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Von Simon Jacoby

Chefredaktor & Verleger

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9. Januar 2023 um 06:00

Marita Verbali (FDP): «Engagiertes (Klein-)Unternehmertum bringt uns weiter»

Im Februar 2023 wählt der Kanton Zürich sein Parlament neu. Im Zuge dessen stellen wir aus jeder Partei eine spannende Person vor, die kandidiert sowie in der Stadt Zürich lebt. Die FDP-Politikerin Marita Verbali erzählt im Gespräch, weshalb sie trotz Diversitätsliebe bei den Freisinnigen gelandet ist.

Will, dass sich mehr Junge für den Pflegeberuf interessieren: Marita Verbali von der FDP (Foto: Elio Donauer)

Simon Jacoby: Weshalb haben Sie sich dafür entschieden, für die FDP zu politisieren?

Marita Verbali: Weil mir Freiheit und Selbstbestimmung wichtig sind (fragen Sie mal meine Mutter). Weil die FDP auf Eigenverantwortung und soziale Verantwortung setzt. Weil sie sich für die Schweizer Wirtschaft und unsere Arbeitsplätze einsetzt und somit für Wohlstand für uns alle. Weil die FDP Vielfalt und Diversität lebt, ohne grosses Aufsehen darum zu machen. Schauen Sie sich nur die Kantonratswahlliste der FDP Kreis 3 an. 

Was war Ihr grösster politischer Misserfolg?

Während meiner Zeit bei der Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich wollte ich gemeinsam mit Fachpersonen aus dem Gesundheitswesen und dem Sozialbereich die Versorgung für komplexe psychiatrische Patient:innen, so genannte «Heavy User», verbessern. Eine vergleichsweise kleine Gruppe, die jedoch überdurchschnittlich oft in die Psychiatrie eingewiesen wird. Leider landete das Konzeptpapier in einer Behördenschublade. 

Wohnen ist in der Stadt Zürich ein allgegenwärtiges Thema. Wie wohnen Sie und wie viel zahlen Sie für Ihre Bleibe – oder sind Sie gar Eigentümerin?

In einer 3-Zimmerwohnung im schönen Wiedikon. Der Mietzins ist weder luxuriös hoch, noch unverschämt günstig.

«Wiedikon ist heute sehr viel hipper als Anfang der 1990er Jahre.»

Marita Verbali (FDP)

Welche Themen wollen Sie in den kommenden vier Jahren aufs politische Parkett bringen?

Die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie wichtig eine gute Gesundheitsversorgung ist. Es braucht gute Rahmenbedingungen für die Spitäler und Kliniken. Dazu gehören insbesondere auch kostendeckende Tarife, damit der Grundsatz «ambulant vor stationär» auch wirklich gelebt werden kann. Die Gesundheitsversorgung funktioniert nicht wie bspw. der Automobil- oder Waschmaschinenmarkt. Es braucht gewisse Regulierungen. Aber zu viel Regulierung kostet nur, entnervt die Fachkräfte und bindet Personalressourcen, die viel dringender bei den Patient:innen benötigt würden. Wir haben – und zwar nicht erst seit der Pandemie – einen Fachkräftemangel.

Im Stadtspital Zürich leite ich das «Programm Stärkung Pflege». Ich möchte mich auch im Kantonsrat dafür einsetzen, dass Pflegefachpersonen im Beruf bleiben und junge Menschen diesen spannenden Beruf erlernen möchten. Der Fachkräftemangel betrifft aber nicht nur die Pflege. Es fehlen auch Kinder- und Jugendpsychiater:innen, Kindermediziner:innen und Hausärzt:innen – um nur einige zu nennen. 

Die Strassen Zürichs sind ein hart umworbenes Pflaster. Wie sind Sie in der Regel in der Stadt unterwegs?

Wer mich kennt, weiss, dass ich Sommer wie Winter mit dem Velo unterwegs bin. 

Vor wenigen Wochen haben wir die Züri Awards verliehen. Wen würden Sie zur:zum Zürcher:in des Jahres 2022 küren?

Meinen Coiffeur René. Sein Coiffeursalon schafft (Teilzeit-)Arbeitsplätze und er bildet Lehrlinge aus – unter anderem eine aus Afghanistan geflüchtete junge Frau. Er führt sein Kleinunternehmen engagiert und trotzt manch widriger Bedingung. Für mich ist René ein Paradebeispiel für den Erfolg der Schweizer Wirtschaft: engagiertes (Klein-)Unternehmertum bringen die Schweiz weiter. 

Sie wohnen seit über 30 Jahren im Kreis 3. Wie hat sich das Quartier seither verändert?

Wiedikon ist heute sehr viel hipper als Anfang der 1990er Jahre. Mir gefällt die Vielfalt im Quartier, der lebendige Idaplatz, der BrupbiMärt mit dem feinen Kafi von Isule Coffee, den Wiedikerli (beste Würste in town!) und den nachhaltigen Produkten aus der Region, das Mohn-Marzipan-Glacé der Gelateria di Berna ist unübertroffen und welches Quartier hat schon so viele ausgezeichnete (im doppelten Sinne) Restaurants wie das Kle, die Wirtschaft zum Franz und das Silex vorzuweisen. 

Sie schreiben: «Gesundheitspolitik für den Kanton Zürich – mit Herz und Sachverstand». Können Sie uns diesen Slogan erklären? 

Gesundheitspolitik sollte auf Fakten und Wissen basieren. Ich möchte (mehr) Systemwissen über das Gesundheitswesen in den Kantonsrat bringen. Ich bin seit über 20 Jahren mit Herzblut in der Gesundheitsversorgung und -politik engagiert. Sie sind mein Beruf, meine Berufung und Passion. 

Ein Blick in die Listen

Am 12. Februar 2023 wählt der Kanton Zürich seine Regierung und sein Parlament neu. Während sich für den Regierungsrat 17 Kandidierende zur Wahl stellen, sind es beim Kantonsrat ganze 1687 Politiker:innen. Einige von ihnen wollen künftig auch ihren Zürcher Stadtkreis vertreten. Wir haben uns auf die Suche nach den Kandidierenden gemacht, die uns beim Stöbern in den Wahllisten des Kantonsrats aufgefallen sind.

Am 12. Februar 2023 wählt der Kanton Zürich seine Regierung und sein Parlament neu. Während sich für den Regierungsrat 17 Kandidierende zur Wahl stellen, sind es beim Kantonsrat ganze 1687 Politiker:innen. Einige von ihnen wollen künftig auch ihren Zürcher Stadtkreis vertreten. Wir haben uns auf die Suche nach den Kandidierenden gemacht, die uns beim Stöbern in den Wahllisten des Kantonsrats aufgefallen sind.

1. Anabel Minas (Die Mitte): «Es ist wichtig, dass queere Menschen in bürgerlicheren Parteien aktiv sind»

2. Christoph Riedweg (GLP): «Wenn die Lohnschere derart auseinanderklafft, so hat dies soziale Sprengkraft»

3. Rahel El-Maawi (AL): «Wir müssen die Frage der Zugehörigkeit reflektieren»

4. Tanja Emmenegger (SVP): «Das Gesundheitspersonal hat Unglaubliches geleistet»

5. Matyas Sagi-Kiss (SP): «Die Wohnungsnot soll nicht nur auf städtischer Ebene bekämpft werden»

6. Hüseyin Mamakli (Grüne): «Mein Interesse für die Schweizer Politik entstand spät»

7. Marita Verbali (FDP): «Engagiertes (Klein-)Unternehmertum bringt uns weiter»