💪🏽 1291 Member 💪🏽

Die Inhaberin Michèle Zeller-Kramer und der wohl bekannteste Schuh Zürichs. (Alle Fotos: Jenny Bargetzi)

Zu Besuch im Kultladen «Peter & Vreni»

Vor zwei Jahren musste der Schuhladen Peter und Vreni an der Langstrasse wegen einer Verdoppelung der Miete einen Teil des Ladens aufgeben. Der Vermieter wollte mehr Geld und hat dieses von der Migros bekommen. Nun ist das an dieser Stelle entstandene Migros-Take-Away aber bereits wieder zu. Wie geht es jetzt weiter? Ein Besuch im kleinen Laden.
11. März 2021
Praktikantin Redaktion

Die Umsätze des Migros-Ablegers seien zu schlecht, deshalb gibt der Detailhandelsriese das Geschäft schon wieder auf. Vergangene Woche hat Chefredaktor Simon Jacoby die Migros in einem Kommentar dazu aufgefordert, die Fläche darum wieder zurückzugeben. Doch die Migros hat die Miete damals nicht selber erhöht, es war der Besitzer des Hauses. Aus den Reaktionen der Tsüri.ch-Leser*innen ist vor allem Eines zu spüren: Unverständnis über die unnötige Zurückdrängung des Quartierladens.

Aus diesem Grund haben wir mit der Geschäftsleiterin von Peter & Vreni Schuhmode, Michèle Zeller-Kramer, gesprochen. Vor rund zehn Jahren hat sie das im Jahr 1973 gegründete Geschäft ihrer Eltern an der Ecke Josef-/Langstrasse übernommen. Das Haus, in dem Peter & Vreni Schuhmode seit bald 50 Jahren drin ist, gehört Peter Kramer, Michèles Vater.

Die Begrüssung ist herzlich, man fühlt sich im Schuhladen sofort wohl. Sie gehe nur schnell in den anderen Laden Bescheid sagen, meint Michèle und huscht auf die andere Strassenseite. Mit dem anderen Laden ist das gegenüberliegende Schuhgeschäft District 5 gemeint, das als eine Art Notlösung entstanden war. Dazu aber später mehr.

Das Warten auf Michèle gibt etwas Zeit, um herumzuschmökern. Geordnet nach Grösse, Farbe und Stil, bietet das Geschäft für die unterschiedlichsten Geschmäcker Schuhe an. Neben ein paar Winterschuhen, die noch auf Käufer*innen warten, stehen Espadrilles für den Frühling bereit. Im Hintergrund läuft Radio. Alles zusammen eine gemütliche Einkaufsatmosphäre. Wäre da nur ein bisschen mehr Platz.

Geld regiert auch bei der Langstrasse

Im oberen Stock, der Büro und Lager gleichzeitig ist, erzählt Michèle, dass es mittlerweile zwei Jahre her ist, als sie das Geschäft um die Hälfte der Fläche reduzieren mussten. Grund war eine Mietzinserhöhung um das Doppelte in der direkt angrenzenden Liegenschaft, die nicht Peter Kramer gehört. «Das konnten wir einfach nicht stemmen», sagt Michèle. «Wir sind mit dem Besitzer und seinen Söhnen noch einmal zusammen gesessen, in der Hoffnung, eine Lösung zu finden. Es nützte nichts. Leider war Herr Schmid das Geld wichtiger.» Damit meint Michèle den Eigentümer der Liegenschaft Georg Schmid. Dass Schmid eigentlich ein Theologe sei, würde sie am meisten wurmen, meint Michèle. «Er ist kein Banker, der viel Geld machen muss. Zudem kennen wir ihn schon lange und haben unsere Miete immer pünktlich bezahlt».

Not macht erfinderisch

«Der Vertrag war auf zehn Jahre befristet. Bereits vorher hatten wir rund 30 Jahre lang auf der halben Ladenfläche unsere Schuhe verkauft. Für die Vertragslaufzeit konnten wir dann verdoppeln.» So wussten sie bereits ein Jahr vorher, dass sie die Hälfte des Geschäfts schliessen müssen. Wütend sei sie schon gewesen, vor allem am Anfang. Trotzdem musste sie sich irgendwie damit abfinden und sich Gedanken darüber machen, wie es weitergehen soll. Das brachte sie zum Handeln: «Zur gleichen Zeit machte auch die Apotheke auf der anderen Strassenseite zu. So konnten wir diese Ladenfläche dazumieten und den District 5 eröffnen». Während einem Jahr waren sie Mieter*innen von drei verschiedenen Ladenflächen. Nicht immer einfach, aber das ermöglichte uns, eine Lösung für das Problem zu finden.»

Der neue Sneakerstore District 5 ziehe vor allem junge Leute an. Denn egal wie viele Markenschuhe wie zum Beispiel «Nike» oder «Adidas» sie im Laden hätten, die Jungen würden nicht bei Peter & Vreni Schuhmode einkaufen. Das sei ein Laden für Kinder und Erwachsene. Darum auch der neue und moderne Namen des Schuhgeschäfts «District 5». «Viele Kund*innen wissen nicht, dass wir zusammengehören. Sie solidarisieren mit uns und meiden den anderen Schuhladen», lacht Michèle. Sie erkläre dann jeweils, dass die beiden Läden eben zusammen gehören.

Die Krise hinterlässt auch bei Peter & Vreni ihre Spuren

Auch wenn Peter & Vreni Schuhmode Unterstützung spüren, seien die Lockdowns auch an ihnen nicht spurlos vorbeigegangen. Im Ersten wurde ihnen die District 5-Miete erlassen, im Zweiten leider nicht mehr. Nachwirkung habe auch die Homeoffice-Pflicht. Rund ein Fünftel des Umsatzes gehe ihnen dadurch verloren, so Michèle. Die Menschen kommen nach der Arbeit nicht extra in die Stadt Schuhe kaufen. Dazu kommt die Zwischensaison: Es ist noch zu kalt, um Sommerschuhe zu kaufen. Aber auch hier gilt wieder: Das Beste draus machen. «Dass wir zehn Löhne bezahlen können, ist ein riesen Privileg. Ich möchte das auf keinen Fall verlieren. Schlussendlich ist es aber eine Rechnung, die aufgehen muss. Wenn die Leute weniger zu uns Schuhe kaufen kommen, muss irgendwann dann Personal gehen.» Im schlimmsten Fall könnte sie den Laden alleine betreiben, jedoch möchte sie das nicht, sagt Michèle.

Der Sneakerstore District 5 für die jüngeren Kund*innen.

Ein Onlineshop steht noch aus

Auf die Frage, ob ein Onlineshop geplant sei, entgegnet Michéle: «Unsere Leidenschaft ist das Verkaufen, Beraten und mit den Kund*innen zusammenarbeiten. Ich liebe es, wenn ich im Verkauf sein kann, dann komme ich glücklich nach Hause und meine Familie wundert sich anschliessend über meine gute Laune. Onlineshopping möchte ich nicht, das ist einfach nicht mein Bereich.» Es fehle ihr dafür an Freude und Kapazität. Ausser sie würde eine neue Person anstellen, die die Schuhe einpacke und den Onlineshop jeden Tag mit neuer Ware füttere. «Vielleicht mache ich das irgendwann einmal», überlegt Michèle. «Mein Sohn absolviert eine Detailhandelslehre. Wenn er das Geschäft später übernehmen möchte und Lust hat, einen Onlineshop aufzubauen, dann darf er das natürlich tun. Ich würde ihn sicher nicht bremsen.»

Bis dahin besteht das Hauptgeschäft im persönlichen Kontakt. Hier spüre sie auch die direkte Unterstützung der Kund*innen und meint: «Zu merken, dass man wahrgenommen wird, ist einfach so schön und tut dem Herzen gut.»

Georg Schmid, der Eigentümer der Liegenschaft, war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Kommentare

Nöd Jetzt!