorigatti.

Die Arbeitslosenversicherung wird im Normalfall hälftig via Lohnnebenkosten von den Arbeitnehmenden und den Arbeitgebenden gefüllt. Jetzt aber reicht dies nicht aus, um das Loch zu stopfen. Deshalb springt der Staat mit Geld aus dem ordentlichen Bundeshaushalt, also mit Steuergeldern, ein.

Crealogix Holding AG

Kurzarbeit: In Abklärung.
Dividende: Die GV für das Geschäftsjahr 2019/2020 wird im Herbst stattfinden.

Cembra Money Bank AG

Kurzarbeit: Nein.
Dividende: An der GV vom 16.04. wurde einer Dividende von 3,75 Fr. pro Aktie zugestimmt, das sind total 110’243’246 Franken.

Conzetta Gruppe

Kurzarbeit: Ja.
Dividende: Ja. An der GV vom 22.04. wurde eine Ausschüttung von 42 Fr. pro Namenaktie A bzw. 8.40 pro Namenaktie B bestimmt.

Credit Suisse Group AG

Kurzarbeit: Nein.
Dividende: An der GV vom 30.04. wurde einer Dividende von 0,1388 Fr. pro Aktie zugestimmt, das sind total 8'534 Millionen Franken. Ursprünglich war das doppelte vorgesehen, im Herbst 20 wird eine ausserodentliche GV stattfinden und über eine zweite Ausschüttung abgestimmt.

DKSH Holding AG

Kurzarbeit: In Abklärung.
Dividende: An der GV vom 13.05. soll eine Dividende von 1,90 Fr. ausgezahlt werden. Total wäre das eine Dividene von 123'581'630 Franken.

Dormakaba AG

Kurzarbeit: In Abklärung.
Dividende: Die GV findet im Oktober 20 statt.

Edisun Power Europe AG

Kurzarbeit: Nein.
Dividende: An der GV vom 24.04. wurde einer Dividende von 1,10 Fr. pro Aktie zugestimmt, total sind das 1'139'403 Franken.

EFG International Bank

Kurzarbeit: Nein.
Dividende: An der GV vom 29.04. wurde einer Dividende von 0,15 Fr. pro Aktie zugestimmt, total sind das 44 Millionen Franken. Der Dividendenantrag wurde halbiert, weitere 0,15 Fr. pro Aktie sollen im Herbst an einer ausserordentlicher GV ausgeschüttet werden.

Elma Electronic AG

Kurzarbeit: In Abklärung.
Dividende: Nein. An der GV vom 16.04. wurde auf die Ausschüttung einer Dividende verzichtet.

Flughafen Zürich AG

Kurzarbeit: Ja.
Dividende: Nein. Anfang März präsentierte der Flughafen sein erfolgreiches Geschäftsergebnis für das Jahr 2019. Der Verwaltungsrat beantragte damals eine Dividende von 3.90 Franken pro Aktie, sowie eine Zusatzdividende von 3.20 Franken. Mitte April entschied er sich, auf Dividendenzahlungen zu verzichten.

GAM Management Investment AG

Kurzarbeit: Nein.
Dividende: An der GV vom 30.04. ist keine Dividende für das Jahr 2019 geplant, aufgrund eines Jahresverlustes von 1,2 Millionen Franken.

Gategroup Holding AG Opfikon

Kurzarbeit: Ja.
Dividende: Nein.

Hotelplan Holding AG

Kurzarbeit: Einige Unternehmen der Hotelplan Gruppe befinden sich seit 1. April 2020 in Kurzarbeit. Weiter werden per 1. Mai 2020 in Kurzarbeit treten.
Dividende: Die Hotelplan Holding AG ist eine 100% Tochtergesellschaft des Migros-Genossenschafts-Bundes. Es ist nicht vorgesehen, dass für das Jahr 2019 eine Dividende ausbezahlt wird.

Implenia

Kurzarbeit: Ja, in den Kantonen Tessin, Genf und Waadt.
Dividende: Ja, am 24. März fand die GV statt. Das Unternehmen schüttete insgesamt 13'854'000 Franken Dividenden an ihre Aktionär*innen aus, das sind 0,75 Fr. pro Aktie. «Implenia kommuniziert seinen Jahresabschluss früh im Jahr und hält auch die Generalversammlung früh ab. Die Dividende für das Geschäftsjahr 2019 wurde von unserer Generalversammlung beschlossen, bevor wir Kurzarbeit eingesetzt haben», so Anna Magdalena Lang, Pressesprecherin von Implenia.

Intershop Holding AG

Kurzarbeit: Nein.
Dividende: An der GV vom 2.04. wurde eine Dividende von 25 Fr. pro Aktie beschlossen, das sind total 47 Millionen Franken.

Julius Bär Gruppe

Kurzarbeit: Nein.
Dividende: Die GV findet am 18.05. statt, geplant ist eine Dividende von 0,75 Fr. pro Aktie. Weitere 0,75 Fr. pro Aktie sind für eine ausserordentliche GV im Herbst geplant.

Kardex AG

Kurzarbeit: Partiell. «Wir haben rund 2'000 Mitarbeitende, davon sind lediglich 20 in der Schweiz angestellt. Von diesen 20 Mitarbeitenden haben wir wiederum für eine handvoll Leute Kurzarbeit eingeführt», so ein Kardex-Mediensprecher.
Dividende: Ja. An der GV vom 14.04. wurde pro Aktie eine Dividende von 4,50 Fr. ausgeschüttet.

Kuoni Group (gehört zur DER Touristik Suisse AG)

Kurzarbeit: Ja.
Dividende: Nein. Die DER Touristik Suisse gehört als Teil der DER Touristik Group zur genossenschaftlichen REWE Group. «Wir sind nicht börsennotiert und schütten deshalb auch keine Dividende im klassischen Sinne an unsere Shareholder aus. Eigentümer der REWE Zentralfinanz eG (eingetragene Genossenschaft) sind die unter dem Dach der REWE Group zusammengeschlossenen REWE Regionalgenossenschaften. Man könnte vereinfachend auch sagen, wir besitzen uns als Genossenschaft selbst. Deshalb gibt es auch kein Dividendenthema bei uns», liess Pressesprecher Martin Brüning auf Anfrage verlauten.

Kuros BioScience AG

Kurzarbeit: Nein.
Dividende: Nein. Die GV fand am 21.04. statt, das Unternehmen zahlt keine Dividende aus.

Leonteq AG

Kurzarbeit: Nein.
Dividende: Ja. An der GV vom 31.03. wurde eine Dividende von 0,50 Fr. pro Aktie ausgeschüttet, total sind das 9'467'048,5 Franken.

Lindt & Sprüngli

Kurzarbeit: Ja. Vorwiegend Mitarbeiter*innen aus den Shops und dem Aussendienst sind auf Kurzarbeit gesetzt worden.
Dividende: Ja. Der Konzern hat dennoch auf Auszahlung der Jubiläumsdividende von 1’750 Franken pro Aktie festgehalten und diese an der GV 24. April ausbezahlt.

Myriad Group

Kurzarbeit: In Abklärung.
Dividende: In Abklärung.

Nebag

Kurzarbeit: Nein.
Dividende: Ja.

New Value AG

Kurzarbeit: Nein.
Dividende: Nein.

Orell Fuessli AG

Kurzarbeit: Bei der Orell Füssli Gruppe wurde keine Kurzarbeit eingeführt. Einzig beim Buchhandelsunternehmen und Joint Venture der Orell Füssli Thalia AG (Joint Venture zwischen Thalia Bücher AG und Orell Füssli) wurde für Teile der Belegschaft Kurzarbeit eingeführt.
Dividende: Ja. Das Unternehmen lässt in einer Medienmitteilung verlauten: «Aufgrund der soliden Liquidität hat der Verwaltungsrat beschlossen, dass die Aktionär*innen nach wie vor angemessen am guten Resultat 2019 partizipieren sollen und der Dividendenantrag von 6 Franken pro Aktie beibehalten wird.» Die GV wird am 20.05. stattfinden.

Orior AG

Kurzarbeit: Ja. «Bedingt durch die angeordneten Massnahmen des Bundesrats ist die Nachfrage nach Lebensmitteln im Schweizer Detailhandel generell stark angestiegen, so auch in den für uns wesentlichen Produktkategorien. Gleichzeitig sind die Umsätze mit Restaurants sowie grundsätzlich im Food-Service-Kanal teilweise relevant eingebrochen. Diese Umsatzrückgänge lassen sich aus heutiger Sicht kurzfristig nicht gänzlich mit dem Anstieg im Detailhandel wettmachen. In den Beneluxstaaten zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. Bei der auf Genussinseln in der Reisegastronomie spezialisierten Casualfood mussten die Verkaufsstellen an den Flughäfen grossmehrheitlich geschlossen werden. Die betroffenen Mitarbeitenden erhalten Kurzarbeitsentschädigung», schreibt das Lebensmittelunternehmen in einer Medienmitteilung. In der Schweiz und in Belgien seien nur sehr wenige Mitarbeitende von Kurzarbeit betroffen.
Dividende: Ja. Weiter heisst es in der Medienmitteilung: «Die kommunizierte Guidance für das Geschäftsjahr 2020 lässt sich vor dem Hintergrund der ungewissen Voraussetzungen vorerst nicht bestätigen. Die Mittel- und Langfristziele sowie die seit dem IPO verfolgte Dividendenpolitik behalten jedoch – auch dank der operativ und strategisch guten Aufstellung der Gruppe – weiterhin ihre Gültigkeit.» Es ist geplant, an der GV vom 4.6. eine Dividende von 2.32 Fr. pro Aktie auszuschütten.

Schlatter Holding

Kurzarbeit: Nein. «Aktuell nutzen wir noch keine Kurzarbeit, was jedoch, je nach weiterem Verhalten unserer internationalen Kund*innen später ändern kann», so Mediensprecher Reto Stettler.
Dividende: Nein. Wie auch in den letzten Jahren wird man keine Dividenden ausschütten.

Schweiter Technologies

Kurzarbeit: Nein.
Dividende: Ja. An der GV vom 8.4. wurden 40 Fr. pro Aktie augeschüttet, total sind das 57'272'320 Franken.

Siemens Schweiz AG

Kurzarbeit: Nein.
Dividende: Ja. Laut Mediensprecher Marc Maurer hat die weltweite Siemens AG mit Hauptsitz in München im Februar für das Jahr 2019 (1.10.18 bis 30.9.2019) eine Dividende von 3,90 Euro pro Aktie ausgeschüttet.

Sunrise Communications AG

Kurzarbeit: In Abklärung.
Dividende: Ja. An der GV vom 8.04. wurde eine Ausschüttung von 4,40 Fr. pro Aktie besitmmt.

Swiss Life

Kurzarbeit: Nein.
Dividende: Ja. An der GV vom 28.04. wurde eine Ausschüttung von 20 Fr. pro Aktie bestimmt, total sind das 671'892'120 Franken.

Swiss Re

Kurzarbeit: In Abklärung.
Dividende: An der GV vom 17.04. wurden pro Aktie eine Dividende von 5,90 Fr. ausgeschüttet. Das sind total 1'715 Mio. Franken.

TX-Group

Kurzarbeit: Ja.
Dividende: An der GV wurden 37,1 Mio. Franken ausgeschüttet.

Tecan Group AG

Kurzarbeit: Nein.
Dividende: Ja. An der GV vom 7.04. wurden 2,20 Fr. pro Aktie ausgeschüttet.

USI Group Holdings

Kurzarbeit: In Abklärung.
Dividende: In Abklärung.

Vetropack Holding

Kurzarbeit: Nein.
Dividende: Ja. An der GV vom 22.04. wurden 65 Fr. pro Aktie ausgeschüttet.

Vontobel

Kurzarbeit: Nein.
Dividende: Ja. Es wurde eine Dividende von 2,25 Fr. pro Aktie ausgeschüttet.

VZ Holding AG

Kurzarbeit: Nein.
Dividende: Ja. An der GV vom 8.04. wurden 5,10 Fr. pro Aktie ausgeschüttet.

Züblin Immobilien AG

Kurzarbeit: Keine Antwort.
Dividende: Keine Antwort. Züblin Immobilien AG schliesst ihr Geschäftsjahr per Ende März. Sie geben noch keine Zahlen bekannt. Die Bilanzpressekonferenz wird am 17. Mai stattfinden, die GV ist für den 17.06. angesetzt.

Zurich Versicherung

Kurzarbeit: Nein.
Dividende: Ja. An der GV vom 1.04. wurden pro Aktie 20 Franken ausbezahlt.


Welche Geschichte wünschst du dir? Welches Unternehmen sollen wir genauer anschauen?

Dividenden trotz Kurzarbeit?
Kurzarbeit ermöglicht zahlreichen KMU das Überleben und sichern tausende Arbeitsplätze. Das ist gut. Doch davon profitieren auch solche, die es nicht nötig hätten: Grosse Unternehmen, welche ihre Aktionär*innen mit Corona-Steuergeld bedienen. Der Staat toleriert das; es sei eine «moralische Frage». Wir finden: Es ist vor allem eine Frage, die eine gründliche Recherche verdient. Mit dem Recherche-Crowdfunding haben wir bisher 17'600 CHF gesammelt. Weitere Inhalte werden folgen. Willst du die weitere Recherche ermöglichen? Hier gehts zum Crowdfunding.

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