Student:innen kritisieren Tsüri.ch

Tsüri.ch gibt es seit nun mehr sechs Jahren und ist im Raum Zürich als unabhängiges Medium kaum mehr wegzudenken. Wir, acht Multimedia Production Student:innen von der FH Graubünden, haben das Stadtmagazin als Medium unter die Lupe genommen und nach fünf Kategorien analysiert.
26. April 2021

Unter der Leitung des Dozenten Bruno Schatz haben wir im Rahmen unseres Moduls «New Independent Media» folgende neuen unabhängigen Medien kennengelernt: Republik, Saiten, BabaNews, Kultz, die Agentur von Ferris Bühler und Tsüri.ch. Wir lernten den Werbe- und Leser:innenmarkt kennen, hielten intime Einblick in die Marketing-Strategien der genannten Plattformen und erlebten dadurch einen 360° Einblick in die Welt der neuen unabhängigen Medien.

Als Abschluss des Kurses und mit der nun vorhandenen Expertise, haben wir Tsüri.ch aus der User:innen Sicht unter die Lupe genommen. Wir analysierten den redaktionellen Inhalt, Design und Layout, den Bereich Interaktion und Community, die Sozialen Medien und die Newsletter von Tsüri.ch

Redaktionelle Inhalte

Tsüri.ch ist sehr vielseitig. Es mangelt keinesfalls an einer diversen Auswahl von Themengebieten und Formaten. Damit spricht Tsüri.ch junge Menschen direkt an. Tsüri.ch ist echt, bringt Fakten auf den Tisch, ist nah am Geschehen in Zürich und bietet, was erwartet wird - nämlich unkonventionelle, redaktionell aufbereitete und abwechslungsreiche Inhalte.

Aber: die Texte dürften mit einer besserer Gliederung aufgewertet werden, z.B. durch mehr Zwischentitel. Hinzu kommt, dass einige Beiträge viele Verlinkungen enthalten, diese könnten man manchmal im Text aufschlüsseln.

Andererseits schätzten wir die Zwischenelemente, die regelmässig eingebaut werden wie Fotos, Videos, hervorgehobene Zitate usw.

Layout und Design

Uns gefällt, dass die blaue Tsüri.ch-Farbe immer wieder aufgegriffen wird und somit einen gewissen Wiedererkennungseffekt generiert. Die Seite ist übersichtlich gestaltet und die Navigation ist verständlich.

Einige der nun folgendne Punkte sind auch Gründe, weshalb Tsüri.ch bald einen Designwechsel erleben wird.

Erstens, wird kein Format (Kolumnen, Reihe usw.) visuell hervorgehoben werden, lediglich Promotionen.

Zweitens, empfanden einige Mitstudent:innen die Schriftgrösse im Vergleich zu anderen Medien als zu gross.

Drittens, denken wir, dass die Startseite noch spannender wirken könnte, z.B. durch den Einsatz von unterschiedlich grossen Vorschaubildern der Beiträge. Ausserdem würde ein Filter (z.B. um eine Rubrik auszuwählen) die Nutzung von Tsüri.ch vereinfachen.

Auf Instagram teilt Tsüri.ch Bilder von Orten, Stickern, Szenen aus der Stadt Zürich. Ein Konzept, das wir unterhaltsam und interessant finden. Wir empfehlen aber Posts, welche z.B. lediglich einen Tsüri-Beitrag promoten, visuell herausgehoben werden. Sei es durch einen Tsüri-blauen Rahmen oder einem Logostempel auf dem jeweiligen Bild.

Bei den Newslettern unterliegen das Tagesbriefing und der Wochenrückblick einem komplett anderen Design. Hinzu kommt, dass der gesamte Auftritt etwas laienhaft wirkt. Ein konkretes Layout-Konzept könnte da aushelfen.

Interaktion und Community

Auf Instagram geht Tsüri.ch selten auf Kommentare ein. Das Engagement ist bei ca. 1 Prozent. Hier könnten sie z.B. vermehrt Umfragen durchführen oder die Community direkt ansprechen und zum Mitmachen auffordern.

Ähnliches auch bei Twitter. Tsüri.ch posted nur einen Link zu einem neuen Beitrag, was die Kommunikation sehr einseitig macht. Twitter ist bekannt als Diskussionsplattform - deren Fähigkeiten dürfte sich Tsüri.ch ebenfalls bedienen.

Auch beim letzten Sozialen Medium Facebook - wo Tsüri.ch eine Reichweite von rund 25’000 Abonnent:innen hat - ist das Engagement sehr klein. Gemeinsam überlegten wir uns, ob es nicht sogar an der Zeit sei, die Plattform einzustellen. Simon betonte hierbei aber, dass Facebook nach Google noch immer die zweitwichtigste Traffic-Quelle ist.

Zuletzt ist uns aufgefallen, dass einige Kommentare unmoderiert veröffentlicht wurden. Beim unten aufgeführten Bildbeispiel handle es sich laut Simon definitiv um einen Fehler und das der Kommentar wohl übersehen wurde (dieser ist nun gelöscht).

Social Media

Sämtliche Kanäle zeigen inhaltlich eine grosse Vielfalt auf - von unterhaltsamen bis zu sehr ernsten und kritischen Beiträgen. Die einen unter uns schätzten die Vielseitigkeit, andere würden sich mehr Struktur wünschen. Nach den Layoutvorschlägen (s. Punkt 2) sind wir uns nicht im Klaren, was der Instagramkanal von Tsüri.ch tatsächlich ist? Ein Meme-Account? Oder gibt es journalistische Formate? Unser Tipp: Fokus setzen. Es darf Platz haben für humoristische und redaktionelle Inhalte, dann sollten diese aber visuell von den anderen Inhalten getrennt werden.

Instagram ist die Plattform auf der man junge Menschen am schnellsten erreicht. Mit mehr und präziseren Hashtags, längeren und persönlicheren Texten könnten mehr potenzielle Tsüri-Leser:innen angesprochen werden.

Letztlich empfehlen wir eine konkrete Strategie auszuarbeiten, um Interaktion und Engagement zu fördern und sich mit den User:innen auszutauschen und Bedürfnisse ausfindig zu machen.

Im Bezug auf Twitter meint Simon sie hätten sich bereits überlegt das Profil zu löschen, da die Interaktion sehr gering ist. Jedoch lösen einige Posts manchmal hitzige Diskussionen aus - hier könnte Tsüri.ch ansetzen. Twitter hat Potenzial um sich direkt mit Leser:innen in Verbindung zu setzen.

Newsletter

Wir mögen, dass man bei der Registration unterschiedliche Newsletter auswählen kann. So auch die persönliche Ansprache eines Tsüri-Redaktions-Mitglied im Briefing.

Nach der Kritik am Layout in Punkt 2, gibt es nochmals zu erwähnen, dass die Länge des Tagesrückblicks auf uns fast schon erschlagend wirkt. Auch hier: Zwischentitel!

Im Wochenrückblick vom Dienstag empfinden wir das Verhältnis von Bild und Text bereits viel ausgewogener, die Farbwahl ist aber sehr untypisch für Tsüri.ch und wirkt zufällig gewählt.

Weiter sind die Titel des täglichen Briefings nichts-aussagend («Was heute Dienstag wichtig war»). Dieser regt nicht sonderlich zum Lesen an. Simon meinte hierbei, dass dies absichtlich so gewählt wurde. Wenn man das Briefing kennt, erwartet man auch nicht mehr oder weniger als das «Was heute Dienstag wichtig war».

Zuletzt: wie erreicht man mit Newslettern die junge Zielgruppe? Welchen Mehrwert kann Tsüri.ch bieten? Als Beispiel haben wir Bajour aufgeführt, die jeweils GIFs oder Memes einbinden, um so jüngere Leser:innen beizubehalten.

Fazit

Schliesslich überzeugt uns Tsüri.ch mit einem einfachen aber schönen visuellen Auftritt und einer starken Transparenz, bezüglich ihrer Ziele, Ambitionen, aber auch Fehler und Rückschläge.

Vielen Dank, für die Möglichkeit euer Magazin mal noch etwas genauer in Augenschein zu nehmen.

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