Bullshit-Job? 💩

160'000 Frauen demonstrierten in Zürich am nationalen Frauenstreiktag letzten Juni. Bild: Wikimedia/ CC 2.0

«Wir planen sicher etwas zum nächsten Weltfrauentag»

Hundertausende Frauen strömten vor genau drei Monaten auf die Strassen, um Gleichstellung zu fordern. Die Organisatorinnen des Zürcher Frauenstreiks organisieren schon den nächsten Coup.
14. September 2019
Redaktorin

Der Menschenstrom zog sich durch die ganze Stadt. Allein in Zürich marschierten 160'000 Frauen durch die Strassen. Die Masse war lila und laut. Zwanzig Jahre nach dem ersten nationalen Frauenstreik haben Frauen wiederum ihre Arbeit niedergelegt, um ein Zeichen gegen Sexismus und Diskriminierung zu setzen und für Gleichstellung einzustehen. «Wir hätten nicht gedacht, dass das solche Ausmasse annehmen würde. Das war ausserhalb der Vorstellungskraft», sagt Anna Schmid, Mitglied des feministischen Streikkollektivs Zürich.

Im Vorfeld des 14. Junis war das feministische Streikkollektiv Zürich eine Zentrale der Vernetzung und ein wichtiges Vorbild für die Gruppierungen in der ganzen Schweiz, die sich in den Vorbereitungen zum Frauenstreik bildeten. Da war beispielsweise die Gruppierung «Trotzphase», die bessere Löhne und Anerkennung für Fachpersonen in der Kinderbetreuung fordert, oder das Hochschulkollektiv, das Gleichstellung an Zürcher Hochschulen will.

Im August 2018 fand erstmals ein Treffen statt, wo Frauen und Queers zusammenkamen, um darüber zu sprechen, wie der Streik in Zürich organisiert werden könnte. «Uns war und ist es wichtig, dass wir allen offen stehen, die sich engagieren wollen», sagt Anna Schmid. Im Dezember desselben Jahres beschlossen sie schliesslich, das Kollektiv zu gründen. Regelmässig trafen sich die Mitglieder, um den Triumph von vergangenem Juni vorzubereiten.

Der Vaterschaftsurlaub ist nicht genug

«Der Frauenstreik-Effekt verpufft – Wunsch nach mehr Frauen bleibt», titelte das SRF vor wenigen Tagen. «Tamara Funiciello scheitert bei erster Abstimmung nach dem Frauenstreik», schreibt das Online-Portal Nau.ch. Das Berner Kantonsparlament hat die Forderungen der SP-Fraktion und Funiciellos, auf allen Wahllisten künftig mindestens 50 Frauen aufzuführen, abgelehnt. Genauso wie den Vorstoss, dass alle Frauen am 8. März, dem internationalen Weltfrauentag, frei haben sollen, weil sie noch immer weniger verdienen als Männer. «Im Frühjahr war die Frauenthematik auf dem Höhepunkt. Seither hat es ein wenig abgenommen, auch auf der linken Seite, und wird weniger als Problem genannt», zitiert das SRF den Politgeografen Michael Hermann, der aber dennoch glaubt, dass der Frauenanteil immerhin im Nationalrat zunehmen wird.

Gleichzeitig beschloss das Bundesparlament, den Vaterschaftsurlaub von einem Tag auf zwei Wochen zu erweitern. Der SP Zürich geht das aber nicht weit genug, weshalb sie heute die Elternzeit-Initiative präsentieren. Hat der Frauenstreik-Effekt nicht eingesetzt?

Ein Streikhaus

Für Anna Schmid ist klar, dass es für das Kollektiv auch im nächsten Jahr unbedingt weitergehen muss. «Wir planen sicher etwas zum Weltfrauentag am 8. März 2020. Und vielleicht wird es erneut einen Streik geben.» Denn das Zürcher Frauen*streikkollektiv blieb auch nach dem Streik bestehen. «Am 5. Juli trafen wir uns für einen gemeinsamen Rückblick und haben unsere Erlebnisse geteilt. Das war sehr schön, zu merken, dass dieser Tag die Biografien von tausenden Frauen prägen wird». Deshalb steht für Anna Schmid ausser Frage, dass es für das Kollektiv auch im nächsten Jahr unbedingt weitergehen muss. Neben der JUSO hat auch das Zürcher Frauen*streikollektiv eine Gegendemonstration zum «Marsch fürs Läbe»-Protest der Abtreibungskritiker*innen organisiert, die heute Samstag stattfindet.

Der nächste Schritt wird die Eröffnung des feministischen Streikhaus sein, sagt Anna Schmid. Die Stadt habe dem Kollektiv die Zusage für die Räumlichkeiten gegeben. Nun sollen dort die weiteren Vernetzungstreffen stattfinden. Aber auch einen Bandraum und eine feministische Bibliothek soll es geben. «Das ist wichtig, dass wir so auch physisch Raum in der Stadt einnehmen können.»

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