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Wir lieben dieses Restaurant. Aber da wir Journis sind, haben wir trotzdem etwas zu meckern

23. November 2015


Seit zwei Monaten steht an der Langstrasse ein neues Burgerrestaurant. «b.good» heisst die amerikanische Kette, die im Kreis 5 ihre erste Filiale ausserhalb der USA und Kanada eröffnet hat. Du denkst, ein neuer McDonald's oder KFC ist im Anmarsch und überschwemmt unsere Stadt mit Friteusefett und Billigfleisch? Weit gefehlt. «b.good» ist Mutter Theresa unter den Fast Food-Restaurants. Wir haben die Kette unter die Lupe genommen. Eines vorweg, der Burger war sehr geil.

[caption id="attachment_4561" align="alignnone" width="640"]P1190540 An der Langstrasse treffen zwei amerikanische Welten aufeinander.[/caption]

Fast wäre ich am Laden vorbeigelaufen, so unscheinbar ist das Burgerrestaurant «b.good» von aussen. An der Theke wachsen echte Pflanzen und in einem Korb liegen echte Süsskartoffeln. Das Getränkeangebot – nur Schweizer Produkte: Chopfab, Appenzellerwasser (letztes unabhängiges Mineralwasser der Schweiz), und die HeyLife-Smoothies von einem Zürcher Jungunternehmen.

Auf der Speisekarte: saisonale Salate, Burger und Grain Bowls (so etwas wie Salate mit Getreide, ein Trend aus den USA). Auf einer Tafel neben der Theke ist deklariert, von wo die Hauptzutaten der Fast Food Menüs herkommen: Brot von der Bäckerei Fredy's in Baden, Rindfleisch von einem St. Galler Bauernhof. Mit saisonal und regional wirbt die Kette. Der Slogan von b.good: «Food from Farmers». Von wo soll das Essen sonst kommen?

Hippes Konzept aus Boston In einem Youtubevideo erklärt mir der amerikanische Gründer der Kette seine Mission: «Wir wollen die Fast Food-Industrie umkrempeln.» Nadia Frischknecht macht für «b.good» in Zürich das Marketing. Sie erklärt mir, was hinter den Slogens von b.good steckt: «Bei uns ist nichts tiefgekühlt. Das Essen wird direkt im Laden zubereitet. Das Rindfleisch geht hier jeden Tag frisch durch den Fleischwolf.» Auch Pommes werden bei «b.good» frisch gemacht und im Ofen gebacken. So sind sie gesünder als tiefgefroerene Pommes aus der Friteuse. «Aber halt immer noch Pommes», meint Nadia.

Sie selber hat alle lokalen Lieferanten besucht und kennt die Bauern persönlich. «b.good» legt Wert darauf, dass die Kunden wissen, wo die Produkte herkommen. «Lebensmittel, die natürlich wachsen, ohne Antibiotika und Hormone», so das Versprechen von den Gründern. Bis jetzt werden zum Beispiel IP-Suisse (Brot) oder Swiss-Garantie (Fleisch) zertifizierte Produkte verwendet, die nicht zu den nachhaltigsten Lables der Schweiz gehören. (Hier geht es zu einer Lebensmittellabel-Übersicht.) Warum nicht gleich Bio-Produkte verwenden? «Wir haben alle Zertifizierungen analysiert und uns momentan für die ausgewählten Labels entschieden, längerfristig können Änderungen möglich sein», sagt Nadia.

[caption id="attachment_4562" align="alignnone" width="640"]P1190544 Wo kommt mein Fleisch heute her? Die Tafel gibt über den aktuellen Produzenten Auskunft.[/caption]

Das Konzept hat aber auch klar seine Limits: Im Burger gibt es das ganze Jahr Tomaten, auf Salaten sind Avocados und Peperonis zu finden. Cranberryes und Mandeln gibt es in den Grain Bowls. Das hat nichts mehr mit saisonal oder regional zu tun. Einige Kompromisse waren nötig, wie Nadia mir erklärt: «Wichtig war uns, dass die Hauptkomponenten aus der Region kommen». Daneben gibt es aber gewisse Produkte, die importiert werden, der Burger soll auch das ganze Jahr über Tomaten drin haben. «Aber bei uns gibt es sicher keine Erdbeeren im Winter», so Nadia.

Auch Dominique Senn von foodwaste.ch findet die Ausrichtung von «b.good» grundsätzlich begrüssenswert. Dass genau eine US-Firma die Regionalität und Saisonalität hervorhebt findet sie nicht problematisch: «Es ist eine coole Idee, ausserdem kommen viele innovative Ideen aus den USA.» Etwas weniger optimistisch sieht das Alex Tiefenbacher vom Nachhaltigkeitsmagazin LAMM: «b.good suggeriert auf ihrer Homepage, dass nur saisonale und regionale Produkte verwendet werden. Ihre Süsskartoffeln und Avocados sind aber sicher nicht von hier. Es ist schade, dass das nicht deklariert wird. Das ist nicht sehr transparent.»

Sind Fastfood und Müll unzertrennlich? Wie steht es bei «b.good» um die Müllproduktion? Bekommt man auch zu jedem Burger ein halbes Kilo Karton und Plastik geschenkt wie beim Mäc gegenüber? «Wir verwenden nur Recycling-Servietten und packen den Burger in ein Papier statt einer Schachtel», sagt Nadia. Das Einwegbesteck besteht aus nachwachsenden Rohstoffen und ist CO2-neutral. Aber mal ehrlich, geht Fast Food nur mit Wegwerfbesteck? Auch wer im Restaurant isst – um Einweggeschirr und PET Flaschen kommt er leider nicht herum.

Warum kommt die amerikanische Kette eigentlich genau nach Zürich? Nadia ist überzeugt, dass dieses Restaurantkonzept hier Anklang findet. «Zürich ist in vielen Belangen eine Vorreiterstadt, globale Trends werden hier schnell aufgenommen», sagt Nadia. Ausserdem seien Zürcher sensibel für Gesundheitstrends. So hat das Franchiseunternehmen in Zürich gut gestartet. Bereits nach zwei Monaten wurde im Oberdorf eine zweite Filiale eröffnet.

 

Bei so viel gesund und nachhaltig muss man natürlich auf den Preis schauen. Vergleichen wir die Preise für ein Menu mit McDonald's:

  • West-Side Burger 11.90 (Avocado, Tomatensalsa, Chipotle Sauce, Limette, Koreander, Rindsburger, Vollkornbrot)
  • Pommes 4.90
  • Vivitz Bio Ice Tea 4.50
Total b.good: 21.30 CHF
  • The New Prime Burger 10.90 (Rindfleisch, Gruyère Bergkäse, Coleslawsalat und Relish- und Farmer-Saucen)
  • Pommes Medium 3.90
  • Lipton Ice Tea 3.90
Total McDonald's: 18.70 CHF

 

Vor lauter saisonal und lokal hätte ich fast vergessen, dass ich in einer amerikanischen Food-Kette sitze. Gleich neben McDonalds, der vor 39 Jahren seine erste Filliale in der Schweiz eröffnete. Kann es sein, dass sich die Lebensmittelindustrie doch noch zum Guten wendet? Um nicht zu euphorisch zu werden, hilft folgender Zahlenvergleich: «b.good» betreibt 23 Restaurants in Nordamerika und zwei in Zürich. McDonald's hat weltweit über 37'000 Restaurants.

[caption id="attachment_4566" align="alignnone" width="640"]P1190555 Nadia Frischknecht, verantwortlich für das Marketing bei b.good.[/caption]

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